Gratulationen in der Luft und Spalier am Boden

TOGGENBURG/ANDWIL. Der Andwiler Ballonpilot Urs Frieden ist seit 20 Jahren im Luftraum der Ostschweiz unterwegs, seit zehn Jahren als slow-fly GmbH. Vergangenen Freitagabend fuhr er mit dem Toggenburger-Ballon seine 1000. Fahrt.

Christiana Sutter
Merken
Drucken
Teilen
Sanft hebt der Ballon ab.

Sanft hebt der Ballon ab.

TOGGENBURG/ANDWIL. Der Andwiler Ballonpilot Urs Frieden ist seit 20 Jahren im Luftraum der Ostschweiz unterwegs, seit zehn Jahren als slow-fly GmbH. Vergangenen Freitagabend fuhr er mit dem Toggenburger-Ballon seine 1000. Fahrt.

Eigentlich war alles wie sonst – und doch war alles anders. Die 1000. Fahrt stand für den 45jährigen Ballonpiloten an jenem Freitagabend an. Bereits bei der Anfahrt zum Startplatz in Amriswil machte sich bei Urs Frieden eine Vorfreude breit. In Andwil stiegen die «Nachfahrer» ins Auto. Diese Personen verfolgen am Boden die Fahrt des Ballons mit Auto und Anhänger, damit sie bei der Landung des Ballons möglichst rasch auf dem Landeplatz sind. In Amriswil wurden die beiden Gäste abgeholt, welche für diesen Abend eine Fahrt gebucht haben. Zu diesem Zeitpunkt war den Gästen noch nicht bekannt, dass es eine Jubiläumsfahrt sein würde.

Kontrollierte Routinearbeit

Auf dem Startplatz, etwas ausserhalb Amriswils, wurden die Vorbereitungen für die 1000. Fahrt akribisch ausgeführt. «Es ist eine kontrollierte Routinearbeit», sagte Urs Frieden. Der Korb wird hingestellt und die Kabel mit dem Ballon verbunden. Eine Arbeit, die der Pilot zur Sicherheit aller selber macht. «Das ist übrigens der einzige Ballonkorb in der Ostschweiz, der eine Türe hat», lacht Frieden. Er habe in den vergangenen Jahren festgestellt, dass es Gäste gibt, die Mühe haben einzusteigen. Nachdem alle Kabel und Karabiner mit Korb und der gelb-weissen, 3600 Kubikmeter grossen Ballonhülle des Toggenburger-Ballons verbunden waren, wurde ein Gebläse aufgestellt, das kalte Luft in die Hülle bläst. Diese Luft wurde dann mit dem Brenner oberhalb des Korbs erhitzt. Nach wenigen Minuten war es so weit, dass der Korb stand und der mit heisser Luft gefüllte Ballon schwebte. Jetzt durften die drei Passagiere einsteigen. «Eigentlich habe ich für vier Passagiere Platz, aber weil die Temperaturen immer noch hoch sind, nehme ich im Sommer nur drei Leute mit», sagte der strahlende Pilot. Es ist bereits der zweite Toggenburger-Ballon, mit welchem Urs Frieden fährt. Sanft hob der gelb-weisse Ballon ab und schwebte lautlos in den Abendhimmel hinein. Bereits nach ein paar hundert Metern in der Luft sah man rund um Amriswil, dass Urs Frieden nicht alleine in der Luft sein würde. In der Höhe fuhr man in einem Südweststrom. «Je nach Höhe wechseln die Windverhältnisse», informierte der Pilot die Passagiere. Nach wenigen Minuten war man so hoch, dass man den Überblick auf den ganzen Bodensee mit Untersee hatte.

Auf der gegenüberliegenden Seite eröffnete sich der Blick auf den Alpstein und die Churfirsten. Urs Frieden funkte mit seinen Pilotenkollegen, die inzwischen aufgestiegen waren – man kennt sich. Über Funk tauschten die Piloten Informationen aus. Es wurde Urs Frieden auch für seine 1000. Fahrt gratuliert. Ein Pilatus Porter, der in Sitterdorf mit Fallschirmspringern abhob und auf gleicher Höhe flog, umkreiste den Ballon und schwenkte als Gratulation mit den Flügeln.

Spalier am Boden

Die Fahrt an diesem Freitagabend war sehr ruhig. Man schwebte über die Dörfer hinweg. Dabei wurde einem bewusst, dass es zwischen den einzelnen Dörfern nicht mehr viel unverbaute Fläche gibt. Langsam neigte sich die Ballonfahrt dem Ende zu. Die Schatten des Ballons auf dem Boden wurden länger. Man war Richtung Bettwiesen unterwegs. Pilot Urs Frieden hielt nach einem geeigneten Landeplatz Ausschau. Unten sah man bereits das «Nachfahr-Fahrzeug». Schliesslich landete der Pilot mit dem Toggenburger-Ballon auf einer frischgemähten Wiese, nahe dem Dorf. Er gab den Passagieren Informationen, wie sie sich während und nach der Landung verhalten müssen. Dann landete er ganz sanft, ohne Holperer. Die Überfahrt des Toggenburger-Ballons zog viele Schaulustige zum Landeplatz an. Ohne zu wissen, dass dies ein Jubiläumsflug des Piloten war, standen Kinder und Erwachsene Spalier.

Die beiden «Nachfahrer» gratulierten dem 1000-Fahrten-Ballon-Piloten Urs Frieden mit einem Schluck Rimuss. Nach der kurzen Feier am Boden halfen Kinder beim Einpacken des Ballons. Kindheitserinnerungen kamen Urs Frieden in den Sinn.

Urs Frieden (links) stösst auf die gelungene Fahrt an.

Urs Frieden (links) stösst auf die gelungene Fahrt an.

Der Blick in die Tiefe aus dem fahrenden Ballon in Richtung Norden/Nordosten ist phantastisch. Im Hintergrund ist das deutsche Ufer des Bodensees erkennbar. (Bilder: Christiana Sutter)

Der Blick in die Tiefe aus dem fahrenden Ballon in Richtung Norden/Nordosten ist phantastisch. Im Hintergrund ist das deutsche Ufer des Bodensees erkennbar. (Bilder: Christiana Sutter)