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Gmünden ist sein grösster Brocken – Ausserrhodens Regierungsrat Hansueli Reutegger im Gespräch

In seinem neuen Amt als Regierungsrat befindet sich Hansueli Reutegger noch in der Einarbeitungsphase. Dafür lässt er sich bewusst Zeit. Eine Herausforderung sieht er in der Kleinräumigkeit des Kantons.
Alessia Pagani
Hansueli Reutegger ist seit dem 1. Juni als Vorsteher des Departementes Inneres und Sicherheit im Ausserrhoder Regierungsrat. (Bild: Benjamin Manser)

Hansueli Reutegger ist seit dem 1. Juni als Vorsteher des Departementes Inneres und Sicherheit im Ausserrhoder Regierungsrat. (Bild: Benjamin Manser)

«Es ist, wie wenn man in die Ferien fliegt. Man ist zwar gelandet, aber noch auf der Landebahn am Ausrollen.» So beschreibt Hansueli Reutegger seine momentane Gefühlslage. Am 10. Februar in den Regierungsrat von Appenzell Ausserrhoden gewählt, befindet sich Reutegger noch in der Einarbeitungsphase.

«Ich habe mir in den vergangenen Monaten einen Überblick verschafft über die Projekte und darüber, was wo läuft und warum es so läuft.»

Dafür hat er sich mit seinen Abteilungsleitern getroffen und die dem Departement unterstellten Institutionen besucht.

«Ich bin kein Chef, der nur nach dem Papier entscheidet.»

Soll heissen: Reutegger ist der Kontakt mit den Angestellten wichtig. Rund 300 Personen sind ihm unterstellt. Vor Ort möchte er die Begebenheiten und Umstände kennen lernen; sehen, wo und vor allem warum der Schuh drückt.

Hansueli Reutegger hat im Fünfergremium das Departement Inneres und Sicherheit erhalten. Jenes Departement, das wegen der Strafanstalt Gmünden immer wieder in die Schlagzeilen geraten war.

«Die Bandbreite der Themengebiete ist sehr gross.»

So sind dem Departement nicht nur die Kantonspolizei oder der Zivilschutz angegliedert, sondern auch die Assekuranz, das Strassenverkehrsamt, die Staatsanwaltschaft oder die Migrationsbehörde.

Dossier «Gmünden» rasch angehen

Hansueli Reutegger amtete zuvor während sieben Jahren als Gemeindepräsident in Schwellbrunn, davor war er dort während sechs Jahren Gemeinderat. Etwas, wovon Reutegger nun profitieren kann.

«Als Gemeindepräsident hat man Berührungspunkte mit all diesen Abteilungen. Es gibt also keine Themengebiete, die mir nicht bekannt sind.»

«Als Gemeindepräsident hat man Berührungspunkte mit all diesen Abteilungen. Es gibt also keine Themengebiete, die mir nicht bekannt sind.» Ein Unterschied zu seiner vorherigen Arbeit als Gemeindepräsident sieht Reutegger im Tagesgeschäft. «Hier bin ich nicht mehr so nah am operativen Geschäft, sondern auf gute Chefbeamte angewiesen.» Viele Abteilungsleiter würde er noch aus seiner Zeit als Gemeindepräsident kennen. Reutegger:

«Das hat mir beim Einstieg geholfen und vereinfacht die Zusammenarbeit.»

Unter Druck setzen möchte sich Reutegger nicht. Er lässt sich bewusst Zeit für die Einarbeitung. Stehe still und sammle dich, das habe er so in der Feuerwehr gelernt. Reutegger:

«Ich habe viele Geschäfte übernommen. Da kann nicht erwartet werden, dass ich nach einem halben Jahr bereits Lösungen finden oder einschneidende Entscheide treffen kann.»

In erster Linie spricht der 53-Jährige damit vor allem auf das Dossier Gmünden an. Die Strafanstalt hatte in der Vergangenheit immer wieder für Negativschlagzeilen gesorgt. Die Infrastruktur ist veraltet und nicht mehr ausreichend, das Personal lief reihenweise davon. Bereits vor neun Jahren hatte die Staatswirtschaftliche Kommission Kritik geübt. Unter Reuteggers Vorgänger, Paul Signer, wurde beschlossen, dass die Strafanstalt für 22 Millionen Franken umgebaut und saniert werden soll. Über den Kredit wird das Volk abstimmen. Reutegger wird sich nun dem Thema annehmen müssen und Entscheide umsetzen, die er nicht selber gefällt hat.

«Das ist natürlich in der Regel nicht einfach. In diesem Fall kommt hinzu, dass die Zeit drängt.»

Dass vorangegangene Entscheide bis ins kleinste Detail protokolliert und begründet würden, mache diese allerdings nachvollziehbar und helfe bei der Weiterentwicklung.

Die Voraussetzungen zu schaffen und alles daran zu setzen, dass in Gmünden zeitnah eine positive Entwicklung geschieht, ist denn auch eines von Reuteggers obersten mittelfristigen Ziele. Das andere Ziel: die Schaffung bester Grundvoraussetzungen, dass auch die Jugend von der Entwicklung des Kantons profitiert. Reutegger:

«Wir müssen Sorge tragen, dass auch sie eine gute Zukunft haben. Unserer Generation geht es doch gut. Und wir sind der Jugend schuldig, dass wir auch ihre Anliegen ernst nehmen und für deren Zukunft vorsorgen»

Dafür müsse man die Jungen mit ihren Anliegen verstehen. «Mir ist als Regierungsrat wichtig, alle Stimmen zu hören.» Der Kontakt mit der Bevölkerung lasse er sich auch in seinem neuen Amt nicht nehmen. «Wenn wir Regierungsräte in Ausserrhoden unsere Volksnähe verlieren, haben wir schlechte Karten.» Als Herausforderung für Ausserrhoden sieht Reutegger die Grösse des Kantons:

«Bei gewissen Aufgaben stossen wir finanziell an Grenzen. Dies fordert unseren Kanton.»

Sich bewusst Freiräume schaffen

Die Jugend ist dem dreifachen Vater eine Herzensangelegenheit. Dies manifestiert sich auch in seiner Freizeit im Schiesssport. Das Schweizer Trainerdiplom im Sack, engagiert sich Reutegger seit mehreren Jahren in der Jugendausbildung. An Wettkämpfen nimmt Reutegger nur noch aus Spass teil.

«Für mich spielen die Resultate nur noch eine sekundäre Rolle. Ich hatte eine gute und erfolgreiche Zeit. Jetzt sind meine Jungen am Zug.» Sich bewusst Freiräume schaffen, das ist Reutegger wichtig. Als Stichwort nennt er eine «gute Work-Life-Balance».

Man hätte sich Reutegger, der in Wil das Steueramt führte, gut im Departement Finanzen vorstellen können. Die SVP, der auch Reutegger angehört, hatte vor den Wahlen auf dieses Amt gehofft. Vergeblich. Für Reutegger selber kein Problem: «Meine Philosophie ist es, mitzuwirken und die Zukunft von Appenzell Ausserrhoden zu gestalten.» Für ihn zähle das Plenum. Abschliessend fasst Reutegger seine ersten vier Amtsmonate zusammen: «Regierungsrat zu sein, ist eine grosse Herausforderung, aber es macht auch sehr viel Freude.»

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