«Gottesdienst ist geil»

«Gottesdienst ist geil» – das darf man sicher nicht sagen. Und ich als Pfarrer schon gar nicht. Und wenn ich es sagen würde, würde es nicht einmal stimmen.

Philippe Müller Evangelisch-Reformierter Pfarrer
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Jeden Sonntag wird in Gottesdiensten die Liebe Gottes gefeiert. (Bild: pd)

Jeden Sonntag wird in Gottesdiensten die Liebe Gottes gefeiert. (Bild: pd)

«Gottesdienst ist geil» – das darf man sicher nicht sagen. Und ich als Pfarrer schon gar nicht. Und wenn ich es sagen würde, würde es nicht einmal stimmen.

Denn so toll ist der Gottesdienst am Sonntagmorgen – wenn man kritisch-distanziert hinschaut – nun auch wieder nicht. In der Landeskirche finden wir laufend abnehmende Teilnehmerzahlen in stetig zunehmendem Alter. Ein kleines Grüppchen, das alte Lieder singt, noch ältere Texte aus der Bibel hört und den Worten des Pfarrers weit vorne und weit weg lauscht.

Der Gottesdienst als Auslaufmodell? Wenn ich mit den Konfirmanden das Thema Gottesdienst behandle, schaue ich das aus einer ganz anderen Perspektive an. Stellt euch vor, sage ich dann, in jeder Gemeinde findet an jedem Sonntag ein Gottesdienst statt. Hier in Ebnat-Kappel, in Nesslau, Wildhaus oder hinunter in Wattwil, Bütschwil, Kirchberg, Wil. In vielen Orten sind es sogar mehrere Gottesdienste, wenn man die reformierten, katholischen und freikirchlichen ebenfalls zählt. In der ganzen Schweiz. Auch in Deutschland, Frankreich, Italien, in der ganzen Welt. Überall finden am Sonntagmorgen Gottesdienste statt. Millionen von Menschen gehen hin, singen, beten, lassen sich von der Botschaft des Evangeliums ansprechen. Welcher Verein oder welche Organisation kriegt das hin? Da muss etwas dran sein, am Gottesdienst. – Findet heraus, was.

Und die Konfirmanden beginnen zu recherchieren. Zuerst in Wikipedia: «Ein Gottesdienst ist eine Zusammenkunft von Menschen mit dem Zweck, mit Gott in Verbindung zu treten, mit ihm Gemeinschaft zu haben.» Und sie finden heraus, dass der Sonntagsgottesdienst seinen Ursprung an Ostern hat, dem Auferstehungstag Jesu Christi. Das Kreuz, das Jesus Christus erduldet hat, ist überwunden. Christus, gekreuzigt, gestorben, begraben lebt. Das feiern wir jeden Sonntag in aller Welt. Mit unseren Gottesdiensten stellen wir uns in diese Auferstehungszusage und Lebenshoffnung hinein. Wir lassen uns von Gottes Liebe ansprechen. Und nicht nur wir – Millionen und Abermillionen Menschen in aller Welt ebenfalls.

Der Gottesdienst ist: Global verbreitet und doch den Einzelnen ansprechend, er ist Im Kontakt mit Gott und Lebensnah in der Welt. Gottesdienst ist g…rossartig.

Philippe Müller Evangelisch-reformierter Pfarrer Ebnat-Kappel (Bild: pd)

Philippe Müller Evangelisch-reformierter Pfarrer Ebnat-Kappel (Bild: pd)

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