Gewerbler blicken hinter Kliniktüren

GANTERSCHWIL. Die Mitglieder des Gewerbevereins Bütschwil erhielten am Mittwoch nach der Hauptversammlung und dem Geniessen des Brunchs die Gelegenheit, einen Blick hinter die Türen der Klinik Sonnenhof in Ganterschwil zu werfen. Und sie waren überrascht, wie kurz die Aufenthaltsdauer ist.

Beatrice Bollhalder
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Stationsleiterin Karin Erni (links) und Benno Walser (Dritter von links) führten die Besucher durch die verschiedenen Räume der Klinik. (Bild: Beatrice Bollhalder)

Stationsleiterin Karin Erni (links) und Benno Walser (Dritter von links) führten die Besucher durch die verschiedenen Räume der Klinik. (Bild: Beatrice Bollhalder)

Vor 97 Jahren ist in Ganterschwil in einer umgebauten Stickerei ein Waisenhaus eröffnet worden. Und zwar genau in jenem Gebäude, in dem heute die Verwaltung der Klinik Sonnenhof untergebracht ist. In den vergangenen Jahrzehnten ist viel geschehen und heute steht dort eines der modernsten Kinder- und Jugendpsychiatrischen Zentren der Schweiz. 38 Betten stehen im dreigeschossigen, vor sechs Jahren eröffneten Gebäude, zur Verfügung. 36 davon sind derzeit belegt.

Aufenthaltsdauer rückläufig

Insgesamt stehen in der Klinik Sonnenhof über 100 Mitarbeitende im Einsatz, damit die Kinder und Jugendlichen zwischen sieben und 18 Jahren ihre Krise überwinden können. Natalia Kunz, die leitende Psychologin liess die gespannt zuhörenden Besucher wissen, dass die Anzahl der Patienten immer weiter nach oben klettere, die durchschnittliche Aufenthaltsdauer aber stark rückläufig sei. So zeigt die Statistik, dass im Jahr 1997 ein durchschnittlicher Aufenthalt noch 18 Monate dauerte, ein Patient heute aber im Schnitt nur noch 2,5 Monate in der Klinik Sonnenhof stationiert ist. Die Warteliste, auf der zurzeit 40 Namen stehen, mache es den Verantwortlichen nicht gerade leicht, erklärte Kunz. Es sei schwierig allen gerecht zu werden, denn solche Aufenthalte sind mit Kosten verbunden und die Kostenträger logischerweise darauf bedacht, dass ein Klinikaufenthalt möglichst kurz gehalten wird. Immer wieder kommen Notfälle dazu, so dass schon einmal 41 Patienten zu betreuen sind. «Aber dann kommen wir an den Anschlag», erklärt die Psychologin.

Unter der Führung von Stationsleiterin Karin Erni können die Gewerbetreibenden einen Blick hinter die Stationstüren werfen. Sie erfahren, wie der Alltag für die Patienten aussieht. Diese werden in Gruppen zu sechs bis sieben Kindern und Jugendlichen eingeteilt. Genau wie es in einer Familie sein sollte, bestimmen auch hier die Mahlzeiten den Tagesablauf. Nach vorgegebenen Strukturen wird wie in einer Familie gelebt. Sie übernehmen auch Ämtli. «Viele unserer ehemaligen Schützlinge sieht man am Basar wieder. Dann erzählen sie, dass eben diese Strukturen sie im Leben weiter gebracht hätten. Und dies obwohl sie ihnen nicht zugesagt haben, als sie noch im Sonnenhof lebten», bemerkte Natalia Kunz.

Interner Schulbesuch

Damit die Kinder während ihrer Aufenthaltes im schulischen Bereich nicht ins Hintertreffen geraten, können sie intern eine Schule, in der zehn Lehrkräfte tätig sind, besuchen. Schulleiter Benno Walser wusste aus den 15 Jahren in denen er dieses Amt versieht, einiges zu erzählen. Wenn die Kinder innerhalb der Klinik wieder Fuss gefasst haben, sucht Walser den Kontakt mit der Primarschule Ganterschwil oder der Oberstufe in Bütschwil. Dort werden die Kinder während einer Woche einer Belastungsprobe unterzogen.