Goldlorbeer für die Silberfüchse

WILDHAUS. Das Stück «E verflixti Erbschaft» aus der Feder der Kirchbergerin Rösly Baumgartner-Strässle könnte den Silberfüchsen, einer Senioren-Theatergruppe aus dem Toggenburg, erneut Goldlorbeeren einbringen.

Hans Ruedi Fischer
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Die Theatergruppe Silberfüchse aus dem Toggenburg wird mit dem Stück «E verflixti Erbschaft» in den zwei kommenden Jahren vielerorts Freude machen. Erstmals aufgeführt hat sie es am Altersnachmittag in Wildhaus. (Bild: Karl Diem)

Die Theatergruppe Silberfüchse aus dem Toggenburg wird mit dem Stück «E verflixti Erbschaft» in den zwei kommenden Jahren vielerorts Freude machen. Erstmals aufgeführt hat sie es am Altersnachmittag in Wildhaus. (Bild: Karl Diem)

Nein, WikiLeaks hat noch nicht darüber berichtet. Auch sind weder im National- noch im Ständerat Vorstösse zum Fall gemacht worden. Aber, wetten wir, diese «verflixti Erbschaft» wird noch manchenorts zu reden geben. Um die «Sonne» hangen die Wolken tief, in der Quartierbeiz hängt der Segen schief: Im vergangenen September hat der gut beleumdete ledige Beizer Karl Schmid (Jahrgang 1947) den Weg alles Irdischen gehen müssen.

Seine Schwester Leni (Gerda Hofstetter), die mit ihm zusammen gewirtet hat, ist der Verzweiflung nahe.

«Je verwändter, je verdämmter»

Sie schüttet Bäckermeister Moritz Kamber (Fritz Knorpp) das Herz aus. Es ist wirklich zum Heulen: Kein Personal und keine Morgengäste mehr… Die schusselige Zeitungsfrau Lysette (Iris Vetsch) platzt mit schmutzigen Schuhen in die von Hilde (Edith Gantenbein) eben frisch geputzte Gaststube.

Noch unwillkommener aber erscheinen als weitere Erbberechtigte die beiden Schwestern Alice Braun-Schmid (Annalies Reich) und Carla Hotz-Schmid (Linda Conte) auf, zwei keifende Weibsbilder, die alles, wirklich alles besser zu wissen scheinen. «Je verwändter, je verdämmter», kommentiert Hilde den penetranten Auftritt. Eine aufgetakelte Stellenbewerberin (Anita Weber, die auch unter anderer Haartracht als Juristin Gisela Hotz ins Geschehen eingreift), ist sich für die anfallenden Arbeiten zu schade.

Wie froh kann die gute Leni sein, dass Dr. Franz Reimer (Peter Weber), ein liebenswerter Stammgast, nach dem Rechten sehen will. Weil dieser Anwalt sogar eine vom Schicksal gebeutelte junge Frau kennt, die bereit wäre anzupacken, erscheint in der Gestalt von Sandra Weder (Ursi Studhalter) und ihrem kleinen Julian (ein lebensgrosses Baabeli) ein erster Silberstreif über dem eingenebelten Dach der «Sonne». Geschnorr, Geschnatter, Gezeter kommen auf, als es um die Testamentseröffnung geht.

Da mögen die auf die Plätze 3 und 4 verwiesenen Tanten Alice und Clara noch so täubelen und gar mit dem Gang ans Bundesgericht drohen: Notar Dr. Jonathan Ganz (Walter Bauer) macht alledem zum Trotz alles ganz (sonnen-) klar und nicht nur Hausfreund Reimer offeriert zum Happy End den richtigen Reim.

Heimelige Beizen-Kulisse

Unter der Regie von Edgar Morger und in einer heimeligen, von Hans Schio gestalteten Beizen-Kulisse, haben alle Akteure der Weltpremiere ihr Bestes gegeben.

Im Lauf der Gastspiele werden Margrit Reich, Elsbeth Huber, Anneliese Bochsler, Cilgia Kobelt, Anna Tibisch, Renato Tschudi, Jonny Engi und Karl Diem in die verschiedenen Rollen und Kostüme schlüpfen und sich auf ihre Weise an der verflixten Erbschaft freuen oder ärgern.