GEWÄSSER: Sitter verbindet und trennt zugleich

Sie ist der Klassiker auf der Suche nach verbindenden Elementen zwischen den beiden Appenzeller Kantonen: Die Sitter. Der Fluss prägte auch die politischen Strukturen. Für Witze am Unterlauf der Sitter sorgten einst die Innerrhoder Flösser.

Roger Fuchs
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Die Sitter schlängelt sich durch vier Kantone. An der fotografierten Stelle zwischen Stein und Haslen bildet der Fluss auch die Kantonsgrenze. (Bild: Roger Fuchs)

Die Sitter schlängelt sich durch vier Kantone. An der fotografierten Stelle zwischen Stein und Haslen bildet der Fluss auch die Kantonsgrenze. (Bild: Roger Fuchs)

Roger Fuchs

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@appenzellerzeitung.ch

Sie ist rund fünfzig Kilometer lang und startet im Alpstein. Ihr Bachbett lenkt sie durch die Kantone Appenzell Innerrhoden, Ausserrhoden, St. Gallen und Thurgau. Doch so verbindend die Sitter wirkt, so trennend ist sie auch. Unter anderem bildet sie die Grenze zwischen dem innerrhodischen Haslen und dem ausserrhodischen Stein. Blickt man in die Geschichte zurück, so hatte die Sitter prägenden Einfluss auf die politischen Strukturen. Als in Ausserrhoden der Gemeinde Trogen Rathaus, Stock und Galgen zugesichert wurden, entwickelten sich Feindseligkeiten zwischen den Landesteilen östlich und westlich der Sitter. Verkürzt berichtet: Niederschlag fanden diese in einer Art Zweigliederung. Und so trat die Landsgemeinde bis zu ihrer Abschaffung im Jahre 1997 jährlich abwechselnd in Trogen und in Hundwil zusammen.

Zurück zur Gegenwart: Nach wie vor schreibt die Sitter immer wieder einmal Schlagzeilen – beispielsweise dann, wenn sie Hochwasser führt, wenn sie grün eingefärbt wird, um den Fischbestand zu untersuchen oder beim alljährlichen Flossrennen. Dass die Innerrhoder heute das Wasser ungehindert durchfliessen lassen, ist nicht selbstverständlich. Um 1920 war bei der Lank in Appenzell ein Stausee geplant, der aber keine Mehrheit fand. Um 1950 prüfte die Feuerschaugemeinde Appenzell erneut kleinere Kraftwerkprojekte an der Sitter. Diese kamen indes nicht zur Ausführung, da sich Appenzell Innerrhoden 1951 der SAK anschloss, wie der Internetseite «Zeitzeugnisse.ch» entnommen werden kann.

Innerrhodens Flösser sorgten für Witze

Angesprochen auf die Sitter, meint der Innerrhoder Landammann und Historiker Roland Inauen, dass diese heute die Kantone auf eine gute Art verbinde. Überdies gebe es entlang des Flusses viele schöne Badeplätze. Da die Sitter zwischen Schlatt-Haslen und Stein aber auch Grenzfluss sei, zwinge dieser immer wieder zum gemeinsamen Brücken bauen – also zum gemeinsamen Verhandeln und Verträge abschliessen.

Schliesslich weiss der Landammann auch zu erzählen, wie bis um 1930 weit oben am Weissbach, einem der drei Quellbäche der Sitter, jeweils geflösst wurde. Eine Flösserverordnung aus dem Jahre 1877 hatte die Details geregelt. Ein Rechen auf Höhe des Hofs Weissbad sollte das Holz aufhalten. Manchmal schlüpfte dennoch Holz durch, was am Unterlauf der Sitter zu Witzen führte, wonach die Innerrhoder beispielsweise neben Tannenholz auch einmal etwas Buche herunterlassen sollten.