Gott in schmutzige Hände legen

In einer Woche endet der Einsatz des 26. Swisscoy-Kontingentes im Kosovo mit einer «Medal Parade» auf dem Flugfeld von Alpnach. Da hört man wieder viele Worte des Dankes und der Anerkennung über die Lippen von politischen und militärischen Würdenträgern kommen.

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In einer Woche endet der Einsatz des 26. Swisscoy-Kontingentes im Kosovo mit einer «Medal Parade» auf dem Flugfeld von Alpnach. Da hört man wieder viele Worte des Dankes und der Anerkennung über die Lippen von politischen und militärischen Würdenträgern kommen. Tatsächlich ist der Einsatz im Balkan «kein Schleck», sondern eine Herausforderung für jeden einzelnen. Denn die über 200 uniformierten Frauen und Männer aus der Schweiz machen dort im Auftrag der UNO einen militärischen Einsatz, der sicherstellen soll, dass sich Ethnien nicht mit Waffen bekämpfen. Vor Ort im Norden Kosovos, dem «Hotspot» der Kfor-Mission, habe ich erlebt, dass ein geschwisterliches Miteinander von serbischer und albanischer Bevölkerung noch in weiter Ferne liegt. Ziel ist deshalb nicht ein Miteinander zu schaffen, sondern das Nebeneinanderleben-können zu ermöglichen.

Wie dem auch sei: Das Militär macht dort einen guten und sinnvollen Job, der von der Bevölkerung sehr geschätzt wird.

Dabei sind die Frauen und Männer aus der Schweiz keine Übermenschen. Vielmehr sind es Menschen, welche die meisten ihren «Rucksack» mit in den Einsatz bringen: Beziehungsbrüche, Perspektivenlosigkeit in der Berufswelt, Abstand von schlechten Erfahrungen in der Heimat. Mit diesen Menschen verbringe ich immer wieder mal eine Woche in ihrem Einsatz als «Peace Supporters». Die allermeisten von ihnen sind weit weg von Kirche und konformer Religion. Umso mehr berührt es mich, wenn diese Männer und Frauen ihren Fuss in die schlichte Camp-Kapelle setzen – meistens oft zögerlich und verhalten. «I chummä nu mol go luege». Es versteht sich, dass das gottesdienstliche Feiern mit den Soldatinnen und Soldaten nicht in klassischen Abläufen des Pfarreigottesdienstes vonstatten gehen kann. Die Eindrücke und die persönlichen Erfahrungen schwingen zu sehr auf und die Mitfeiernden haben alle möglichen Hintergründe. Und doch: selten war das Feiern für mich so bewegend wie in der Camp-Kapelle im Kosovo. Da werden zwar nicht alle Formen eingehalten, aber das Bedürfnis nach ein bisschen Himmel in der erlebbaren Hölle, den sich Menschen in Kriegsgebieten schaffen können, ist spürbar da. Die jungen Frauen und Männer, die ich betreuen darf, sehnen sich nach Heilung, Annahme, Liebe, Umarmung. Liebe kennen sie, aber nur die sexuelle, die letztlich doch keine ist. Da braucht es nicht die Feldpredigt, sondern das spürbare Zeichen: in die Hände dieser Menschen Christus, das Brot des Lebens zu legen, sagt und heilt mehr als tausend Worte und Formeln. Einmal mehr habe ich erlebt, dass sich Christus in alle offenen Hände legen will. Ob sie gewaschen sind oder ob unter den Fingernägel noch der Schmutz von Maschinenfett klebt, ist ihm vermutlich herzlich egal. Eine solche Kirche kommt an – zumindest dann, wenn sie nach dem Herzen fragt und nicht nach Geboten.

Stefan Staub, Pfarreileiter in

Teufen-Bühler-Stein und

Armeeseelsorger der Swisscoy/

Multi National

Kosovo Forces (Kfor)