Griechische Sagen am Novemberhimmel

Der Sternenhimmel im November 2015 Aufgang: 1. November: 7.11 Uhr MOZ 30. November: 7.53 Uhr MOZ Untergang: 1. November: 17.00 Uhr MOZ 30. November: 16.

Hanspeter Steidle
Drucken
Teilen

Der Sternenhimmel im November 2015

Aufgang:

1. November: 7.11 Uhr MOZ

30. November: 7.53 Uhr MOZ

Untergang:

1. November: 17.00 Uhr MOZ

30. November: 16.27 Uhr MOZ

MOZ = Mittlere Ortszeit: Zeitangaben für die Region Toggenburg

Vollmond: Mittwoch, 25. November im Sternbild Widder

Neumond: Mittwoch, 11. November, im Sternbild Waage

MERKUR

Er ist in diesem Monat am Abendhimmel nicht zu sehen.

VENUS

Sie bleibt ein auffallender Morgenstern am Osthimmel.

MARS

Er steht nahe bei der Venus und kann am Morgenhimmel beobachtet werden.

JUPITER

Auch er ist am Morgenhimmel zu sehen. Zurzeit halten sich die meisten sichtbaren Planeten am Morgenhimmel auf.

SATURN

Der Ringplanet ist im November nicht zu beobachten.

STERNE UND MILCHSTRASSE

Der Novemberhimmel ist, was die Sternbilder betrifft, sehr interessant. Die Sternkarte zeigt die Vielfalt deutlich. Die Milchstrasse verläuft vom Nordosten über den Zenit in den Nordwesten. Hier fallen die Sternbilder (von Ost nach West) Fuhrmann, Perseus, Cassiopeia, Cepheus und Schwan besonders auf, weil sie vorwiegend aus hell leuchtenden Sternen bestehen. Südlich der Milchstrasse fällt vor allem das grosse Sternviereck des Pegasus auf, auch die Sternenkette der Andromeda, und mitten in dieser Kette befindet sich die Nachbargalaxie Andromeda. Die heutige Lichtverschmutzung lässt eine Sicht der Andromeda-Galaxie von blossem Auge kaum mehr zu. Dieses nebelartige Gebilde wurde von Völkern beschrieben, die vor der Erfindung der Fernrohre lebten. Wer einmal die Gelegenheit hat, zum Beispiel auf dem Säntis oder auf dem Chäserrugg den mondfreien Nachthimmel zu beobachten, wird die Andromeda-Galaxie ohne Mühe sehen. Weiter östlich sieht man die Plejaden, auch Siebengestirn genannt, weil früher sieben Sterne gesehen wurden.

Unweit der Plejaden findet sich ein liegendes «V». Die Sterne des V werden als Hyaden oder Regengestirn bezeichnet. Zwischen den Plejaden und den Hyaden zieht die Ekliptik vorbei, das heisst, die Sonne geht am 24. Mai am Mittag zwischen diesen Gebilden hindurch. Der Durchgang wird auch «Goldenes Tor» genannt. Vermutlich stammt der Begriff aus der Zeit vor 3000 Jahren vor Christus, als der Frühlingspunkt, der 21. März, genau zwischen den beiden offenen Sternhaufen Plejaden und Hyaden lag.

Gleich zwei Tiersternbilder aus dem Meer sind südlich des Sternvierecks zu sehen: Die Fische und unterhalb der Walfisch. Ursprünglich war damit ein Meeresungeheuer gemeint. Östlich, horizontnah, lassen sich einige Sterne des Sternbildes Fluss Eridanus erkennen. Der Fluss Eridanus beginnt gleich westlich neben dem Stern Rigel im Orion. Von hier aus lässt sich das Sternenband des Flusses am besten verfolgen.

Das Sternbild Perseus, fast senkrecht, liegt zwischen den Sternen Fuhrmann und Andromeda. Die Befreiung der Andromeda durch Perseus auf dem geflügelten Pferd Pegasus ist eine Sage der griechischen Mythologie und ist am Himmel verewigt. Cassiopeia, die Mutter von Andromeda, und ihr Vater Cepheus liessen die Tochter Andromeda an einen Felsen am Meer anketten, weil sie behauptete, schöner zu sein als Cassiopeia. Der Walfisch hätte sie ins Meer ziehen sollen. Doch da kam Perseus dazwischen und rettete Andromeda. Am Himmel kann man die Sage wundervoll verfolgen. Es sind noch weitere Sagen der Griechen am Himmel verewigt.

Die südlichen Sternbilder dagegen erzählen Seefahrergeschichten. Viele Instrumente der damaligen Seefahrer wurden in Sternbildern verewigt, wie zum Beispiel Sextant, Achterschiff, Ofen, Luftpumpe und andere. Obschon heute für alle Astronomen der Welt die bekannten 88 Sternbilder gelten, existieren astrologisch noch andere Bezeichnungen von Sternbildern wie bei den Chinesen.

STERNSCHNUPPEN

Aus verschiedenen Regionen des Himmels scheinen Sternschnuppen über den Himmel zu huschen.

Die Erde kreuzt einige Bahnen von Staubströmen, die teilweise auf aufgelöste Kometen zurückzuführen sind. Die Tauriden, das sind Sternschnuppen aus der Region des Sternbildes Stier, sind vor allem morgens aktiv. Wer viele Sternschnuppen sehen möchte, muss um vier Uhr aufstehen. Die Sternschnuppen aus der Region des Sternbildes Einhorn sind in diesem Jahr nicht häufig. Es kommt laut Berechnungen der Experten erst 2019 wieder zu einem Sternschnuppenschauer aus dieser Region. In der ersten Nachthälfte vom 4. bis 18. November ist die die Zeit für die Sternbeobachtung günstig.

Am 25. November 1915 reichte Albert Einstein eine Arbeit ein mit der Überschrift: Die Allgemeine Relativitätstheorie. – Diese Arbeit wurde vorerst nur zur Kenntnis genommen. Das änderte sich schlagartig mit der totalen Sonnenfinsternis im Mai 1919.

Britische Astronomen machten eine Expedition in die Totalitätszone und fotografierten die Sonne während der Finsternis. Die Aufnahmen zeigten am Rand der Sonne Sterne, welche gar nicht dort hätten sein dürfen. Diese Sterne befanden sich nämlich hinter der Sonne. Da wurde den Physikern klar, dass es sich um einen sichtbaren Effekt handelte, der nur mit der Allgemeinen Relativitätstheorie Einsteins zu erklären war. Die Gravitationskraft der Sonne wirkt wie eine Linse, welche das Licht von Sternen hinter der Sonne neben sie projiziert. Die Gravitationskraft beugt das Licht.

Das war der erste, experimentelle Nachweis dafür, dass die Allgemeine Relativitätstheorie richtig war. In den 70er-Jahren des 20. Jahrhunderts wurden im Weltall auch Galaxien entdeckt, welche wie Linsen wirken. Sie projizieren hinter ihnen liegende Himmelsobjekte neben sich an den Himmel. Auf vielen Himmelsfotografien entdeckt man immer wieder sogenannte Artefakte, Objekte, die gar nicht dort sind, wo man sie sieht. Man spricht von Gravitationslinseneffekten.

Berühmt ist in diesem Zusammenhang das sogenannte Einstein-Kreuz im Pegasus. Eine massereiche Galaxie in 400 Millionen Lichtjahren Entfernung bildet gleich viermal einen Quasar in acht Milliarden Lichtjahren Entfernung ab. Quasare sind Kerne von aktiven Galaxien, die im sichtbaren Licht punktförmig erscheinen. Das Einsteinkreuz sieht bildlich aus wie der Fünfer auf einem Würfel. 1905 stellte Einstein die spezielle Relativitätstheorie vor. Sie sagt aus, dass das Licht eine endliche Geschwindigkeit von fast 300 000 Kilometer pro Sekunde hat. Die heute zur Verfügung stehenden Messmethoden und Apparate bestätigen diese vor mehr als hundert Jahren aufgestellte Theorie immer wieder.

Den Nobelpreis hat Einstein 1921 jedoch nicht für seine beiden Theorien erhalten, sondern für den fotoelektrischen Effekt. Dieser Effekt besteht in der Wechselwirkung zwischen Photonen und Materie. Heute wird dieser Effekt in allen Solarpanels genutzt, um die Energie der Sonne in elektrischen Strom umzuwandeln.

Ohne die Kenntnis der Relativitätstheorien und deren Anwendung für Apparate würden die Navigationsgeräte nicht metergenau zeigen können, wo man sich befindet. Heute würde man Einstein sicher den Nobelpreis vor allem für diese Theorien überreichen.

Bild: Hanspeter Steidle

Bild: Hanspeter Steidle

Bild: Hanspeter Steidle

Bild: Hanspeter Steidle

Bild: Hanspeter Steidle

Bild: Hanspeter Steidle

Bild: Hanspeter Steidle

Bild: Hanspeter Steidle

Bild: Hanspeter Steidle

Bild: Hanspeter Steidle