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Kolumne

Glosse: Innerrhodens Schatten-Machtzentrale

Niemand sagt es, doch jeder weiss es. Innerrhodens Politik wird seit Ende April auf dem Golfplatz Gonten gemacht.
Roger Fuchs
Zwei von sieben Innerrhoder Regierungsmitgliedern arbeiten beim Golfplatz Gonten. (Bild: Roger Fuchs)

Zwei von sieben Innerrhoder Regierungsmitgliedern arbeiten beim Golfplatz Gonten. (Bild: Roger Fuchs)

Prachtvoll steht es in der Hauptgasse von Appenzell: das Innerrhoder Rathaus. In einem Gebäude dahinter tagt wöchentlich die Standeskommission. Da wird Politik gemacht. Nun: Zumindest werden hier Sitzungen abgehalten, doch sind wir ehrlich: Ein Teil der Politik wird seit der diesjährigen Landsgemeinde an einem ganz anderen Ort gemacht. Niemand sagt es, doch jeder weiss es. Innerrhodens Politik wird seit Ende April auf dem Golfplatz Gonten gemacht. Dieser Ort hat sich mit der Wahl des neuen Säckelmeisters Ruedi Eberle, Geschäftsführer des Golfplatzes, zu einer Art Schatten-Machtzentrale gemausert. Schliesslich arbeitet hier auch der im Jahr zuvor gewählte Innerrhoder Bauherr Ruedi Ulmann. Er ist Gastwirt des Golfplatz-Restaurants und mit etwas Glück kann es passieren, dass einem der Kaffee von einem Herrn Regierungsrat serviert wird, während draussen der andere Herr Regierungsrat aus dem Augenwinkel die Abschläge seiner Kundinnen und Kunden beobachtet. Das ist eben Innerrhoden. Volksnah, wie man es zu nennen pflegt.

Diese Ausgangslage eröffnet dem Volk ganz neue Chancen: Niemand mehr braucht sich lange zu überlegen, in welchem Haus in Appenzells Zentrum nun welches Departement untergebracht ist und wo man womöglich einen Regierungsrat antreffen könnte. Die Lösung bietet ein Besuch auf dem Golfplatz. Einer der beiden Regierungsräte ist dort sicher zu finden und nimmt bestimmt auch an andere gerichtete Anliegen entgegen. Gut, wenn sich solches herumspricht und die im Halbamt tätigen Regierungsräte dann kaum mehr dazukommen, ihrer bisherigen Arbeit nachzugehen, wäre früher oder später eine Art Joomer-Chaschte angebracht − am besten gut sichtbar bei der Zufahrt bei einem der Fahnen.


Vorteile bietet die neue Ausgangslage ebenso der Standeskommission: Sollte man sich einmal für eine externe Sitzung entscheiden, muss sich niemand lange auf die Suche nach einer Örtlichkeit machen. Einer der flexibel unterteilbaren Räume im Golfplatz-Restaurant könnte zügig zu einem Sitzungszimmer umfunktioniert werden. Und sollte die Exekutive mehr als einen Tag über den Akten brüten müssen, stünden sogar Hotelzimmer zur Verfügung. Hotelier und Regierungsrat Ulmann kann sicher einen anständigen Preis machen, um keine unnötigen Kosten für die Staatsrechnung zu verursachen und den Golfplatz-Kollegen Eberle nicht in Erklärungsnot zu bringen. Ein Handicap Null in der Rechnung bleibt wünschenswert.

Die Lehre aus dieser Situation: Es lohnt sich die Stelleninserate des Golfplatzes zu verfolgen, schliesslich scheint dieser Ort die derzeit aussichtsreichste Startrampe zur Ergatterung eines Regierungssitzes zu sein. Heisst jemand dann noch Ruedi, dürfte es ein Spaziergang werden. Jetzt gilt es, nur noch die Golfplatz-Website mit einem Untermenü «News aus der Schatten-Machtzentrale» zu ergänzen. Eberle, der einst von der Regierung die Aufhebung von gewissen lokalen Feiertagen geprüft haben wollte, wird auch an solchen für eine Aktualisierung der Nachrichten sorgen.

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