Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

GROSSFANG: Es gibt sie noch, die grossen Fische

Hobbyfischer Paul Burger aus Goldach zieht ein riesiges Hechtexemplar aus dem Wasser. Dennoch ist der Bodensee-Fischbestand rückläufig. Schuld ist nicht nur Nährstoffmangel.

Er ist 121 Zentimeter lang und wiegt knapp neun Kilo. Der «schillernde Wolf», wie er auch genannt wird, ist an seinem schlanken Körper und mit spitzen Zähnen besetzten grossen Maul erkennbar. Ein stattliches Hechtexemplar, das Paul Burger vergangenen Sonntagmorgen aus dem vorderen Alten Rhein gezogen hat. Die Raubfischart erreicht normalerweise Längen zwischen 50 und 100 Zentimeter.

«Es braucht viel Glück», sagt Burger. Der Hobbyfischer aus Goldach und langjährige Präsident des Fischereiverbands Rorschach schätzt seinen Fang auf acht bis zehn Jahre. Derart grosse Hechte werden selten aus dem Wasser gezogen: «Der war bestimmt schon zwei oder dreimal am Angelhaken. Mit der Zeit werden sie vorsichtiger und sind nicht mehr so leicht zu fangen.»

In den vergangenen Wochen wurden einige überdurchschnittlich grosse Hechte gefischt. Burger erklärt: «Im April und im Mai war Laichzeit. Jetzt haben sie Hunger und gehen eher an den Haken.» Dennoch muten die ­üppigen Fänge seltsam an, wenn allerorts von schwindenden Fischbeständen die Rede ist.

Die Petition «Der Bodensee – Ein Juwel hungert» fordert gar eine Verdopplung des Phosphatgehalts von heute 6 Mikrogramm auf 12 bis 14 Mikrogramm pro Liter. Der Hintergrund: Phosphat ist ein Nährstoff für Algen. Fehlt er, gibt es kein Plankton und die Fischmägen bleiben leer.

Felchen sind stark zurückgegangen

«Wir haben zu wenig Fische. Der Bodensee hat zu wenig Nährstoffe, die Fische finden keine Nahrung mehr», sagt Reto Leuch, Präsident des Schweizer Berufsfischerverbandes. Riesige Hechte, aber zu wenig Fische im Bodensee? Das Phänomen ist schnell erklärt: nicht alle Fischarten sind gleichermassen vom geringen Nährstoffgehalt betroffen. Während beispielsweise Saiblinge, Forellen und Barsche stark zurückgegangen sind, haben sich andere Arten vermehrt oder wenig verändert. Insgesamt sind die Fangzahlen im Jahr 2015 verglichen mit dem Durchschnitt der letzten zehn Jahre aber um rund die Hälfte zurückgegangen (Quelle: Fischereiforschungsstelle Baden-Württemberg). «Vor allem Felchen sind stark zurückgegangen. Geht es so weiter, wird es den Beruf Fischer höchstens als Nebenerwerb geben. Der Felchen ist unser Brotfisch», so Leuch. «Die Gastronomie wünscht sich regionalen Fisch, doch wir können nicht liefern.» Der Berufsfischer hinterfragt, ob es ökologisch sinnvoll ist, den Nährstoffgehalt so gering zu halten und stattdessen Speisefische zu importieren.

«Tatsache ist, dass die aktuelle Diskussion um die Erhöhung der Phosphatkonzentration nicht so einfach ist», äussert sich Michael Kugler vom kantonalen Amt für Natur, Jagd und Fischerei. «Seit vier Jahren hat sich der kleine Stichling explosionsartig vermehrt. Er ist eine Konkurrenzart der Felchen und hat das gesamte System durcheinandergebracht.»

Zudem kommt es nach Angaben des wissenschaftlichen Mitarbeiters durch die Klimaerwärmung zu einem Ausbleiben einer vollständigen Wasserzirkulation, sodass nährstoffreiches Tiefenwasser nicht mehr bis an die Oberfläche gelangt. Die Debatte um den Fischbestand des Bodensees wird weitergehen. Auch mit Riesenhechten. (red)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.