Grundbuchbereinigung in Hundwil steht vor dem Abschluss: Wo die alten Wegrechte noch schlummern

Als letzte der Ausserrhoder Gemeinden schliesst Hundwil voraussichtlich Ende Jahr seine Grundbuchbereinigung ab. Einblick in eine Arbeit, die 1976 begann.

Astrid Zysset
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Fredi Hertler musste jeden einzelnen Eintrag in den alten Büchern unter die Lupe nehmen.

Fredi Hertler musste jeden einzelnen Eintrag in den alten Büchern unter die Lupe nehmen.

Bild: Astrid Zysset

Als «aufwendig und in einzelnen Fällen äusserst anstrengend», umschreibt Fredi Hertler seine Arbeit. Seit 2016 ist er für die Grundbuchbereinigung in Hundwil zuständig. Die alten Bücher, in welchen über Jahrhunderte die Grundbucheinträge mehrheitlich in deutscher Kurrentschrift festgehalten wurden, stapeln sich auf seinem Tisch. Mittlerweile mehren sich jedoch die Seiten, über welche ein roter Strich gezogen wurde. «Rot bedeutet, die Einträge wurden bereinigt und digital erfasst», erläutert Hertler. Für ihn heisst das: Arbeit abgeschlossen.

Es ist eine bundesrechtliche Pflicht, dass die Grundbücher bereinigt und in ein EDV-System übertragen werden. Hundwil ist die letzte Gemeinde in Appenzell Ausserrhoden, welche diese Vorgabe noch umsetzen muss. Ende Jahr soll die Arbeit beendet sein. Damit schliesst sich ein langwieriges Kapitel in der Verwaltung der Hinterländer Gemeinde; begonnen hatte man mit der Grundbuchbereinigung 1976.

Letzte Verhandlungen haben begonnen

Hundwil ist die letzte Gemeinde in Appenzell Ausserrhoden, in welcher die Grundbuchbereinigung vollzogen wird.

Hundwil ist die letzte Gemeinde in Appenzell Ausserrhoden, in welcher die Grundbuchbereinigung vollzogen wird.

Bild: PD

35 Jahre lang war Fredi Hertler Grundbuchverwalter in Herisau, zuvor arbeitete er in diesem Bereich zehn Jahre in Goldach. Mittlerweile wäre er pensioniert. Eigentlich. Denn als die Anfrage aus Hundwil kam, liess er sich dazu überreden, den Ruhestand noch etwas aufzuschieben. «Hundwil genehmige ich mir zum Dessert», sagt er und lacht. Es ist aber ein Dessert, das es in sich hat. Eines, das sich aus Dienstbarkeiten zu Quellrechten, Durchfahrtsrechten und Strassenunterhaltszahlungen zusammensetzt.

Beispiel: Der Weg zur Hundwiler Höhe. Hier bestanden noch Senntums-, Viehtrieb- und Saumrechte aus dem 19. Jahrhundert. Diese Ansprüche mussten in Absprache mit den beteiligten Grundeigentümern in moderne Durchfahrtsrechte umgewandelt werden. «Dabei gilt es, Besonderheiten zu beachten», führt Hertler aus. «Wenn ein Saumrecht respektive das Recht, mit Ross und Muli den Weg zu nutzen, plötzlich zu einem Fahrrecht wird, hat dies direkten Einfluss auf den Unterhalt der Strasse.»

Dienstbarkeiten rund um Wege und Strassen bildeten ohnehin den Hauptbestandteil von Hertlers Betätigungsfeld, da viele Strassen in Appenzell Ausserrhoden in privater Hand oder in der Obhut von Flurgenossenschaften sind. «Erschwerend kommt hinzu, dass das ausserrhodische Strassenrecht nicht mehr den heutigen Bedürfnissen und Ansprüchen entspricht.» Daher sei es schwierig, Lösungen zu erzielen. Doch ein Ende der Grundbuchbereinigung in Hundwil ist in Sicht: Abgesehen von ein paar Ausnahmen müssen lediglich noch die Dienstbarkeiten in der Schwägalp aktualisiert werden. Hertler zeigt sich zuversichtlich, dass hier demnächst die Verträge unterzeichnet werden können: «Die Verhandlungen verliefen äusserst positiv.»

Vielfach wurde auch skeptisch auf die Bestrebungen zur Grundbuchbereinigung reagiert. Warum braucht es einen neuen Vertrag, wenn eine bestehende Regelung zuvor über Jahrzehnte reibungslos funktionierte? «Es ist eine alte Grundbuchweisheit», sagt Hertler lächelnd.

«Ein Grundbuchvertrag ist vor allem für die nachfolgenden Generationen von Bedeutung. Nicht für diejenigen, die sich einig geworden sind.»

Dankbarkeit nach Einigung

Ein grosser Bestandteil seiner Arbeit ist auch die Auflösung alter Pfandrechte. Die sogenannten Appenzeller Zedel entsprechen einer besonderen Form von Grundpfandtiteln respektive eines Schuldscheins und stammen aus einer Zeit, in welcher es keine Banken gab. Liegenschaften wurden damit mit Kleinstbeträgen beliehen. Die Auflösung dieser Pfandrechte gelang, indem ein Kredit bei einer Bank aufgenommen und die Gläubiger oder deren Nachkommen ausgezahlt wurden. Bis alle Nachkommen ausfindig gemacht worden waren, dauerte es aber oft lange. Ohnehin besteht Hertlers Aufgabe aus langwierigen und zähen Verhandlungen. Ihm gefällt das. «Wenn es dann zu einer Einigung kommt, ist das ein schönes Gefühl. Man hat etwas geschaffen, was lange Zeit gültig sein wird. Und das ist es, was mir an der Arbeit gefällt.»