Grüne verzichten auf Kandidatur

Samuel Büechi aus Trogen verzichtet auf eine Kandidatur als Ständerat. Nach zwei Wahlkämpfen zieht sich das Aushängeschild des Grünen Appenzellerlands aus der Parteipolitik zurück. Gar das Ende der Partei steht zur Debatte.

Michael Genova
Drucken
Teilen
Im Jahr 2011 kämpfte Samuel Büechi (sitzend) mit Köbi Frei, Max Nadig und Andrea Caroni um Ausserrhodens Sitz im Nationalrat. (Bild: apz)

Im Jahr 2011 kämpfte Samuel Büechi (sitzend) mit Köbi Frei, Max Nadig und Andrea Caroni um Ausserrhodens Sitz im Nationalrat. (Bild: apz)

TROGEN. Vor einem Jahr eröffnete der Trogner Samuel Büechi den Wahlkampf mit der Aussage: «Die Grünen werden sicher eine Kandidatur auf die Beine stellen.» Dabei bekundete er auch persönlich Interesse am freiwerdenden Ständeratssitz. Nun ist klar: Das «Grüne Appenzellerland» verzichtet auf eine Ständeratskandidatur. «Ich ziehe mich aus der Parteipolitik zurück», teilt Büechi auf Anfrage mit.

Engagement für IG Stiller

Als Grund für seinen Verzicht nennt Samuel Büechi eine neue berufliche Herausforderung, die er kürzlich angenommen habe. Dazu komme die Erfahrung aus den Wahlkämpfen der vergangenen Jahre: «Wir sind als Partei einfach zu klein.» Büechi will sich deshalb in Zukunft stärker in der IG Stiller engagieren, wo er seit vergangenem Mai wieder aktiv mitmacht. Die Interessengemeinschaft fordert die Einhaltung der gesetzlich vorgeschrieben Ruhezeiten. Neben Glocken auf Kirchtürmen bezeichnet der Verein auch Glocken am Hals von Kühen als störende Lärmquelle. «Das wird in Zukunft meine Freiwilligenarbeit sein», sagt Büechi, der die IG gründete.

Büechi kandidierte zweimal

Samuel Büechis Entscheid bedeutet auch, dass Nationalrat Andrea Caroni der einzige Ständeratskandidat bleibt. Die übrigen Ausserrhoder Parteien hatten bereits früher bekanntgegeben, dass sie sich nicht für den Ständerat bewerben. Bei den Nationalratswahlen hingegen fordern die SP und die SVP mit eigenen Kandidaten die FDP heraus. 2013 kandidierte Büechi zusammen mit Paul Signer und Ingeborg Schmid für den Regierungsrat. Im ersten Wahlgang erzielte er knapp 3000 Stimmen. Zum zweiten Urnengang trat der Trogner nicht mehr an. Der 56-Jährige provozierte gerne und outete sich im Wahlkampf als Kiffer.

Deutlich unterlag Samuel Büechi im Jahr 2011 bei den Nationalratswahlen. Rund 1100 Stimmen entfielen damals auf den grünen Kandidaten. Zusammen mit ihm traten Andrea Caroni, Köbi Frei und Max Nadig zur Wahl an. «Ich bin stolz auf diese beiden Kandidaturen, vor allem auf die Regierungsratswahl», sagt Büechi. Zweimal habe er mitgeholfen, dass es zu interessanten Wahlkämpfen gekommen sei.

Ungewisse Zukunft der Grünen

Schon länger leiden die Grünen in Appenzell Ausserrhoden unter einem Mangel an Freiwilligen, die Abwanderung von Talenten setzt der Partei zu. Die jungen Grünen zögen weg, sagt Samuel Büechi. Im Parteivorstand sitzt zurzeit als gewähltes Mitglied Büechis Sohn Emanuel, designiertes Vorstandsmitglied ist der Trogner Anwalt Tim Walker. Der dritte Sitz ist seit längerem vakant. «Wir haben ein Personalproblem», so Büechi. Im Herbst werden die Mitglieder entscheiden, ob sie die Partei auflösen.

Das Grüne Appenzellerland feierte im 2014 sein 10jähriges Bestehen. (Bild: apz)

Das Grüne Appenzellerland feierte im 2014 sein 10jähriges Bestehen. (Bild: apz)