Glosse

Von einem, der immer gehauen wird Er soll eine Tradition von über 100 Jahren haben und erinnert ans Holzhacken. Am Oktoberfest in München, an Jahrmärkten, Strassenfesten und anderen geselligen bis bierseligen Anlässen gehört er zum Standard.

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Von einem, der immer gehauen wird

Er soll eine Tradition von über 100 Jahren haben und erinnert ans Holzhacken. Am Oktoberfest in München, an Jahrmärkten, Strassenfesten und anderen geselligen bis bierseligen Anlässen gehört er zum Standard. Er kombiniert Schausteller-Nostalgie und ehrgeiziges Kräftemessen. Er lässt sich mieten; die Tagespauschale beträgt je nach Anbieter und Ausführung zwischen 150 und 753 Franken. Er soll sich problemlos aufstellen lassen, selbst wenn man kein Diplom für das unfallfreie Zusammenschrauben eines Büchergestells besitzt.

Nach zentrischem Schwungholen mit einem Hammer und dem gezielten Auftreffen auf einer Wippe schleudert ein ausgeklügeltes System eine Kugel oder ein Metallstück an einer Säule hoch. Die Oberstarken bringen an der Spitze eine Glocke zum Klingen, eine Lampe zum Leuchten, eine Puppe zum Drehen oder etwas anderes Blöffiges publikumswirksam in Aktion.

«Au Mann, weisch, hausch mit dem huere Schissprügel eifach eis obenabe. Aber volle Pulle, krass. Mega, mit vil Power. Cool, gib's ihm. Jaaa, bisch de Gröscht!» Warum der Hau den Lukas, dieses Ursymbol des germanischen Machismos, Hau den Lukas heisst, habe ich nicht herausgefunden. Ob der Erfinder einen Lukas gekannt hat, den er kein bisschen mochte? Der bei der Konstruktion der Platzhalter für alles Miese war und für immer blieb? Ich, echter Lukas von Geburt an, bin gegen Gewalt. Und ich habe es satt, immer wieder gehauen zu werden. Als Geste könnte am Stand neben dem Hau den Lukas angeboten werden: Zuckerwatte Luc.

Lukas Pfiffner

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