Gottes raffinierte Künstlerhand

Bei den Berggottesdiensten im Alpstein zu sparen, wäre gemäss Kaplan Sebastian Wetter falsch. Das Feiern in der Natur schätzt er. Mit einigen Orten im Alpstein verbindet er Kindheitserinnerungen.

Roger Fuchs
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Kaplan Sebastian Wetter plant, nach Abschluss der Doktorarbeit in München ins Bistum St. Gallen zurückzukehren.

Kaplan Sebastian Wetter plant, nach Abschluss der Doktorarbeit in München ins Bistum St. Gallen zurückzukehren.

Sebastian Wetter, Sie gehören zu den Zelebranten von Alpsteingottesdiensten. Fühlen Sie sich persönlich im Alpstein – mitten in der freien Natur – näher bei Gott als in der Kirche?

Sebastian Wetter: Die liebliche Berglandschaft nimmt es tatsächlich mit jeder Kathedrale auf. Inmitten der grünen Matten und schroffen Felsen fühle ich mich Gott sehr nahe. Dennoch würde ich die Natur und unsere Kirchengebäude nicht als Konkurrenz sehen. Sie ergänzen sich vielmehr, haben ihre eigene Sprache, in der sie uns von Gott erzählen.

Wie unterscheidet sich für Sie als Pfarrer ein Gottesdienst in den Bergen von einem Gottesdienst in der Kirche?

Wetter: Die prächtigen Kirchenbauten lassen uns etwas von der Grösse des Menschen erahnen. Der Altmann oder der Seealpsee lassen mich inne werden, dass die Künstlerhand Gottes weit raffinierter und einfallsreicher ist als der menschliche Geist. Das lehrt mich Ehrfurcht, lässt mich staunen, aber auch tiefe Freude empfinden.

Was für Predigtthemen bevorzugen Sie im Alpstein? Was wollen Sie den Gläubigen hier sagen?

Wetter: Meine Inhalte richten sich immer nach den Bibeltexten, die vorgesehen sind. Natürlich verwende ich im Alpstein gerne Bilder aus der Natur, weil sie hier so greifbar sind. Die idyllische Landschaft lädt dazu ein, über unseren Umgang mit der Schöpfung nachzudenken. Ich lenke den Blick aber auch gerne auf die Ruhe und den Frieden an diesen Orten, verbunden mit der Frage, wie wir mit unseren Kräften haushalten.

In Zeiten der kleiner werdenden Personal- und Finanzdecke bei der Kirche: Wären die Alpsteingottesdienste nicht auch eine Sparmöglichkeit?

Wetter: Das wäre am falschen Ort gespart. Der rege Gottesdienstbesuch in den Bergen zeigt ein deutliches Bedürfnis der Gläubigen. Zudem sind die Gottesdienste auch bei den Priestern sehr beliebt, welche diesen Dienst neben ihren hauptamtlichen Tätigkeiten wahrnehmen.

Wo trifft man Sebastian Wetter im Alpstein an, wenn er keinen Gottesdienst feiert?

Wetter: Da fallen mir als erstes der Hohe Kasten und die Alp Soll ein. Damit verbinde ich prägende Kindheitserinnerungen, da meine Grosseltern früher auf diese Alp fuhren und ich sie mit meiner Familie da oft besuchte.

Im Alpstein darf man auch das leibliche Wohl nicht vergessen. Mit einigen Berggasthäusern verbinde ich die Erinnerung an tolle Wirtsleute und unvergessliche Stunden im Freundeskreis, so beispielsweise in Furgglen, Bollenwees oder Meglisalp.