«Glaube an das Gute im Menschen»

ALT ST. JOHANN. Wer glaubt, dass mit «Bed and Breakfast» schnelles Geld verdient werden kann, irrt. Das Angebot bedingt einen hohen Zeitaufwand. Der Anbieter kann aber sehr schöne, manchmal auch langjährige Kontakte knüpfen. Oft werden sogar Freundschaften mit Gegenbesuchen daraus.

Beatrice Bollhalder
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Das idyllische Plätzchen vor dem Gastzimmer im Untergeschoss vor dem Mehrfamilienhaus im Alt St. Johanner Dörfli lädt zum Verweilen. Für einmal lehnt sich Elisabeth Looser einen Augenblick zurück. (Bild: Beatrice Bollhalder)

Das idyllische Plätzchen vor dem Gastzimmer im Untergeschoss vor dem Mehrfamilienhaus im Alt St. Johanner Dörfli lädt zum Verweilen. Für einmal lehnt sich Elisabeth Looser einen Augenblick zurück. (Bild: Beatrice Bollhalder)

Wer «Bed and Breakfast» (B&B) bucht, möchte eine günstige Unterkunft mit Morgenessen. Sehr oft sucht sich jemand dieses Angebot aus, um nicht in einem anonymen Hotel nächtigen zu müssen. Aber auch Alleinerziehende mit Kindern, junge Reisende oder solche mit kleinem Budget wählen diese Variante. Persönliche Kontakte sind garantiert, hält sich der Gast doch sehr oft in der Privatsphäre des Gastgebers auf.

Grosses Interesse an Menschen

Elisabeth und Fritz Looser haben vor sechs Jahren in Alt St. Johann ein neues Haus gebaut. Im Kellergeschoss konnte ein Zimmer mit WC und Dusche sowie eigenem Eingang integriert werden. Ursprünglich für die Besuche eines ihrer fünf Kinder mit Familie gedacht, wurde schnell klar, dass es recht oft leer stehen würde. Vor allem des separaten Eingangs wegen bot es sich geradezu an, fremde Gäste dort beherbergen zu können. Elisabeth Looser hatte sich bereits in ihrem früheren Zuhause mit dem Angebot von B&B befasst. Jenes Haus schien ihr aber damals nicht so geeignet. Nun wohnten sie zentraler, direkt an der Sonnenhalbstrasse und nur wenige hundert Meter von einem Restaurant entfernt. Deshalb war für sie schnell klar, dass genau dieses Angebot zu ihrer Familie und ihrem Zuhause passen könnte. Allein schon deshalb, weil die in ihrer Jugend als Familienhelferin tätige Frau sehr interessiert an Menschen ist, hat sie sich auf dieses Projekt eingelassen. Nach der Frage, woher die Gäste, die sie in den sechs Jahren beherbergt habe, stammten, kamen viele Erinnerungen auf. Die Grossmutter von zehn Enkelkindern könnte gut und gerne ein Buch schreiben über die Erfahrungen, die sie in dieser Zeit mit den verschiedenen Gästen gemacht hat. Denn nebst Schweizer Gästen kamen sehr viele aus dem nördlichen Nachbarland dazu. Sie denkt nach, nennt einen Vornamen und beginnt dann zu erzählen. Fast von jedem weiss sie eine Anekdote zu berichten. Viele sind schon mehrmals im Haus im Alt St. Johanner Dörfli abgestiegen. Von den einen oder anderen hat sie später einen Kartengruss oder einen Telefonanruf erhalten. So auch von jener Frau, die auf dem Jakobsweg – von Österreich aus führt er übers Toggenburg oder dem Walensee entlang – in Alt St. Johann einen Zwischenhalt eingelegt hat. Die freudige Botschaft, dass die Frau auf dem weiteren Pilgerweg ihren jetzigen Mann kennengelernt hat und nun Nachwuchs erwartet, hat Elisabeth Looser per Telefon erfahren. Eine einzige negative Erfahrung hat sie in dieser Zeit gemacht. Einmal habe sich nämlich jemand angemeldet, sei aber ohne Benachrichtigung nicht erschienen. Sie hat auch keine Angst, fremde Menschen in ihrem Haus zu beherbergen, denn sie glaube an das Gute im Menschen, zeigt sie sich überzeugt.

Gegenbesuche gemacht

Wer die Mesmerin von Alt St. Johann kennt, kann sich vorstellen, dass diese ihre Gäste beim Morgenessen nicht einfach alleine am Tisch sitzen lässt, sondern mit ihnen «gspröchlet». Denn schliesslich möchte man ja gerne wissen, wem man gerade ein Dach über dem Kopf gewährt hat. Direkt oder indirekt erfahren die Gastgeber dabei einiges über die B&B-Benutzer. Und sind nicht selten erstaunt, manchmal auch berührt ob der Lebensgeschichte ihres Gastes. Den einen oder anderen haben Elisabeth und Fritz Looser in den letzten Jahren sogar einen Gegenbesuch abgestattet.

Das Zimmer bei Loosers ist nicht ständig besetzt. Das wollten sie aber auch nicht, halten die beiden fest, denn es brauche doch recht viel Zeit, wenn man sich um die Gäste kümmern wolle. Aus diesem Grund und weil der Beitrag an die B&B Schweiz relativ hoch ist, wird das Angebot Loosers nur via Toggenburg Tourismus (siehe Kasten) angeboten. Ausserdem sei die Mund-zu-Mund-Werbung die beste und für sie völlig ausreichend.