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«Grösser wird der Markt nicht»

40 Jahre lang amtete Ernst Klauser in Ebnat-Kappel als Marktchef. Gestern übergab er seine Funktion an Werner Looser. Wegen des Alters, wie er sagt, nicht weil es ihm verleidet sei.
Sabine Schmid
Ernst Klauser (links) übergibt nach 40 Jahren die Leitung des Markts an Werner Looser. (Bilder: Sabine Schmid)

Ernst Klauser (links) übergibt nach 40 Jahren die Leitung des Markts an Werner Looser. (Bilder: Sabine Schmid)

Seit 1977 sorgt Ernst Klauser als Marktchef für einen reibungslosen Ablauf am Jahrmarkt. Gestern fand der letzte unter seiner Führung statt. Es bleiben viele Erinnerungen.

Sie standen gestern zum letzten Mal als Marktchef im Einsatz. Wie fühlen Sie sich?

Es fühlt sich komisch an. Das Amt ist mir noch nicht verleidet, ich trete altershalber als Marktchef zurück. Jetzt kann ich das Amt noch richtig übergeben. Dazu kommt, dass ich mit Werner Looser einen passenden Nachfolger gefunden habe.

Wie gut kennt er den Markt?

Als Mitarbeiter des Bauamts hat er mehrmals beim Aufbauen und beim Abbrechen der Stände geholfen. Gestern hat er mich den ganzen Tag lang begleitet. Alles Wissen, das ich im Kopf und in einem kleinen Büchlein notiert habe, habe ich für Werner Looser aufgeschrieben. Wichtig ist, dass die Stände jeweils am selben Ort eingeteilt sind. So kann er sich viel Arbeit ersparen, denn die meisten Markthändler fahren direkt dorthin, ohne sich zuerst bei mir zu melden.

Der Markt begleitet Sie durch das ganze Leben, Ihr Vater war bereits Marktchef. Wie haben Sie den Jahrmarkt damals erlebt?

Der Markt war damals kleiner und es gab viele Einheimische, die ihre Waren verkauft haben. Die auswärtigen Markthändler sind grösstenteils mit dem Zug angereist, und wir Buben halfen mit Leiterwagen, ihnen die Ware vom Bahnhof zu den Ständen zu bringen. Damals gab es auch noch einen Viehmarkt, der ist aber in den 1970er-Jahren verschwunden.

Haben Sie Ihrem Vater geholfen?

Ja, das beschränkte sich aber nicht nur auf den Markttag. Erst in den 1960er-Jahren wurden die Stände für 10 000 Franken abgeändert, um den Arbeitsaufwand klein zu halten. Zuvor mussten wir am Mittwoch- und Samstagnachmittag helfen, die Stände zusammenzunageln. Und nach dem Markt mussten wir die Nägel wieder herausschlagen.

War es klar, dass Sie Ihrem Vater als Marktchef nachfolgen?

Ja, das war immer klar. Es hat auch immer geheissen, einer meiner Söhne solle mein Nachfolger werden. Das hat sich aber nicht ergeben. Zudem ist jetzt ein guter Zeitpunkt gekommen, den Markt in die Hände der Gemeinde zu legen, was mit dem Wechsel zu Werner Looser auch passiert. Ich bin in der Nordostschweiz noch der einzige, der den Markt nebenbei macht. Die übrigen Jahrmärkte werden von den Gemeinden oder von der Marktpolizei durchgeführt.

Der Markt ist stetig gewachsen, heute ist es der grösste im Toggenburg. Wie sind Sie damit umgegangen?

Das stimmt, mittlerweile bieten wir Platz für etwa 130 Markthändler. Die meisten kommen an beide Jahrmärkte, andere entweder nur im Frühling oder nur im Herbst. Hier muss der Marktchef den Überblick behalten. Zur Zeit meines Vaters waren die Stände nur bis etwa die Hälfte des Kirchenrains aufgestellt. Grösser als heute wird der Markt aber nicht. Das wäre wegen des Verkehrs auch nicht möglich.

Ist das Interesse bei den Markthändlern immer noch gross?

Ja. Es melden sich gegen 150 Markthändler an, aber einige wenige melden sich dann kurzfristig wieder ab oder kommen nicht. Gerade das Wetter hat einen Einfluss darauf. Am Morgen kommen auch jeweils Markthändler, die nicht angemeldet sind. Sie müssen bis 9 Uhr warten und können dann allfällige Lücken füllen. Mir ist wichtig, dass die Stände an beiden Seiten der Strasse aufgestellt sind und dass es keine Lücken gibt. Ein absolutes Muss ist auch ein Kinderkarussell. Ich musste lange suchen, bis ich nun einen Schausteller gefunden habe, der den Aufwand für unseren Jahrmarkt auf sich nimmt.

Nach welchen Kriterien entscheiden Sie, wer an den Markt kommen darf und wer nicht?

Grundsätzlich darf jeder kommen, denn wir haben die Gewerbe- und Handelsfreiheit. Aber weil der Platz beschränkt ist, schaue ich, dass die Anbieter Geschäfte machen können. Ein Markthändler, der hierher kommt, muss leben können. Darum gibt es gerade bei den Nahrungsmittel nur wenige Anbieter fürs Gleiche. Bei den Textilien ist der Spielraum grösser. Aber wenn es zu viele Magenbrot-Händler gibt und keiner kann genügend Umsatz machen, kommt am nächsten Markt keiner mehr.

Wie sieht der Markttag für Sie aus?

Das ist unterschiedlich. Viel passiert schon an den Tagen vorher. Dann zeichnen wir die Standorte der Stände ein. Es rufen auch immer wieder Markthändler an, die sich ab- oder anmelden. Da bin ich sehr froh, dass mich meine Frau Ruth seit jeher unterstützt. Sie hütet auch am Markttag selber am Morgen das Telefon zu Hause. Ich bin dann im Gill, dort wo der Markt beginnt und weise die Markthändler ein und teile die letzten Plätze zu. Mir ist wichtig, dass ich auf dem Markt präsent bin und um Kontakt zu den Markthändler zu pflegen. Um 9 Uhr treffe ich mich mit dem Kassier, den Mitarbeitern des Bauamts, dem Gemeindepräsidenten und den Polizisten zum Znüni. Danach laufen wir durch den Markt. Nach dem Mittagessen kassieren wir die Standgebühren.

Dabei wurden Sie von Franz Helbling unterstützt.

Ja, er war im Frühling zum letzten Mal im Einsatz. So konnte ich den neuen Marktchef und den neuen Tageskassier gemeinsam einführen. Ich finde es wichtig, dass mich hier noch jemand unterstützt, so konnte mir niemand vorwerfen, dass ich jemanden bevorzuge. Wir ziehen das Geld für die Standmiete ein, einen Beitrag für Strom bei denen, die Strom brauchen, sowie einen Werbefünfliber. Davon liefere ich drei Franken an den Verband, zwei Franken behalte ich für die Werbung und für meine Teilnahme an Seminaren.

Hat ein Jahrmarkt noch eine Daseinsberechtigung?

Ja, es braucht den Markt. Ich kenne viele ehemalige Ebnat-Kappler, die an den Markttagen zurückkehren. Da trifft man sich. Wir lassen darum möglichst viel Platz zwischen den Ständen, damit es viel Platz zum Flanieren gibt. Auch für die Kinder ist der Jahrmarkt wichtig, er gehört zur Kultur von Ebnat-Kappel.

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