Gottlieb Feurer, Senntumsmaler

Am vergangenen Samstag hat Rosa Maria Fäh anlässlich der Hauptversammlung der Toggenburger Vereinigung für Heimatkunde im gut besetzten Propsteisaal Alt St. Johann ihre Lizenziatsarbeit über den wenig bekannten Bauernmaler Gottlieb Feurer vorgestellt.

Ernst Grob
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Alpfahrt Sellamatt, gemalt von Gottlieb Feurer, circa 1900. (Bild: pd)

Alpfahrt Sellamatt, gemalt von Gottlieb Feurer, circa 1900. (Bild: pd)

Am vergangenen Samstag hat Rosa Maria Fäh anlässlich der Hauptversammlung der Toggenburger Vereinigung für Heimatkunde im gut besetzten Propsteisaal Alt St. Johann ihre Lizenziatsarbeit über den wenig bekannten Bauernmaler Gottlieb Feurer vorgestellt.

Der 1875 geborene Künstler wohnte ganz in der Nähe, in der Nesselhalde, sonnenhalb ob Unterwasser. Als eher schmächtig beschrieben, wandte er sich neben der Landwirtschaft schon in jungen Jahren der Senntumsmalerei zu, konnte diese aber nur im Winter und bei ungestörter Ruhe ausüben, so die Auskunft seiner beiden Neffen Willi Ammann und Gottfried Feurer, die erfreulicherweise am Vortrag anwesend sein konnten. In jungen Jahren schon verstarb Gottlieb Feurer 1912, der Totenschein des Spitals Wattwil nennt Knochentuberkulose als Ursache. Seine anatomisch sehr exakte Wiedergabe von Tieren, besonders von Kühen und Pferden vor allem gegen Ende seiner Schaffensperiode lassen seine Täfeli, Tafelbilder, Streifen und Bödeli leicht zuordnen, auch wenn sie anfänglich oft nicht signiert sind. Feurers Bilder lassen unschwer Babeli Aemisegger-Giezendanner in seinen feingliedrigen, detailtreuen Komposition erkennen, ja er kopierte mehrere ihrer Bilder. Im Gegensatz zu Babeli, die zeichnerisch ausgebildet war, hat Gottlieb Feurer sich seine Malerei autodidaktisch angeeignet. Dass seinen naturalistisch genau gemalten Werken eine gewisse naive Unbeschwertheit fehlt, lässt die Frage zu, ob er damit überhaupt der Bauernmalerei zuzuordnen sei. Rosa Maria Fäh weist ihn aber klar der klassischen Periode der Senntumsmalerei zu, wo sowohl die Künstler wie auch die Käufer noch Bauern waren. Unsere Referentin konnte in ihren ausgedehnten Nachforschungen in Museen und bei Privaten bis heute 47 Bilder, sieben Bödeli und neun Streifen nachweisen. Immer noch eifrig auf der Suche nach weiteren Zeugnissen wäre ihr Ziel die Publikation eines Werkkatalogs und einer eigenständigen Feurer-Ausstellung.