Glanz und Gloria ade

Jetzt ist sie also auch in Innerrhoden offiziell vorbei: die Zeit der Christbäume in den Stuben. Nein, Frau Manser hat während den Festtagen nicht zu viel Weihrauch inhaliert oder Kirschstengeli konsumiert.

Rosalie Manser
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Bild: Rosalie Manser

Bild: Rosalie Manser

Jetzt ist sie also auch in Innerrhoden offiziell vorbei: die Zeit der Christbäume in den Stuben. Nein, Frau Manser hat während den Festtagen nicht zu viel Weihrauch inhaliert oder Kirschstengeli konsumiert. Es ist tatsächlich so, dass in unseren Breitengraden die Tanne im Wohnzimmer erst nach dem 20. Januar ausgedient hat. Dann nämlich, wenn der «Baschtiaa» gefeiert wurde. Will heissen, wenn das Dorf Brülisau seinem Kirchenpatron, dem heiligen Sankt Sebastian, gehuldigt hat. Bis zu diesem Tag rieselt es in manchen Innerrhoder Häusern jedes Jahr leise vor sich hin. Und manche Exemplare hätten eigentlich «di beschte Berre» schon lange vor dem 20. Jenner «gschöttlet» und legen ihr Nadelkleid in den überhitzten Stuben in nudistischer Manier ab. Nichtsdestotrotz haben die meisten Besitzer der Tannenbäume kein Einsehen und saugen in stoischer Gelassenheit lieber jeden Tag einen grünen Nadelteppich zusammen, als dass sie den Baum vor dem «Baschtiaa» von seinen Qualen erlösen. Gut, ich muss gestehen, ich habe mich auch dieses Jahr nicht an die Regel des Oberdorfs (so wird Brülisau auch genannt) gehalten und den Baum bereits nach dem 6. Januar eliminiert. Dies zum Leidwesen von unserem Ältesten, der es schade findet, dass nun alles wieder «normal» ist. Und als ich so die Kugeln und Krippenfiguren im Estrich verstaute, kam auch bei mir ein wenig Wehmut auf. Glanz, Licht und Glitzer fristen nun wieder ein kümmerliches Dasein in Schachteln verpackt und der Alltag kehrt ein. Mutti beginnt sich zu fragen, mit was sie nun das Haus dekorieren soll, denn der Frühling ist noch weit – schliesslich besagt eine Bauernregel: «An Sebastian fängt der rechte Winter an». Bleibt noch das Dekorationsmotto «Fasnacht», aber Konfetti an die Fenster zu kleben, widerstrebt der Hausfrau, weil diese Dinger ganz fiese Spuren auf Glas hinterlassen. Da wäre die Tradition mit dem Christbaum bis zum 20. Januar eigentlich gar keine so schlechte Lösung, um noch ein paar Tage länger etwas Glamour in den eigenen vier Wänden zu konservieren. Vielleicht greife ich die «Baschtiaa»-Tradition nächstes Jahr auf, denn die Normalität hält mit oder ohne ihn jeweils viel zu früh Einzug.