«Giggerig»

Speerspitz

Ruben Schönenberger
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Gerade einmal 13 Jahre war ich alt, als das erste grosse Interview meiner Journalistenkarriere anstand. Polo Hofer gewährte 1999 einem Freund und mir im Vorfeld seines Auftritts am Open Air Tufertschwil einen kurzen Termin. Wir hatten gerade die Chefredaktion der «Heiss-Cool Taims» übernommen. So hiess die Schülerzeitung der Oberstufe Lerchenfeld in Kirchberg. Im Untertitel: «The Churchmountain Highschool Times».

Trotz unserer Position an der Spitze dieses in hundertfacher Ausführung erscheinenden Blattes, das Interview mit Polo Hofer sollte uns ziemlich überfordern. «Polo national» verspürte offenbar keine Lust, sich gegenüber den Nachwuchsjournalisten etwas kulant zu zeigen. Auf unsere Frage, ob er mit seinen Liedern denn etwas Spezielles vermitteln wollte, meinte er nur, dass die Lieder für sich selbst sprächen. Wenn er sie erklären müsse, hätte er was falsch gemacht. Dem etwas schwierigen Gesprächsverlauf ungeachtet führten wir das Interview fort und freuten uns über den Coup für die kleine Schülerzeitung, in der später übrigens auch noch die Walliser Sängerin Sina mit einem Interview präsent sein sollte.

Natürlich wohnten wir auch dem anschliessenden Konzert von Polo Hofer bei, fast ganz vorne an der Bühne. Rund um uns viele Fans, die immer wieder nach bestimmten Songs verlangten. Wir kannten davon nur wenige. «Alperose» war uns natürlich ein Begriff. Warum ein weiblicher Fan aber fortwährend «Giggerig» schrie, entzog sich uns völlig. Das entsprechende Lied hiess in unseren Köpfen wohl sowieso «Dududu» oder so. Polo Hofer antwortete dem Fan aber irgendwann tatsächlich. Es sei doch hier gar nicht Saison. Das entlockte uns bestenfalls ein Schulterzucken.

Als vor wenigen Tagen die Nachricht von Hofers Tod die Runde machte, suchte ich die alte Ausgabe der «Heiss-Cool Taims» nochmal hervor, die dank meiner Mutter tatsächlich noch in meinem Besitz ist. Bei der erneuten Lektüre erinnerte ich mich natürlich wieder an diesen Tag im Jahr 1999. Warum die eine Frau so oft «Giggerig» schrie, kann ich mir heute eher erklären. Allerdings bleiben prinzipiell zwei Möglichkeiten denkbar.

Ruben Schönenberger

ruben.schoenenberger@

toggenburgmedien.ch