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Gibt es bald eine Walliser Klasse an der Kanti Trogen? Der Schüleraustausch zwischen Trogen und Sion soll ausgebaut werden

Seit drei Jahren bietet die Kantonsschule Trogen für die 4. Klassen ein Schüleraustauschprojekt mit dem Lycée-Collège de la Planta in Sion an. Jetzt will man diesen Austausch ausbauen. 2020 könnte es in Trogen eine ganze Klasse mit Walliser Schülern geben.
Claudio Weder, Gwendoline Flückiger
«Ein Schüleraustausch ist für die Teilnehmenden immer auch ein kulturell-emotionaler Gewinn», sagt Marc Kummer, Rektor der Kantonsschule Trogen. (Bild: Alessia Pagani)

«Ein Schüleraustausch ist für die Teilnehmenden immer auch ein kulturell-emotionaler Gewinn», sagt Marc Kummer, Rektor der Kantonsschule Trogen. (Bild: Alessia Pagani)

«Je früher man eine Sprache lernt, desto besser», lautet eine bildungspolitische Devise. Gestützt wird diese Behauptung mit Erkenntnissen aus der Spracherwerbsforschung: Jüngere Lernende verfügen über Fähigkeiten, unbewusst Sprache zu erwerben und zu speichern, sofern sie diese regelmässig hören. Derart gespeicherte Sprachkenntnisse würden später automatisch zur Verfügung stehen. Ebenso würde der frühe Beginn die Lerndauer sowie die Motivation des Lernens erhöhen.

«Es gibt demgegenüber aber auch Studien, welche die These stützen, dass sich die beste Wirkung beim Erlernen einer Sprache dann zeigt, wenn man sich über einen längeren Zeitraum in einem entsprechenden Sprachgebiet aufhält», sagt Marc Kummer, Rektor der Kanti Trogen. Er verweist dazu auf eine Studie der Universität Salzburg. Es komme also nicht so sehr auf den Zeitpunkt des Spracherwerbs an, sondern auf dessen Intensität.

Basierend auf diesen positiven Effekten von Sprachaufenthalten im Zusammenhang mit dem Fremdsprachenerwerb haben viele Schulen ein entsprechendes Austauschprogramm in ihr Angebot aufgenommen. So auch die Kanti Trogen. Seit dem Schuljahr 2015/16 bietet sie Schülerinnen und Schülern an, das 4. Gymnasialjahr am Collège-Lycée de la Planta in Sion statt in Trogen zu absolvieren.

Ausbau auf 2020 geplant

Aufgrund der positiven Rückmeldungen, die die Schule erhalten habe, steht nun die Frage im Raum, das gegenseitige Austauschprojekt der beiden Kantonsschulen auf 2020 auszubauen. Für Trogen besteht die Idee, eine ganze Klasse aufzunehmen, welche nur aus Walliser Schülern besteht, wie Francis Rossier, der Rektor des Lycée-Collège de la Planta, auf Anfrage hin bekannt gab. Die Lernenden würden dabei dasselbe Programm wie im Wallis befolgen. Nur: Der Unterricht wäre auf Deutsch. Die Fächer Sport, Zeichnen, Musik sowie das Schwerpunktfach würden die Walliser Schüler gemeinsam mit ihren appenzellischen Kommilitonen besuchen.

Damit dies funktionieren kann, wären rund 18 Schülerinnen und Schüler nötig, welche bereit sind, für ein Jahr nach Sion respektive nach Trogen zu gehen; im vergangenen Schuljahr waren es nur halb so viele. «Das Schwierige sei, noch mehr Jugendliche für eine Teilnahme zu motivieren», sagt Rossier. Viele hätten Angst, durch den Austausch ein Jahr zu verlieren. Dies sei jedoch unbegründet: «Im Gegensatz zu einem Sprachaustausch im Ausland verlieren die Teilnehmenden an unserem Austauschprojekt kein ganzes Jahr; sie steigen nach ihrer Rückkehr direkt in die 5. Klasse (Trogen) respektive 4. Klasse (Sion) ein», sagt Kummer.

Hinzu komme, dass der Austausch nicht nur für sprachliche Spitzenschüler geeignet sei: «Immer öfter nehmen Jugendliche teil, die nicht so sattelfest in der französischen Sprache sind – und gerade deshalb ihre Fähigkeiten verbessern wollen.» Letztlich sei es auch eine Herausforderung, die Überproportionalität zu managen, sagt Marc Kummer. Denn der Lycée-Collège de la Planta ist dreimal so gross wie die Kantonsschule Trogen. Für die Kanti Trogen sei es daher noch etwas schwieriger, genügend Jugendliche wie auch Gasteltern zu finden.

Trogen und Sion haben vieles gemeinsam

Zustande gekommen ist die Zusammenarbeit mit dem Walliser Gymnasium laut Rektor Marc Kummer aufgrund von persönlichen Beziehungen: «Mein Vorgänger, Michael Zurwerra, war ein Walliser – er brachte die Verbindungen zu Sion ins Spiel.» Da das Wallis ein zweisprachiger Kanton ist, sei es einerseits gerade für die Walliser Schüler wichtig, die deutsche Sprache zu beherrschen. «Gerade auch deshalb, da bekannt ist, dass viele Walliser früher oder später in die Deutschschweiz gehen, um zu arbeiten oder zu studieren.»

Weil auch die Kanti Trogen die Mehrsprachigkeit fördern will, hat sie vor drei Jahren das «Echange»-Projekt ins Leben gerufen. Der Austausch dauert in der Regel ein Schuljahr und wird so organisiert, dass die Familie während dieser Zeit einen Gastschüler aus der Familie aufnimmt, in der ihr Kind während des Austauschjahres wohnt.

Vom Austausch können die Schülerinnen und Schüler in verschiedener Hinsicht profitieren – nicht nur im Sinne des technischen Spracherwerbs. Es sei auch ein kulturell-emotionaler Gewinn, wie Rektor Marc Kummer betont: «Wem die Sprache nützt, und wer erkennt, dass er mit der Sprache etwas in seinem Umfeld bewirken kann, der lernt sie besser. Und ist motivierter.» Es spielen also immer auch zwischenmenschliche Elemente eine Rolle. «Vielfach entstehen während eines Schüleraustauschs Freundschaften, die auch über den Austausch hinaus bestehen bleiben», sagt Kummer. Zudem würden die Schüler lernen, selbstständig zu sein, und sie erfahren, was es heisst, an einem Ort fremd zu sein und wie man mit diesem Fremdsein umgeht. Auch die beiden Gymnasien hätten sich mittlerweile angefreundet.

Nichtsdestotrotz fordert der Austausch den Schülern einiges ab. «Vor allem am Anfang sei es für die Lernenden eine Herausforderung, dem Unterricht zu folgen – und das nicht nur aufgrund von sprachlichen Barrieren. Denn nicht in jedem Fach sind die Kanti Trogen und die Kanti Sion auf dem gleichen fachlichen Stand. In dieser Hinsicht müssen wir uns fragen, wie wir die Schüler in Zukunft noch besser begleiten können.»

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