Grosses Kinoerlebnis in Haslen

Am Dienstag herrschte in Haslen Kinostimmung pur. Einem auf Kinder zugeschnittenen Filmnachmittag folgte ein Kinoabend, an dem der Streifen «Usfahrt Oerlike» gezeigt wurde. Der Regisseur Paul Riniker war als Gast anwesend.

Vreni Peterer
Drucken
Teilen
Spannung bei den Schülern von Schlatt-Haslen, Eggerstanden und Meistersrüte vor der Aufführung der Kurzfilme. (Bild: pd)

Spannung bei den Schülern von Schlatt-Haslen, Eggerstanden und Meistersrüte vor der Aufführung der Kurzfilme. (Bild: pd)

HASLEN. «In den Anfängen des Films fuhren Wanderkinos übers Land und brachten die Magie der bewegten Bilder von Ort zu Ort. Heute nehmen wir diese Tradition auf», so steht es auf der Homepage des Vereins Roadmovie zu lesen. Die Bewerbungskriterien für einen solchen Kinotag sind hier ebenfalls klar umschrieben: Das Angebot richtet sich an Gemeinden, die folgendes Profil haben: Kein Kino in der Gemeinde, maximal 5000 Einwohner, eigene Primarschule in der Gemeinde und die aktive Mitarbeit bei der Organisation. Alles Voraussetzungen, die Haslen erfüllte – und das Dorf wurde tatsächlich auf die Tourneeliste genommen.

Filmunterricht ein Anliegen

So traten der Bezirk, die Schule und der Turnverein als gemeinsames Organisationskomitee auf. Filmunterricht in der Schule ist dem Verein Roadmovie sehr wichtig. Ebenso dem Bund und den Kantonen, die das Projekt «Kino-Tag» auf dem Land unterstützen. So wird jeweils am Nachmittag für die Primarschule (6–12 Jahre) ein moderiertes und altersgerecht zusammengestelltes Filmprogramm angeboten. Gezeigt wird eine Auswahl von Schweizer Kurzfilmen mit dem Ziel, den Schülerinnen und Schülern das Medium Film näher zu bringen. Die Filmauswahl erfolgt durch Roadmovie nach pädagogischen Gesichtspunkten. Für das Schulprogramm arbeitet der Verein mit dem Seminar für Filmwissenschaft an der Universität Zürich zusammen. In Haslen waren es am Dienstag 145 Mädchen und Buben, die den Filmnachmittag geniessen konnten. Nach der Vorführung von verschiedenen Trick- oder Dokumentarfilmen hatte das junge Publikum die Gelegenheit, den Filmprojektor genauer zu betrachten und Fragen zum Werdegang eines Filmes und zur Vorführtechnik zu stellen. Die sehr interessierten Kinder erfuhren unter anderem, dass das mobile Kino Roadmovie mit professioneller Kinotechnik arbeitet, die von ausgebildeten Operatricen und Operateuren bedient wird. Dem Verein Roadmovie ist es wichtig, dass die Kinder vor dem eigentlichen Kinotag bereits in der Schule das Thema behandeln und nicht einfach unvorbereitet vor die Leinwand sitzen. Zur Vorbereitung erhalten die Lehrpersonen Unterrichtsmaterial.

Ein Requiem an Stars

Der Abend gehörte vorwiegend den Erwachsenen. Gezeigt wurde der Schweizer Film «Usfahrt Oerlike» mit den beiden unvergesslichen Schauspielern Jörg Schneider und Mathias Gnädinger. Ein bewegender Film über Trauer, Einsamkeit, eine Männerfreundschaft und über Sterbehilfe, der 150 Zuschauer nach Haslen lockte. «Der Film wurde zu einem Requiem für die beiden Hauptdarsteller», sagte Regisseur Paul Riniker am Dienstagabend in Haslen. Denn beide Schauspieler verstarben bekanntlich im Verlaufe dieses Jahres. Nach der Vorführung des Filmes erzählte der Regisseur interessante Details über die Entstehung von «Usfahrt Oerlike». Gedreht wurde er in 30 Tagen, beteiligt waren 40 Leute, dazu kamen noch die Schauspieler und Statisten. Gefilmt wurde zu einem Teil in echten Altersheimen. «Da war mal etwas los im Heim. Die Bewohner hatten Freude, als unsere Equipe aufmarschierte», erinnert sich Paul Riniker. Jörg Schneider habe immer gesagt, dass er selber nicht den Weg vom ihm gespielten Hans gehen und sich das Leben nehmen würde.