Gewerbe nominiert Ruedi Eberle

Der kantonale Gewerbeverband Innerrhodens spricht sich für Grossrat Ruedi Eberle als Nachfolger von Landeshauptmann Lorenz Koller aus. Die Initiative «Wohnen für alle» stösst auf breite Ablehnung.

Michael Genova
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Ruedi Eberle erhält die Unterstützung des kantonalen Gewerbeverbands, Stefan Müller ist offizieller Kandidat des Innerrhoder Bauernverbands. (Bild: mge)

Ruedi Eberle erhält die Unterstützung des kantonalen Gewerbeverbands, Stefan Müller ist offizieller Kandidat des Innerrhoder Bauernverbands. (Bild: mge)

APPENZELL. Für Ruedi Eberle war es ein Heimspiel. Der Grossrat und regierende Hauptmann von Gonten ist Mitglied des Kantonalen Gewerbeverbands AI (KGV) und stellte sich am Freitagabend an der Landsgemeindeversammlung vor seinen Leuten vor. Anwesend war auch Konkurrent Stefan Müller, den der Bauernverband am Montag nominiert hatte. Eberle und Müller bewerben sich für die Nachfolge von Landeshauptmann Lorenz Koller, der das Innerrhoder Land- und Forstwirtschaftsdepartement führt. Die Mitglieder nominierten mit deutlicher Mehrheit Ruedi Eberle als Nachfolger von Koller. Allerdings stand Stefan Müller verbandsintern gar nicht zur Wahl, da der Gewerbeverband traditionellerweise nur Mitglieder nominiert.

Kein Angriff auf bäuerlichen Sitz

Im Anschluss an eine kurze Vorstellungsrunde führte Gewerbepräsident Albert Manser mit den beiden Kandidaten ein Interview. Für die Leitung des Land- und Forstwirtschaftsdepartements sehen sich beide Kandidaten gut gerüstet. Ruedi Eberle verwies auf seine Führungserfahrung als Geschäftsführer des Golfplatzes Gonten, wo er 20 Mitarbeiter beschäftigt. Stefan Müller sagte, dass er als landwirtschaftlicher Berater Einblick in die Leitung des Land- und Forstwirtschaftsdepartements habe. Dieses beschäftigt zehn Mitarbeiter.

In seinem Schlussplädoyer sagte Ruedi Eberle, dass er als aktiver Politiker gerne in der Standeskommission mitarbeiten würde. Er sieht sich in der Landwirtschaft verwurzelt, wo er bis zum 30. Lebensjahr gearbeitet habe. Ausserdem wisse er, wie man ein Unternehmen aufbaue, Stefan Müller wies auf sein landwirtschaftliches Fachwissen hin. Das Amt des Landeshauptmanns solle auch in Zukunft ein bäuerlicher Sitz bleiben. Müller zeigte sich überzeugt, dass er eine Wahl in die Standeskommission zeitlich gut mit seinem landwirtschaftlichen Betrieb vereinbaren könnte.

Zur Kandidatur von Ruedi Eberle sagte Gewerbepräsident Albert Manser: «Wir wollen den Bauern keineswegs den Sitz streitig machen und durch einen Gewerbler ersetzen.» Er sei überzeugt, dass Eberle dank seiner Ausbildung als Meisterlandwirt und seiner unternehmerischen Tätigkeit die Innerrhoder Bauern auf dem schwierigen Weg des Strukturwandels weiterbringen könne.

Gegen Wohnbau-Initiative

Mitglieder der Standeskommission stellten die Sachgeschäfte der Landsgemeinde vor – sie waren alle unbestritten. Deutlich war die Ablehnung gegenüber der Einzelinitiative «Wohnen für alle» von SP-Präsident Martin Pfister. Landammann Daniel Fässler stellte die Vorlage vor und erläuterte die Haltung der Standeskommission dazu. Das Thema sei wichtig, die Umsetzung in der Form einer Genossenschaft passe jedoch nicht zu Innerrhoden, sagte Fässler. Das Initiativkomitee fordert, dass Kanton und Bezirke eine Genossenschaft betreiben, um den Anteil bezahlbarer Mietwohnungen zu erhöhen. Zudem soll sich der Kanton für gute Durchmischung der Wohnbevölkerung einsetzen. Dazu Fässler: «Eine staatlich verordnete Vermischung verletzt die Eigentumsgarantie.» Auch Stefan Müller sprach sich gegen die Initiative aus. Gewisse Ansätze gingen jedoch in eine gute Richtung, sagte er. «Familien sollen sich hier noch ein Haus leisten können.» Auch Ruedi Eberle ist dagegen, dass sich der Kanton in den Immobilienmarkt einmischt. Gonten habe von der jüngsten Entwicklung profitiert. «Leute haben sich in unserem Aussenbezirk angesiedelt.»

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