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Gewerbe steht hinter Naturpark

Im Rahmen des Gwerblerzmittags des Gewerbevereins Neckertal kreuzten Gegner und Befürworter des Projekts Naturpark Neckertal an einem Podium erstmals öffentlich die Klingen. An einer Konsultativabstimmung sprachen sich schliesslich vier von fünf Gwerblern für das Projekt aus.
Urs M. Hemm
Gegner und Befürworter des Naturparks an einem Tisch: Ernst Giezendanner (kontra), Ruedi Lieberherr (kontra), Adrian Steiner (neutral), Walter Fischbacher (pro), Maja Meyer-Böhm (pro) und Matthias Schelling (pro) (von links). Stehend: Moderator Patrick Hartmann. (Bild: Urs M. Hemm)

Gegner und Befürworter des Naturparks an einem Tisch: Ernst Giezendanner (kontra), Ruedi Lieberherr (kontra), Adrian Steiner (neutral), Walter Fischbacher (pro), Maja Meyer-Böhm (pro) und Matthias Schelling (pro) (von links). Stehend: Moderator Patrick Hartmann. (Bild: Urs M. Hemm)

HEMBERG. Ein voller Parkplatz vor dem Volg, alle Plätze vor dem Gemeindehaus besetzt, sogar am Strassenrand vor der Kirche und vor der Dorfbibliothek wurden Autos parkiert – das Programm des diesjährigen Gwerblerzmittags des Gewerbevereins Neckertal schien auf grosses Interesse zu stossen. Daniel Müller, Präsident des Gewerbevereins Neckertal, und seine Vorstandskollegen hatten eine Podiumsrunde zum Thema Regionaler Natur Neckertal eingeladen. Rund 50 Gewerbetreibende folgten am Freitagmittag der engagierten Diskussion im «Löwen» Hemberg.

Erstmals öffentlich

«Über den Naturpark Neckertal ist zwar schon einiges bekannt, die Gegner des Projekts haben sich aber bisher sehr bedeckt gehalten», sagte Daniel Müller. Nachdem jedoch vermehrt kritische Stimmen aufgetaucht waren, sei es nun an der Zeit, dass auch diese sich einmal öffentlich und nicht nur im halb Verborgenen äussern würden. Für das Podiumsgespräch konnten schliesslich für das Lager der Projektgegner Ruedi Lieberherr, Landwirt aus Brunnadern, und Ernst Giezendanner von der Giezendanner Holzbau AG in St. Peterzell gewonnen werden. Auf der Seite der Befürworter diskutierten Maja Meyer-Böhm, m. m. b. Marketing und Kommunikation, Mogelsberg, Walter Fischbacher, Gemeindepräsident von Hemberg und Vorstandsmitglied des Vereins Regionaler Naturpark Neckertal, sowie Matthias Schelling von der Hörnli Bäckerei-Konditorei, Café und Restaurant in Hemberg. Zur Beantwortung themenspezifischer Fragen war Adrian Steiner, Geschäftsführer des Vereins Regionaler Naturpark Neckertal, geladen, der vor der Diskussionsrunde in einem kurzen Referat noch einmal den Grundgedanken, die Eckpunkte und Zielsetzungen des Projekts vorstellte. Das Gespräch wurde von Patrick Hartmann, Vizepräsident des Gewerbevereins Neckertal, geleitet.

In seiner Einführung betonte Patrick Hartmann, selbst im erweiterten Vorstand des Vereins Regionaler Naturpark Neckertal, die wichtige Rolle, die das Gewerbe im Naturpark einnehme. «Wir vom Vorstand des Gewerbeverbandes glaubten, dass die Meinung im Gewerbe über den Naturpark einhellig positiv sein müsste. Wir mussten aber feststellen, dass es doch nicht so einfach ist.» Umso wichtiger sei es, die Diskussion im grossen Kreis einmal öffentlich zu führen, um «den Puls spüren zu können».

Zeit und Geld vergeudet

In einer Vorstellungsrunde bekräftigten alle Podiumsteilnehmer ihre Verwurzelung im Neckertal. Einige nutzten die Gelegenheit und stiegen bereits argumentativ in die Diskussion ein. So bezog beispielsweise Ernst Giezendanner schon in seinem ersten Votum klar Stellung: «Wir brauchen wieder mehr Wachstum im Neckertal. Aber das müssen wir aus eigener Kraft schaffen. Es bringt nichts, wenn wir unsere Zeit vergeuden, Geld verbraten und etwas nachbauen, das es bereits fünfzehnmal in der Schweiz gibt.» Matthias Schelling hob die Bedeutung der Tagestouristen für sein Geschäft hervor. «Ich weiss nicht, ob unsere Bäckerei – trotz der treuen Stammkundschaft – ohne die Tagestouristen noch überleben könnte.» Mit dem Naturpark werde in der ganzen Schweiz Werbung fürs Neckertal gemacht, indem die Marke «Neckertal» geschaffen wird. Dies werde mehr Touristen ins Tal bringen und so Einkommen fürs Gewerbe generieren. «Die Appenzeller haben es uns mit der Marke <Appenzellerland> vorgemacht und haben grossen Erfolg damit.»

Ein Gegner des Naturpark ist Landwirt Ruedi Lieberherr. «Die Initiative für Naturpärke wurde damals vom Verein Pro Natura gestartet, der bekanntlich der grösste Wirtschaftsverhinderer in der Schweiz ist. Und so habe Pro Natura auch Pläne, was mit den Naturpärken geschehen soll», sagte er, liess jedoch offen, was diese Pläne genau beinhalten. Ruedi Lieberherr sei Sprecher der IG Stop Naturpark Neckertal, eine Vereinigung, die jedoch bisher kaum in Erscheinung getreten ist, fügte Patrick Hartmann an. Auf dessen Nachfrage erläuterte Lieberherr, dass diese Vereinigung den Naturpark verhindern wolle, weil die Mitglieder davon überzeugt sind, dass es immer mehr Einschränkungen und Vorschriften geben werde. «Wir wissen, dass es im Naturpark nicht so bleiben wird. Pro Natura wird Polizist und Anwalt der Umwelt sein.» Adrian Steiner bestätigte die anfängliche Rolle von Pro Natura, bezweifelt aber den politischen Einfluss des Vereins. «Die Ausgestaltung von Gesetzten und Verordnungen ist in Händen von Bund und Kanton und letztlich des Bürgers und nicht von Pro Natura. Ernst Giezendanner konterte, dass es genügend Bespiele dafür gebe, dass Gesetze, die einst vom Volk angenommen wurden, zwischenzeitlich gar nicht mehr dem entsprechen, was ursprünglich beabsichtigt war. Zudem werde der Perimeter des Naturparks in der kantonalen Richtplanung geführt werden, was zu zusätzlichen Einschränkungen während und über den geplanten Zeitraum von vorerst zehn Jahren führen werde. «Gemäss Natur und Heimatschutzgesetz und der darauf basierenden Pärkeverordnung kann der Bundesrat bestehende Gesetze ändern, was zu Problemen, beispielsweise bei neuen Einzonungen führen wird», so Giezendanner. Ohnehin gehe es in diesem Gesetz nur um den Schutz der Natur, die Wirtschaft werde mit keinem Wort erwähnt.

Keine neuen Einschränkungen

Bereits der Vertragsentwurf, über den am 30. November die Bürgerinnen und Bürger zu befinden haben, sehe vor, dass ein Partner bei wichtigen Änderungen aussteigen kann, konterte Walter Fischbacher. «Zudem können die Spielregeln eines unterzeichneten Vertrages nicht einfach während dessen Laufzeit einseitig geändert werden. Wenn die Regeln geändert würden, gelten die für neue Kandidaten, nicht aber für uns.» Bezüglich der Rolle der Wirtschaft in Naturpärken habe er kürzlich einen Artikel in der Presse gelesen, worin sich ein Journalist darüber beschwerte, dass die Subventionen für Naturpärke eigentlich versteckte Wirtschaftsförderung sei. «Da bin ich mit ihm völlig einig. Denn Naturpärke entstehen nur in Regionen, die wirtschaftlich schwach sind, die nicht in der Peripherie von Wirtschaftszentren ihr Geld machen können.» Zudem sagte er: «Ich mag nichts mehr von angeblich neuen Vorschriften hören. Der Naturpark hat weder das Recht noch die Möglichkeit irgendetwas einzuschränken. Einschränkend sind die Schutzverordnungen, denen aber alle Gemeinden zu folgen haben. Kein Jäger, kein Pilzsammler muss Angst haben, dass er irgendwelche neue Vorschriften befolgen muss.»

Doch auch diese Votum überzeugte die Gegner nicht. «Es wird neue Vorschriften geben. Wenn in der Vergangenheit irgendein neues Gesetz angenommen wurde, wurde es immer schlechter, nie besser» so Giezendanner. Maja Meyer-Böhm sieht im Naturpark-Projekt grosse Chancen für die Wirtschaft. «In einer Region, der es wirtschaftlich nicht gut geht, müssen wir Unternehmer den Mut haben ein Risiko einzugehen.» Jeder Unternehmer habe schon einmal weiterreichende Entscheidungen gefällt, von denen er aber nicht nach zehn Jahren ohne Folgen zurücktreten könne, beispielsweise bei der Wahl des Standorts für sein Unternehmen. Bereits der Nationale Wandertag habe Wirkung gezeigt. «Aber was <Die Schweizer Familie> damals alleine in die Werbung steckte, könnten wir Gwerbler alle zusammen uns niemals leisten.» Mit dem Naturpark hätten wir zehn Jahre Zeit, alle an einem Strang zu ziehen, ohne dass es allzu viel kosten würde. Es habe schon etliche Versuche gegeben, das Tal wieder auf die Beine zu bringen. Doch alle seien nach kurzer Zeit wegen des Geldes irgendwann wieder aufgegeben worden. «Es wäre nicht gescheit von uns, diese Möglichkeit und das Geld, das für zehn Jahre versprochen ist, nicht zu nutzen, zumal es keine Alternativen gibt.»

Zustimmung der Gwerbler

In der Schlussrunde betonte Ernst Giezendanner, dass der Naturpark das falsche Instrument sei, wirtschaftlich dem Neckertal zu helfen. «Wir müssen es selber richten und uns nicht den Vorschriften anderer unterwerfen.» Ähnlich argumentiert Ruedi Lieberherr: «Der Naturpark wird auch nach zehn Jahren in der Richtplanung verbleiben und nur zu weiteren Einschränkungen führen», sagte er. «Jeder hier profitiert direkt oder indirekt vom Naturpark. Es ist immer einfach, zu etwas Nein zu sagen. Doch wird dies schwierig, wenn man dann keinen alternativen Vorschlag präsentieren kann», sagte etwa Matthias Schelling auf der Befürworterseite, die sich einig ist, dass das Neckertal mit dem Naturpark nur gewinnen kann, zumal jederzeit die Möglichkeit besteht, auszusteigen.

Der Grossteil der anwesenden Unternehmer folgte dieser Argumentation. An einer Konsultativabstimmung sprachen sich vier Fünftel der Anwesenden für das Projekt aus.

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