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Globalbudget bewährt sich

Heiden ist die einzige Gemeinde der Ostschweiz, die bei der Schule ein Globalbudget anwendet. Das Fazit nach dem ersten Jahr fällt positiv aus. Die Entscheidungswege sind kürzer geworden, die Kosteneffizienz grösser.
David Scarano

Heiden. Hans-Peter Hotz und Urs Weber, die beiden Schulleiter Heidens, ziehen nach einem Jahr Globalbudget eine positive Bilanz. «Die Erwartungen sind erfüllt worden», sagen sie. So sind die Wege wie erhofft kürzer geworden, da die Entscheidungs- und Finanzkompetenz vom Gemeinderat hin zu den Fachleuten verschoben wurden. Dadurch entfällt der Umweg über die Kommission.

Hans-Peter Hotz, der pädagogische Leiter, ist vom Instrument Globalbudget so überzeugt, dass er von einem möglichen Modell für andere Gemeinden spricht. Als Gründe nennt er die Schulqualität, die nicht nur gehalten, sondern gesteigert werden konnte. «Das Kostenbewusstsein erhöht die Effizienz der eingesetzten Mittel», sagt er.

Beim Globalbudget kann die Schulleitung innerhalb eines mit der Gemeinde vereinbarten Leistungsauftrages autonom entscheiden, für was sie das Geld einsetzen will. Obwohl der Rahmen eng ist – beispielsweise sind die Lehrerlöhne vorgegeben – besteht ein kleiner Spielraum. Urs Weber, der administrative Leiter, nennt ein Beispiel: Bei der Neubeschaffung von Kopierern wurde die gesamte Schule Heiden berücksichtigt.

Dank des Gesamtkonzepts konnten die Kosten auch wegen einer besseren Offerte insgesamt reduziert werden. «Dieses eingesparte Geld können wir nun für pädagogische Massnahmen verwenden. Das kommt den Kindern zugute», sagt Hans-Peter Hotz. Mit dem Globalbudget wird die Schule also ein Stück weit zum (Non-Profit-)Unternehmen. Wenn – zugespitzt formuliert – jeder Franken auf seine Effizienz untersucht wird, erhöht dies das betriebswirtschaftliche Denken, nicht nur der Leitung, sondern des gesamten Teams.

Die beiden Schulleiter sind sich sicher, dass «dieses gesteigerte Kostenbewusstsein das Vertrauen zwischen Schule und Gemeinderat verstärkt.» In den meisten Gemeinden ist die Schule der grösste Budgetposten überhaupt. Wird das Geld so effizient wie möglich eingesetzt, kann dies nur im Sinne des Gemeinderats sein.

Budget mit Punktlandung

Heiden ist die erste und bisher einzige Gemeinde in der Ostschweiz, die bei der Schule ein Globalbudget anwendet. Zur Verfügung gestellt wurden von der Gemeinde für 2009 5,9 Mio.

Franken, inklusive die Schüler-Pauschalbeiträge des Kantons. Grundlage des Globalbudgets ist ein mit Hilfe des Kantons entwickeltes computerbasiertes Berechnungsmodell. Dieses berücksichtigt unter anderem die Anzahl Schüler, Basisaufgaben und den Sachaufwand. Budgetabweichungen werden vollumfänglich auf das nächste Jahr überschrieben.

Das erste Globalbudget hat nicht nur den betrieblichen Erwartungen entsprochen, sondern auch finanziell wurde praktisch eine Punktlandung erreicht. Doch Urs Weber, der sich vorwiegend um die Zahlen kümmert, verbirgt nicht, dass das erste Jahr wegen der fehlenden Erfahrungen eine grosse Portion Unsicherheiten mit sich brachte. Ab dem zweiten Semester, als sich abzeichnete, dass die Zahlen gesamthaft zutreffen, hat sich die Lage entspannt.

Bewahrheitet haben sich die erwarteten Schwierigkeiten bezüglich unterschiedlicher Rechnungsjahre. Das Gemeindejahr endet Ende Dezember, das Schuljahr Ende Juli. Beispielsweise stecken die beiden Schulleiter bereits jetzt mitten in den Budgetvorarbeiten für das Schuljahr 2011/2012.

Noch offene Fragen

Ein gewisses Risiko bergen nach wie vor unvorhergesehene Mehrausgaben. 2009 musste beispielsweise der Schulbus ersetzt werden.

Dieser Aufwand konnte nicht über das Globalbudget abgedeckt werden, die Anschaffung erfolgte über die Investitionsrechnung. Zwar sieht das Budget vereinzelt Reserven für etwa krankheitsbedingte Lehrerausfälle vor. Doch was geschieht, wenn in einem Jahr gleich mehrere Sonderfälle vorkommen, ist noch offen. Solche Fälle müssten dann situationsbezogen gelöst werden, sagt Urs Weber.

Bis 2014 dürften die Schülerzahlen auf der Sek-Stufe wie in anderen Gemeinden auch in Heiden abnehmen, von derzeit 150 auf 100 Schüler. Das Globalbudget mit seinem Berechnungsmodell wird dies berücksichtigen. Doch gewisse Grundausgaben bleiben. Bisher «verursacht» ein Schüler rund acht Prozent eines Lehrergehalts. Will man die bestehende Qualität beibehalten, steigt der Parameter auf 10 Prozent. Die Schulkosten pro Kind nehmen zu.

Der Entscheid, wie die Schule künftig aussehen soll, sei deshalb ein politischer, sagen die Schulleiter. Will die Gemeinde sparen, müsse sie Punkte aus der Leistungsvereinbarung streichen. Diskussionen um die sinkenden Schülerzahlen dürften auch in anderen Gemeinden anstehen. Das Globalbudget zaubert zwar nicht mehr Kinder aus dem Hut, doch als Leit- und Kontrollinstrument hat es Vorteile. «Die Zusammenhänge und die Entwicklung lassen sich besser aufzeigen. Die Transparenz nimmt zu», sagt Urs Weber.

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