Gleich erziehen klappt nicht

Der Elternrat der Schule Neckertal richtete das Interesse der Eltern mit dem Vortrag von Lu Decurtins auf ihre Söhne. Die Entwicklung der Buben braucht Unterstützung. Väter sind besonders gefordert.

Cecilia Hess-Lombriser
Drucken
Teilen
Lu Decurtins schöpfte aus seinem Erfahrungsschatz mit Buben und Männern. (Bilder: Cecilia Hess-Lombriser)

Lu Decurtins schöpfte aus seinem Erfahrungsschatz mit Buben und Männern. (Bilder: Cecilia Hess-Lombriser)

Cecilia Hess-Lombriser

redaktion

@toggenburgmedien.ch

Lu Decurtins, Sozialpädagoge, Supervisor, Erwachsenenbildner, Genderexperte und unter anderem Mitbegründer des «mannebüro züri» und des «Netzwerks Schulische Bubenarbeit», referierte am Montagabend im Schulhaus Necker. Als Vater von zwei Söhnen brachte er Erfahrungen mit, die die Eltern, die vor ihm sassen, tagtäglich machen. Er gab teilweise Entwarnung, erklärte und ermutigte zu Grenzen und Empathie.

«Ein richtiger Bub ist ambivalent»

Typische Eigenschaften von Jungs, die im Alltag eine Wirkung zeigen, sind zum Beispiel, dass sie gerne rammeln, energiegeladen sind, unkompliziert oder ­experimentierfreudig, auf der ­anderen Seite auch laut, wett­bewerbsorientiert, besserwis- ­serisch, grob oder verschlossen sind. Die Eigenschaften, die die Eltern zu Beginn zusammentrugen, könnten ebenso auf Mädchen zutreffen. «Die Überschneidung zwischen Buben und Mädchen ist grösser als ihre Dif­ferenz», bestätigte Lu Decurtins. «Buben würden jedoch auch negativ bewertete Eigenschaften als positiv einstufen», meint er, denn ein richtiger Bub sei ambivalent. Die Bubenwelt sei anders als die Mädchenwelt und die Buben stellten sie bei entsprechendem Auftrag anders dar. Bei vielen negativen Schlagzeilen in den Medien gehe es um Knaben, und in der Schule seien sie das pro­blematische Geschlecht. Gleich erziehen klappe deshalb nicht. Zum Beispiel brauche ein Junge dreimal mehr Lob als Kritik, damit er die Balance zwischen beidem wahrnehme.

«Zeigen Sie Ihrem Sohn Ihre Schwächen»

«Buben erleben Rollen und sie selber dramatisieren ihr Geschlecht», erklärte Lu Decurtins. «Sie spielen gerne Piraten.» Es gebe weder den typischen Jungen noch die richtige Jungenerziehung. Der Bub müsse ein Mann werden und das Mädchen eine Frau, aber die Basis sei die gleiche. Allerdings hätten Buben eine andere Ausgangslage bei den Vorbildern. Sie hätten meistens bis zur Mittelstufe vor allem mit Frauen zu tun. «Das ist schwierig für die Rollenfindung.» Je blöder ein Bub tue, umso mehr komme er mit Männern in Kontakt. «Der Schulleiter, der Schulpsychologe oder der Polizist sind Männer.» Statt realer Vorbilder rückten Stars und Helden aus Comics und Film an ihre Stelle und so sei kein Mann in der Realität. «Buben suchen Vorbilder, sie haben Sehnsucht nach Männern. Geben Sie als Vater dem Mannsein Konturen», lud Decurtins die anwesenden Väter ein.

Wenig anwesende Väter liefen Gefahr, zu Superpapis zu werden, weil sie in der spärlichen gemeinsamen Zeit etwas Lässiges mit den Kindern machen. «Die Messlatte ist für Buben mit einem Superpapi sehr hoch. Darum: zeigen Sie Ihrem Sohn auch Ihre Schwächen.»

Als Vater in Kontakt mit dem Sohn bleiben

Buben haben Vorstellungen vom Mannsein. Fussball spielen und Waffen tragen gehört etwa dazu. «Lassen Sie Ihre Buben herumballern. Sie spielen Mann und wissen noch nichts von Krieg. Das geht vorbei», entlastete Lu Decurtins die Eltern. Es sei jedoch wichtig, dass sie lernten, empathisch zu sein und fair zu kämpfen. «Nicht jeder Kampf ist Gewalt.» Problematisch werde es dann, wenn die eigenen Grenzen in der Gruppe überschritten würden. Gruppenhierarchien solle man als Eltern oder Lehrpersonen nicht bekämpfen, sondern nutzen.

Bei Mobbing müsse man jedoch etwas tun. «Buben sind anders, aber wir sind offen für das ganze Spektrum von Mädchen und Knaben. Wichtig ist, auch als Vater in Kontakt mit dem Sohn zu bleiben, sich um ihn zu bemühen, präsent zu sein, ein Verhältnis zwischen Kampf und Zärtlichkeit zu haben und als Eltern Grenzen zu setzen und dennoch empathisch zu bleiben», gab der Referent als konkrete Tips mit auf den Weg.