GLOSSE: Innerrhoder Kantonsrichter zeigt seine Muckis

Rolf Inauen aus Schlatt-Haslen will es wissen: Er bewirbt sich für einen Job beim Schweizer Fernsehen. Zum Beweis hält Moderator Roman Kilchsperger im Donnschtig-Jass den entsprechenden Clip in die Kamera.

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Bewerbungsclip von Rolf Inauen, Kantonsrichter aus Appenzell Innerrhoden

Bewerbungsclip von Rolf Inauen, Kantonsrichter aus Appenzell Innerrhoden

Roger Fuchs
roger.fuchs@appenzellerzeitung.ch

Der Innerrhoder Kantonsrichter Rolf Inauen aus Schlatt-Haslen will einen neuen Job. Völlig verständlich: Das Hühnergegacker auf seinem Hof musste dem Eierproduzenten früher oder später auf die Nerven gehen. Und politisch lässt man ihn auch nicht machen, seine Initiative zur Bezirksauflösung schiffte an der Landsgemeinde ab. Der Mann ist am Ende seines Lateins angekommen. Jetzt scheint eine Anschlusslösung in Griffnähe – dem Schweizer Fernsehen sei Dank. Am Donnerstagabend konnte sich die ganze Nation von Inauens Bewerbung in Form eines kurzen Clips überzeugen. In blauen Shorts und mit nacktem Oberkörper schwingt er ein Beil in den Händen. Zum Schluss schnellt die Faust nach vorne.

Um Himmelswillen, was läuft denn da, könnte man denken. Will Rolf Inauen etwa der neue James Bond werden, macht er Werbung für einen eigens erfundenen Karate-Lehrgang, oder gründet hier gerade einer die erste Hooligan-Gang Innerrhodens? Spätestens mit dem Wissen, dass der Clip eingebettet ist in eine Familiensendung – konkret in den «Donnschtig-Jass» – kann im Kanton aufgeatmet werden. Wer die Sendung regelmässig schaut, weiss um den dortigen «Einstein», der seit Jahren mit geballter Manneskraft den «Hau den Lukas» schlägt und so jeweils den Trumpf der nächsten Jassrunde bestimmt. Dieser Einstein ist auf der Jass-Sommertour 2017 zum letzten Mal dabei, ein Nachfolger wird gesucht. Und genau diesen Job will nun Rolf Inauen. «De Einstein chasch vergesse, jetzt isch de Rolf dra!», sagt er in seinem Bewerbungsvideo laut und deutlich. Seine kampfesähnlichen Bewegungen sollen symbolisieren, mit welcher Wucht er auf den «Hau den Lukas» einschlagen kann. Allerdings dürfte ihm das keine zweimal gegönnt sein, wenn er das im Video verwendete Beil nicht gegen einen Hammer eintauscht. «Kantonsrichter schlägt ‹Hau den Lukas› in Kleinholz», wird sonst der Blick titeln müssen.


Moderator Roman Kilchsperger zeigt sich in einer ersten Reaktion während der Livesendung ganz angetan von dieser Bewerbung. «Das könnte ein potenzieller Nachfolger sein», lässt er das Schweizer Volk wissen. Kurz darauf relativiert er die Aussage gegenüber Einstein mit der Feststellung, dass ein Nachfolger ähnliche Qualitäten mitbringen müsse wie er. Ein Vergleich «Einstein versus Inauen» drängt sich also auf. Die wohl grösste Gemeinsamkeit: Keiner von beiden ist Physiker. Der heutige Einstein heisst in Tat und Wahrheit Peter Keller. Den Übernamen Einstein hat ihm seine Haarpracht eingebracht. Wollte das Schweizer Fernsehen weiterhin an diesem Namen festhalten, müsste Rolf Inauen dringend beweisen, dass sein Haupt nebst Stoppeln noch einiges mehr hergibt. Klar ist: Mit dem 53-Jährigen fände eine Verjüngung statt, schliesslich ist der heutige Einstein fast 70 Jahre alt. Was beim Fernsehen aber immer zählt ist die Ausstrahlung: Die Politik hat Inauen zwar einige harte Züge eingebracht, sonst ist er aber gewiss ein sympathischer Kerl geblieben.

Und wenns sein muss: Einige massgeschneiderte Übernamen liessen sich durchaus finden: Sunnyboy, Gackeri, Polteri, Röufu. Liebes Schweizer Fernsehen, warum lange überlegen? «Jetzt isch de Rolf dra!»