Herisauer Gemeinderat findet: "Gratisparkieren passt nicht ins Puzzle"

SVP und Gewerbe wünschen sich ein 30-minütiges Gratisparkieren im Zentrum. Der Gemeinderat ist dagegen. Er glaubt, der Nutzen sei gering, die Nachteile aber gross.

Astrid Zysset
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Gemeinderat Glen Aggeler sieht im Gratisparkieren zahlreiche Nachteile. (Bild: ASZ)

Gemeinderat Glen Aggeler sieht im Gratisparkieren zahlreiche Nachteile. (Bild: ASZ)

Gemeinderat Glen Aggeler, Ressort Volkswirtschaft, kann der Initiative, die ein 30-minütiges Gratisparkieren im Dorfzentrum fordert, nichts abgewinnen. Sie unterlaufe unter anderem die langfristige Zentrumsentwicklung, sagt er. Doch reichen solche Argumente, um die Abstimmung am 23. September zu gewinnen? «Das ist schwierig zu sagen. Meiner Meinung nach ist das Resultat völlig offen.» Bereits 2009 wurde in Herisau über das Gratisparkieren abgestimmt. Damals war eine kleine Mehrheit dagegen. Heute versucht es die SVP erneut. Zusammen mit dem Gewerbeverein hat sie 1059 Unterschriften gesammelt, um das Thema erneut vors Volk zu bringen. Die Hoffnung: Das Gratisparkieren fördere den Einkaufstourismus.

«Wir zweifeln daran, dass das Gratisparkieren das richtige Mittel ist, um dem Gewerbe nachhaltig zu helfen», so Aggeler. Einen «kleinen Effekt» könnte es möglicherweise bringen, fügt er an, doch Nachteile fallen schwerer ins Gewicht. So würden Spontaneinkäufe abnehmen. «Heute stellen die Leute ihr Auto auf einem möglichst kostengünstigen Parkplatz ab, flanieren durch die Gassen und kaufen etwas, das ihnen ins Auge sticht. Das wird mit der Annahme der Initiative abnehmen. Dann werden die Kundinnen und Kunden zielgerichtet nur in der Nähe der jeweiligen Geschäfte parkieren, die sie vorgesehen hatten, aufzusuchen.» Mehr noch: Aggeler befürchtet, dass vermehrt auch Dauerparkierer auftauchen werden, die nach einer halben Stunde einfach nachlösen würden. Der Suchverkehr würde zudem zunehmen. «All das wollen wir genau nicht. Herisau soll ein attraktiver Einkaufsort sein.»

Gemeinderat glaubt nicht an Mehrwert fürs Gewerbe

Rund 1000 Parkplätze befinden sich im Herisauer Zentrum. 500 sind davon in privatem Besitz und würden von der Initiative nicht tangiert. Im Obstmarkt ergebe sich bei Inkrafttreten des Gratisparkierens somit folgendes Bild: Parkieren auf dem Obstmarkt wäre während 30 Minuten gratis, vor der UBS nur für die Dauer von 15, und im Gutenbergzentrum ist es nach wie vor gebührenpflichtig. «Alle paar Meter eine andere Lösung – das kann nicht kundenfreundlich sein», so Aggeler. Mit dem Parkierungsreglement, das im November zur Abstimmung kommt, wird eine Vereinheitlichung der Zonen und Gebühren angestrebt. «Das Gratisparkieren widerläuft da dem geplanten Reglement.» Für die Gemeinde selbst würden sich durch die Initiative auch finanzielle Nachteile ergeben: 63000 Franken Mindereinnahmen müsste Herisau durch das Gratisparkieren verbuchen. Geld, das für die Parkplatzbewirtschaftung wieder fehlen würde, und durch den allgemeinen Finanzhaushalt ausgeglichen werden müsste. «Das ist verkraftbar, aber nicht verursachergerecht», findet Aggeler. Wer die Kosten verursacht, soll sie auch tragen. «Dasselbe Prinzip haben wir bei den Abwasser- oder auch den Abfallgebühren.» Nur mit dem Unterschied, dass in diesen Bereichen kein finanzieller Mehrwert generiert werden kann. Das Gewerbe hofft, mit dem Gratisparkieren mehr Kundinnen und Kunden zu gewinnen, was sich in mehr Umsatz und wiederum mehr Steuern niederschlägt. «Das ist nur eine Hypothese», winkt Aggeler ab. «Belegbar ist diese Annahme nicht. Es kann auch kontraproduktiv sein, wenn wir mehr Suchverkehr, mehr Automobile im Zentrum und eine unstrukturierte, verwirrende Parkplatzkonzeption haben.» Weiter moniert der Gemeinderat, dass die Wirkung der Initiative auch auf den Langzeitparkplätzen eingeführt werden müsste, welche ohnehin schon günstig seien. Dies mache wenig Sinn.

Hinweis: Bis zur Abstimmung wird das Gratisparkieren in der «Appenzeller Zeitung» mehrfach thematisiert. Die Meinung der SVP und des Gewerbes wurde in der Ausgabe vom 18. August publiziert.