Gibt es doch Leben im Weltall?

Hanspeter Steidle
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Astronomie Die Astronomen wissen, dass viele Moleküle, die unser Leben ermöglichen, bereits im Weltall gefunden wurden. Da wurden unter anderem verschiedene Aminosäuren und andere, organische und anorganische Moleküle in Gaswolken gefunden, die auf der Erde beim Aufbau von Organismen essenziell sind. Vor 400 Jahren mutmasste der Jesuit Giordano Bruno, dass es im Weltall Leben geben müsse. Er bezahlte diese Vermutung, zusammen mit andern «Häresien», die er geäussert hatte, mit dem Leben. Heute ist es kaum mehr eine Frage, ob Leben im Weltall existiert, sondern nur noch die Frage wo und unter welchen Bedingungen. Die Astrobiologie befasst sich unter anderem mit ausserirdischem Leben. Man weiss, wie nach extraterrestrischem Leben gesucht werden muss. Es ist gut möglich, dass man bald einmal Spuren von Leben entdecken wird, vielleicht noch in unserem Sonnensystem. Vor ca. sechs Jahren entdeckte man dank der Sonde Cassini, dass auf dem Jupitermond Europa Ozeane unter der Oberfläche existieren. Der Mond Europa ist ein Eismond, das heisst die Oberfläche besteht aus Eis. Unter dem Eispanzer wird ein Ozean mit flüssigem Wasser vermutet. Auf dem Saturnmond Enceladus, der ähnlich zusammengesetzt ist wie der Jupitermond Europa, konnte die Cassini-Sonde sogar Geysire fotografieren. Hydrothermale Quellen sind die Ursache solcher Wasserfontänen. Also hat der Mond Enceladus einen warmen Kern. Für die Entstehung von Leben ist die Energiezufuhr in irgendeiner Form zwingend erforderlich. Nun hat man in den Fontänen auf Enceladus molekularen Wasserstoff entdeckt. Dieser Wasserstoff entsteht in hydrothermalen Quellen. Auch Kohlendioxid sowie Methanspuren wurden entdeckt. Es gibt Mikroben, welche aus Wasserstoff und Kohlendioxid Methan erzeugen. Deshalb besteht eine wenn auch winzige Möglichkeit, dass Enceladus in seinen Ozeanen Mikroben oder andere Kleinlebewesen beherbergt. Zum Vergleich: In den sonnenlichtlosen Tiefen der Erdozeane tummelt sich vielfältiges Leben, vor allem um die sogenannten schwarzen Raucher herum. Das sind Orte auf dem Meeresgrund, wo flüssige Lava aus dem Erdinnern ins Meerwasser strömt. Um diese Ströme bilden sich Schlunde, und die dort gefundenen Lebewesen beziehen ihre Energie aus der Wärme, welche aus den Schlunden hervorströmt. Die Mineralien fällen in Form von schwarzem Rauch aus, wenn sie ins kalte Meerwasser gelangen. Ähnlich kann man sich auch die Entstehung von Leben in den Tiefen von Ozeanen der Monde Enceladus beim Saturn und Europa beim Jupiter vorstellen. Beweise für wirkliches Leben auf den beiden Monden gibt es noch keine. Die bisherigen Meldungen in den Medien auf wahrscheinliches Leben auf Enceladus sind sicher noch verfrüht.

Hanspeter Steidle

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