Götter sind auch bloss Menschen

Die Aufführung «Olympische Spiele» der Schuleinheit Grüenau bietet sowohl etwas fürs Auge als auch fürs Gemüt. Fans der griechischen Mythologie und andere Theaterbegeisterte werden bei dieser Schulaufführung auf ihre Kosten kommen.

Alexandra Scherrer
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wattwil. Langweilig war es, den Göttern auf dem Olymp. Die, welche früher über das Schicksal der Menschen bestimmten, hatten sich nun mit ihrer eigenen, unsterblichen Existenz abzufinden. Der trojanische Krieg sei längstens vorbei und die Irdischen auch nicht mehr das, was sie einmal waren: Respektlos und unverschämt. Die griechischen Gottheiten, sonst als feierlustig bekannt, zogen zur allgemeinen Situation lange Gesichter.

Dieter Bohlen bei «Deos-Deos»

Bei der Schulaufführung «Olympische Spiele» der Schuleinheit Grüenau in Wattwil demonstrieren die jungen Schauspieler, warum die antiken Götter auch bloss Menschen seien. «Im alten Griechenland war es so, dass die Menschen perfekt sein mussten und die Unsterblichen durften sich alles leisten», erklärt Paul Balzer, Regisseur und Urheber des Theaterstücks. Verdeutlicht wird dies in der Aufführung beispielsweise als in Dionysos' Bar die Europahymne auf die Schippe genommen wird: «Freude, schöner Götterfunken, Töchter aus Elysium. Wir sind etwas feuertrunken, fast schon im Delirium», heisst es da. Und wirklich: Zeus genehmigt sich einen Ouzo nach dem anderen. Nebenbei verkleidet er sich noch als Dieter Bohlen und stört das «Deos-Deos»-Casting, wo er, anders als bei DSDS, nicht erwünscht ist. Diese Szene ist nicht die einzige mit Bezug zur modernen Gegenwart. Poseidon, Gott des Meeres, erklärt: «Das Fischen ist nur noch ein Hobby für mich.» Er sei längst ins lukrative Frachtgeschäft eingestiegen. Und Dionysos, Gott des Weins, profitiert vom Ballermann. Bemerkungen, um die heutige Situation Griechenlands bleiben auch nicht unausgesprochen. Angela Merkel darf da natürlich nicht fehlen und Zeus bemerkt nur: «Traurig steht's um Griechenland, die Kassen sind leer.» Eine Mischung aus moderner Gesellschaftskritik und mythologischen Geschichten wird mit viel Witz ans Publikum gebracht. Dabei dienten Walt Disneys Herkules oder eine Parodie von Bully Herbig teilweise als Vorlagen.

Wie im alten Griechenland

Die Besetzung besteht grösstenteils aus Sekundarschülern der Abschlussklassen. Ein Vorsprechen im kleineren Rahmen entschied über die Rollenverteilung. «Ich wollte einzeln mit den Schülern sprechen, um herauszufinden, ob sie es sich wirklich vorstellen können, mitzumachen», sagt Paul Balzer. In der Projektwoche wurde nur noch der Hauptschliff gemacht, geübt und vorbereitet habe man schon viel früher. Die Vorarbeit zeigt sich an den Requisiten als auch an den Kostümen.

Öffentliche Aufführungen: Montag, 4. Juli, 19 Uhr, Dienstag, 5. Juli, 19 Uhr, am 7. Juli Ausstellung in der ganzen Schule von 15 bis 17 Uhr mit Aufführung um 17 Uhr, im Anschluss Verabschiedung der abtretenden Schüler

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