Getanzt wird nach dem Streunen

Der «Streu-Damm-Tanz» – nach dem Mähen der Oberhager Streu – erlebt im Hotel Schönenboden in Wildhaus am Samstag, 20. September, seine Auferstehung. Ganz nach dem Motto Traditionen pflegen, hegen und leben.

Christiana Sutter
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WILDHAUS. Am Tag nach der Entleerung der Alpen wird im Gebiet Sommerigchopf in Wildhaus die Oberhager Streu gemäht. «Aber nie vor dem 15. September oder an einem Sonntag», sagt alt Seewies-Bauer Köbi Giger senior. Das Mähen der Streu ist Tradition. Diese wird bereits seit dem letzten, wenn nicht vorletzten Jahrhundert gelebt.

Geregelter Ablauf des Mähens

Köbi Giger senior erinnert sich: «Punkt sieben Uhr morgens begannen wir in den 1940er-Jahren mit dem Mähen.» Es seien jeweils gegen 80 Bauern dabei gewesen, die von Hand mähten. Wer keine eigene Streu im Oberhag hatte, kam trotzdem vorbei und half den anderen Bauern. «Gesellschaftlich war das jedes Jahr ein Ereignis – egal ob Sonnenschein oder Schneeschauer. Auch die Frauen trugen das ihre bei, «sie durften die Streu zusammenrechen», sagt Giger schmunzelnd. Der Ablauf war – und ist noch immer – genau geregelt (siehe Kasten), «wobei heute nur noch einige Bauern dabei sind», sagt Giger. Heutzutage werde auch nicht mehr von Hand gemäht, «etwa vier Bauern mit ihren Mähmaschinen schneiden die ganze Streu». Köbi Giger senior beginnt zu kichern: «Wenn früher einer zu langsam war mit mähen, wurde er <ausgemäht>.» Das sei für den Betroffenen jeweils peinlich gewesen. «Wäre er nicht aus der Reihe gegangen, hätte dieser möglicherweise die Sense zu spüren bekommen.»

Hosenlupf im Moor

Der alt Seewies-Bauer legt seinen Kopf in die Hände und erzählt mit einem Lächeln: «Einmal hat es so geschneit, dass keiner mehr draussen war.» Nur einer packte seine Handschuhe und ging ins Oberhag zum Mähen, «das war ein ganz <gschaffiger Chnecht>, der immer und überall mitgeholfen hat».

Elsbeth Giger sagt, dass sie sich auch noch gut erinnern könne: «Wir Kinder mussten den Zmittag auf die Weide bringen.» Meistens Ribel. Das sei für die Kinder nicht so einfach gewesen, «in einer <Blache> wurden Behältnisse mit dem Essen gepackt und oben zugebunden». Natürlich habe man schon zum Zmittag den einen oder anderen Schlegel Most getrunken, «vergorenen», sagt der alt Seewies-Bauer. Die heitere Stimmung hatte zur Folge, dass es manchmal zu einem Hosenlupf im Moor kam.

«Streu-Damm-Tanz»

Nach Abschluss des Mähens im Moor und des Viehfütterns auf dem Hof, trafen sich die Bauern und ihre Frauen zum «Streu-Damm-Tanz» im «Schönenboden». Da spielte es keine Rolle, wie müde man von der harten Arbeit war. «Bis in die frühen Morgenstunden wurde getanzt und karisiert», sagt Giger. «Vor allem von den Ledigen.»

Der «Streu-Damm-Tanz», ein gesellschaftlicher Anlass, ist seit Mitte der 1980er-Jahre nicht mehr im Hotel Schönenboden durchgeführt worden. «Auf Anregung einiger junger Bauern wird ab diesem Jahr nach dem <Streunen> wieder getanzt», sagt Barbara Sutter, Wirtin des Hotels Schönenboden. Wobei der Tanz dieses Mal erst am Samstag nach dem Mähen der Oberhager Streu vom Montag, 15. September, im Hotel Schönenboden organisiert wird.

Köbi Giger senior hat eine mögliche Erklärung dafür, dass der Tanz in den 1980er-Jahren ein Ende genommen hat. Er sagt mit einem Schmunzeln, dass es dazumal etwas rauh zu und her gegangen sei, aber ganz genau wisse er es auch nicht mehr. Wobei seine Augen etwas anderes sagten. Ob das heutzutage auch noch so ist wie früher, fragen sich der alt Seewies-Bauer und seine Frau Elsbeth. «Wir werden es am Samstag nach dem Mähen erfahren.»

«Streu-Damm-Tanz»: Samstag, 20. September, 20.30 Uhr. Unterhaltung und Tanz mit dem Ländlertrio Forrer – Dütschler, Hemberg. www.hotel-schoenenboden.ch

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