Grob-Hausorgel ist wieder spielbar

In diesen Tagen erhält das Ackerhus in Ebnat-Kappel den letzten Schliff: Im alten Teil werden Ausstellungsvitrinen eingebaut. Im Anbau sind die Orgelbauer an der Arbeit, sie bauen eine revidierte Orgel von Melchior Grob zusammen.

Sabine Schmid
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Melchior Grob verzierte Orgelteile mit Blumen, die von aussen gar nicht sichtbar sind. (Bilder: Sabine Schmid)

Melchior Grob verzierte Orgelteile mit Blumen, die von aussen gar nicht sichtbar sind. (Bilder: Sabine Schmid)

EBNAT-KAPPEL. Das Gerüst steht bereits, anhand der Silhouette ist die Hausorgel erkennbar. Über zwei Meter hoch. Sie habe den obersten Teil leicht angehoben und damit wieder gerade gemacht, erklärt die Orgelbauerin Riccarda Müller. Sie vermutet, dass die Orgel einmal unter ein Dach gequetscht wurde und so einen schrägen Oberbau erhalten hat. «Nun haben wir ihr wieder ihr ursprüngliches Gesicht und damit ihre Würde zurückgegeben», sagt sie.

Modell für weitere Hausorgel

Riccarda Müller hat im Auftrag der Albert-Edelmann-Stiftung in ihrem Atelier in Chur die Hausorgel revidiert. Gebaut wurde sie im Jahre 1793 vom Hemberger Melchior Grob. Leider seien von dieser, wie auch von vielen anderen Toggenburger Hausorgeln, nicht viele Dokumente zu finden, bedauert Markus Meier. Er, ebenfalls Orgelbauer, hilft Riccarda Müller beim Aufbau der Grob'schen Hausorgel. Dies aus gutem Grund: Markus Meier hat ebenfalls eine Hausorgel von Melchior Grob restauriert. Diese wurde 1794 gebaut und steht im alten Acker in Wildhaus. «Ich gehe davon aus, dass die Orgel in Ebnat-Kappel als Modell für jene in Wildhaus diente», sagt Markus Meier. Vom Hemberger Orgelbauer sind nicht so viele Werke bekannt wie von anderen Toggenburger Meistern. Er habe aber über das Können verfügt, auch grössere Instrumente zu bauen, wie beispielsweise die Orgeln in den Kirchen von Lützelflüh und von Payerne zeigen.

Grob'sche Besonderheiten

Doch zurück zur Hausorgel im Ackerhus: Wie bei einem Bausatz stecken Riccarda Müller und Markus Meier die Teile zusammen. Ein Schraubenzieher kommt fast nie zum Einsatz. Damit entspricht die Bauweise der Orgel derjenigen von Melchior Grob. Die Teile sind fast ausschliesslich im Originalzustand. Aber vor der Revision war die Orgel nicht spielbar. «Sie stand im alten Musiksäli des Ackerhus. Dort war sie schlechten klimatischen Bedingungen ausgesetzt», sagt Riccarda Müller. Zunächst habe sie die Holzteile, die zum grössten Teil unbehandelt sind, entwurmen müssen. Erst danach konnte sie die eigentliche Arbeit aufnehmen. Dabei ist die Orgelbauerin auf einige Besonderheiten gestossen. Die Holzteile beispielsweise, welche die Tasten mit dem Ventilen verbinden, sind mit kleinen Blümchen verziert. Leider, sagt Riccarda Müller, seien diese hinter einer Abdeckung versteckt. Für die Tasten verwendete Melchior Grob eine Abdeckung aus Ebenholz, die weissen Tasten sind aus Knochen. Markus Meier weiss, dass bei edleren Hausorgeln auch Elfenbein eingesetzt wurde. Vier Tasten hat Riccarda Müller neu gemacht. Sie seien dilettantisch restauriert worden, sagt die Orgelbauerin. Diese Arbeit wird beim fertigen Instrument aber nicht zu sehen sein.

Die Zeit hat an einigen Teilen ihre Spuren hinterlassen. Riccarda Müller musste den Blasbalg komplett neu machen. Dabei nahm sie dieselben Materialien, wie sie Melchior Grob verwendet hat. Sie hat jede der Holzpfeifen restauriert und neu mit Leder abgedichtet. Beim Schleierbrett, welches einen Sichtschutz zu den Orgelpfeifen bildet, musste Riccarda Müller schon fast detektivisch tätig werden. Sie geht davon aus, dass Melchior Grob diese Holzteile selber geschnitzt hat. Sie wurden aber in mehreren Schichten und mit verschiedenen Farben überpinselt. In einer Untersuchung durch einen Restaurator wurde festgestellt, wie das Original sein könnte. «Aufgrund des Zustandes des Holzes konnten wir es nicht natürlich belassen», erklärt Riccarda Müller. Schliesslich wurde es mit mattem Blattgold überzogen.

Intonieren und stimmen

Rund 250 Stunden, schätzt Riccarda Müller, hat sie in ihrem Atelier in Chur aufgewendet. Nun kommen zwei Tage hinzu, die sie und Markus Meier für den Aufbau im Ackerhus brauchen. Damit ist die Arbeit aber noch nicht zu Ende. Zusammen mit Marco Venegoni, der die Zinnpfeifen der Grob-Orgel restauriert hat, wird Riccarda Müller die Orgel intonieren. Das bedeute, dass man den Pfeifen aus Holz und aus Zinn ihren Klang gibt. Als letzter Arbeitsgang wird die Orgel dann gestimmt, was bedeutet, die Pfeifen werden die richtige Höhe bekommen, damit die auf der Hausorgel gespielte Musik harmonisch klingt.

Zwei Hausorgeln im Anbau

Rund 100 000 Franken wendet die Albert-Edelmann-Stiftung für die Restaurierung von zwei Hausorgeln auf. Nebst derjenigen vom Melchior Grob steht im neuen Anbau eine zweite Hausorgel, die der Wildhauser Heinrich Ammann 1808 gebaut hat. Diese wurde von der Firma Kuhn in Männedorf restauriert und vor wenigen Tagen an ihrem neuen Standort aufgebaut. Seit diese erstmals gespielt wurde, weiss Stiftungsrat Jost Kirchgraber, dass die Akustik im neuen Anbau dem Klang der Hausorgeln gerecht wird. Der Raum ist aus Holz gebaut, und der Ton wird wegen des zeltförmigen Dachs trichterförmig geleitet. Damit der Hall von den Wänden geschluckt wird, sind diese durchlöchert. Während der Bauphase war es nicht möglich, die Akustik des als Konzertsaal genutzten Raums zu testen. Die Planung scheint gut zu sein. Überzeugen kann sich das Publikum an der Eröffnung am 28. November.

Im Saal finden je eine Hausorgel von Melchior Grob (links) und von Heinrich Ammann Platz.

Im Saal finden je eine Hausorgel von Melchior Grob (links) und von Heinrich Ammann Platz.

Riccarda Müller und Markus Meier montieren die Klaviatur auf die Hausorgel.

Riccarda Müller und Markus Meier montieren die Klaviatur auf die Hausorgel.

Im Sommer wurde ein Anbau ans Ackerhus aus dem Jahre 1752 gebaut.

Im Sommer wurde ein Anbau ans Ackerhus aus dem Jahre 1752 gebaut.