Gold, Weihrauch und Myrrhe

Seit seiner Entdeckung begleitet das Gold die Menschheit. Es ist ein Zeichen der Macht, der Unsterblichkeit und Prestige. Die Gier danach führte zu Kriegen, Plündereien, Eroberungszügen und forderte viele Opfer.

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Seit seiner Entdeckung begleitet das Gold die Menschheit. Es ist ein Zeichen der Macht, der Unsterblichkeit und Prestige. Die Gier danach führte zu Kriegen, Plündereien, Eroberungszügen und forderte viele Opfer. Auch Weihrauch und Myrrhe finden seit Jahrtausenden Verwendung, sowohl bei Ritualen und Bräuchen als auch in der Medizin.

Hier lesen Sie die Kulturgeschichte von Gold, Weihrauch und Myrrhe, die auch eine Geschichte von Heilungen, Blutvergiessen und der Suche nach Glück ist.

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Gold wurde bei den Römern, Griechen und den Inka zur Verehrung von Göttern verwendet und ist eines der ersten Metalle, das von Menschen bearbeitet wurde. Da die Inka Naturgötter verehrt haben, sind auf den goldenen Schmuckstücken in erste Linie Sonne, Mond und Mutter Erde abgebildet.

Die altägyptischen Pharaonen hingegen dachten, sie würden vom Sonnengott Horus abstammen, und so schmückten sie sich und ihre Umgebung mit dem wertvollen Metall. Heute ranken sich viele Mythen um Schatzkammern in den ägyptischen Pyramiden.

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Das reiche Goldvorkommen in Südamerika bedeutete aber im 16. und 17. Jahrhundert auch den Untergang der indigenen Völker, denn sie wurden von den spanischen Eroberern, den Konquistadoren, versklavt oder starben an den eingeschleppten Krankheiten. Spanien hingegen wurde durch den Goldabbau und -handel vorübergehend zur reichsten Nation Europas.

Im Goldrausch in der Mitte des 19. Jahrhunderts verliessen mehrere Hunderttausend Menschen ihre Heimat, vor allem Richtung Kalifornien. Daher kommt auch Kaliforniens offizieller Beiname «Golden State». Die Auswanderer hofften, als Goldgräber reich zu werden. Die meisten von ihnen fanden jedoch weder Gold noch Glück. Innert kürzester Zeit vervielfachte sich die Bevölkerung in San Francisco. Darunter litt die Hygiene: 1851 brach eine Choleraepidemie aus. Doch nicht nur die Epidemie forderte viele Opfer. Wie in Südamerika wurde auch in Kalifornien die einheimische Bevölkerung vertrieben oder versklavt, und die Gewinnung von Gold setzte Quecksilber frei, welches die Flüsse vergiftete.

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Im Gegensatz zu Gold, das gediegen, also als Element in der Natur vorkommt, wird sowohl Weihrauch als auch Myrrhe aus Baumharz gewonnen. Ursprünglich aus Südarabien kam der Weihrauch ab der Mitte des 2. Jahrhunderts über die Weihrauchstrasse in den Mittelmeerraum. Durch die Domestizierung des Dromedars waren die Karawanen-Händler nicht mehr so stark von Wasserstellen abhängig, dies machte den Transport möglich.

Weihrauch und Myrrhe fanden bei den Ägyptern, Juden, Griechen und Römern schon früh Verwendung. Zum einen im kultischen Bereich zur Einbalsamierung oder Mumifizierung von Leichnamen, bei Bestattungsritualen, zur Verehrung von Göttern und Vertreibung von Dämonen. Zum anderen aber auch als Heilmittel zur Wundreinigung, bei Erkrankungen der Atemwege oder Verdauungsproblemen. Der Duft wurde zum Beispiel in Rom verwendet, um den Kloakengestank zu übertönen, wenn hoher Besuch kam.

Später fand der Weihrauch Einzug in die Klostermedizin. Hildegard von Bingen beispielsweise empfahl das Heilmittel bei Schwerhörigkeit und Tinnitus, ähnlich den indischen Ohrenkerzen. Man räucherte Häuser mit Weihrauch, um das Böse abzuwehren und das Haus zu schützen.

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Heute wird Gold in Form von Schmuck verschenkt oder als Geldanlage verwendet, Weihrauch findet man vor allem in Kirchen, und Myrrhe wird höchstens als Bestandteil von Parfum verschenkt.

Antonia Baumgartner

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