Goldbarren für guten Zweck

GAIS. Was andere achtlos wegwerfen, verwertet Maria Frehner zu Gold. Die Pensionärin aus Gais sammelt Kaffeepunkte, deren Erlös sie einer Stiftung spendet. Dabei erhält sie Unterstützung aus der ganzen Schweiz.

Silvan Heuberger
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Die Kaffeepunkte heftet Maria Frehner auf Blätter, bevor sie sie einsendet. (Bild: sh)

Die Kaffeepunkte heftet Maria Frehner auf Blätter, bevor sie sie einsendet. (Bild: sh)

Punkte sammeln ist im Trend. Maria Frehner begann damit schon in den 80er-Jahren – lang vor den Cumulus- und Coop-punkten. Sie sammelt die Punkte der Kaffeemarke Chicco d'Oro. Diese Punkte können Kaffeetrinker gegen allerhand tauschen: Badetücher, Kaffeetassen und -löffel, Serviertabletts und Kaffeekocher. Frehner aber tauscht sie gegen Goldbarren – fünf Gramm reines Gold. Diese verkauft sie dann weiter und spendet den Erlös der Stiftung «Denk an mich».

«Goldmarie»

Eine Kilopackung Kaffeebohnen enthält sechs Punkte, ein Pfund drei. «Wenn ich alleine sammle, kommt da zu wenig zusammen», sagt Frehner. Deshalb fing sie an, auch die Punkte anderer Leute zu sammeln, die nicht wussten wohin damit. Später schaltete sie in der «Neuen Luzerner Zeitung» ein Gratisinserat, das sie inzwischen jedes Jahr veröffentlicht. «Darauf bekam ich einen Haufen Post», sagt Frehner. Inzwischen erhält sie Briefe aus der ganzen Schweiz von Menschen, die ihr die Kaffeepunkte schenken. Satte 46 000 Punkte konnte sie so insgesamt schon sammeln und in Goldbarren umtauschen. 2000 Punkte geben einen Goldbarren, und für einen Goldbarren gibt es ungefähr 220 Franken. «Der Goldpreis ist in letzter Zeit ein wenig gesunken», weiss Frehner.

Mit viel Freude zeigt Frehner die Couverts, die sie erhalten hat. Auf einem fehlt der Name. Stattdessen schrieb der Absender einfach «Chicco-d'Oro-Sammlerin» hin. Auf einem anderen steht neben ihrem Namen «Goldmarie». Manchmal fehle auch die Strasse. «Aber der Pöstler weiss schon, wohin mit den Briefen», sagt Frehner.

Schlaflose Nächte

Sofern der Absender angegeben ist, bedankt sich Frehner immer mit einem Brief oder einem Anruf für die zugesandten Punkte. «Meistens sind es ältere Menschen, die mir ihre Punkte senden», sagt Frehner. Oft fänden sie die Punkte noch irgendwo in einer «Gnuusch»-Schublade. Die Zeit für die ganze Korrespondenz habe sie ja, seit sie pensioniert sei, und es mache ihr Freude, etwas Gutes zu tun. Auf die Stiftung «Denk an mich» ist sie wegen der gleichnamigen Radiosendung auf SRF 1 gestossen, in der jeweils über die Aktivitäten der Stiftung berichtet wird. «Denk an mich» organisiert Ferienangebote für Menschen mit einer körperlichen und geistigen Behinderung. In der Radiosendung wird heute manchmal darauf aufmerksam gemacht, dass Frehner die Kaffeepunkte für die Stiftung sammelt. Und auch im «Aufsteller der Woche» auf SRF 1 durfte sie schon sprechen. Frehner ist «Werbung» für ihre Sammelaktion wichtig. «Manchmal, wenn ich in der Nacht nicht schlafen kann, überlege ich mir: Wie kann ich noch mehr Menschen dazu bewegen, mir ihre Punkte zu schicken?» Auch zu reisen scheut sie nicht: Nächste Woche machen sie und ihr Mann eine Zugreise ins zürcherische Grüningen, um bei einer Dame ein paar Punkte abzuholen.

Frühes Sammlerherz

Aber warum genau die Punkte von Chicco d'Oro? «Uns war der Kaffee eigentlich immer ein bisschen zu bitter», sagt Maria Frehners Mann Alfred. «Unsere Kinder fingen aber irgendwann an, diese Marke zu trinken, und haben uns jeweils die Punkte gebracht», sagt sie. Inzwischen hätten sie den Kaffee aber gerne. Sie habe sich auch schon überlegt, ob sie nicht auch andere Punkte sammeln soll. «Aber der Aufwand wäre mir dann schon ein wenig zu gross.»

Schon früher hatte Frehner ein Sammlerherz. Damals sammelte sie noch Mondo-Punkte. Ein ganzes Regal mit Enzyklopädie-Bänden hat sie so zusammengebracht. «Heute kann ja alles gegoogelt werden. Aber früher waren die Bücher für die Kinder praktisch – zum Beispiel für Schularbeiten», sagt Frehner.

Wenig Briefe aus der Ostschweiz

Am wenigsten Zusendungen erhält Frehner aus der Ostschweiz. Sie habe sich deshalb auch schon überlegt, was sie da machen könne. «Über mehr Punkte aus der Region würde ich mich sehr freuen.»

Vereinzelt habe sie schon negative Reaktionen erhalten, sagt Frehner. So habe sie einer Frau einen Dankesbrief für die gespendeten Punkte geschrieben und sie darum gebeten, doch auch in Zukunft Punkte zu schicken. Darauf habe Frehner eine giftige Antwort erhalten, man solle ihr keine Bettelbriefe zusenden. Gelegentlich, so Frehner, seien die Menschen auch einfach geizig. So habe sie eine Frau, die sie mit einer Tüte voll Kaffee gesehen habe, angesprochen und gefragt, ob sie ihr die Punkte nicht senden wolle. «Da hat sie mich gefragt, was ich denn für die Punkte zahlen würde.»

Punkte können an folgende Adresse gesendet werden: Maria Frehner, Zwislenstrasse 48, 9056 Gais AR.