GESCHWISTERSTREIT: Kinder wollen präsente Eltern

Das Viererteam der Elternbildung der Schule Mosnang begrüsste am Mittwoch rund 30 Eltern zum Vortrag «Geschwister haben sich zum Streiten gern» mit Margrith Lenz.

Cecilia Hess-Lombriser
Drucken
Teilen
Die Referentin Margrith Lenz ist seit 20 Jahren in der Elternbildung tätig. Sie arbeitet gerne auf der Beziehungsebene. (Bild: Cecilia Hess-Lombriser)

Die Referentin Margrith Lenz ist seit 20 Jahren in der Elternbildung tätig. Sie arbeitet gerne auf der Beziehungsebene. (Bild: Cecilia Hess-Lombriser)

Cecilia Hess-Lombriser

redaktion@toggenburgmedien.ch

Der Wiler Verein Mube (mein/unser Beruf Eltern) stärkt Eltern und Familien zugunsten des Kindes. Margrith Lenz hat den Verein mitbegründet, ist dreifache Mutter und mehrfache Grossmutter. Sie weiss um den «wichtigsten Beruf» und setzt sich für die Elternbildung ein. Der Vortrag zum Geschwisterstreit ist ein festes Angebot im Programm des Vereins.

Andrea Gmür von der Elternbildung Mosnang begrüsste die engagierte Referentin und die Eltern – hauptsächlich Mütter – die sich in der Folge selber offen einbrachten. Die Erinnerung an die eigenen Geschwisterstreite und der Austausch darüber in Kleingruppen gehörten zum Konzept des Abends.

Streit- und Beweggründe kennen lernen

«Streit hat eine Berechtigung, und gewisse Konflikte müssen sein», meinte Margrith Lenz. Das Führen und Leiten sei die Arbeit der Eltern, und gerade bei Streitereien seien diese emotional gefordert. Die Beispiele von anwesenden Eltern belegten diese Aussage. Gleich zu Beginn wurden Fragen notiert, die bis zum Schluss beantwortet waren. Die Beteiligung der Eltern und ihre Offenheit, aus ihrem Familienalltag zu erzählen, bereicherte den Bildungsabend. Kinder streiten um ein Spielzeug, um die Aufmerksamkeit der Eltern zu bekommen, aus Eifersucht oder Konkurrenzgefühlen. «Kinder wollen die emotionale Präsenz ihrer Eltern spüren», erklärte die Erziehungsberaterin. «Sie wollen die Auseinandersetzung mit ihrem Umfeld.» Es gelte das Verhalten des Kindes genau zu beobachten, um zu erkennen, was dahinter stecke. Geht es um Positionen, um Stärken und Schwächen? Wollen sie wissen, welche Haltung die Eltern haben? Es sei wichtig, die Streit- und Beweggründe des Kindes kennen zu lernen und sich der eigenen Rolle bewusst zu werden. Buben etwa müssten rammeln, bräuchten den Körperkontakt. Die Eltern seien gefordert, kreative Möglichkeiten dafür zur Verfügung zu stellen. «Ich werde mir wohl bald einen Boxsack kaufen», sagte am Schluss eine Mutter.

Positiv auf Problemverhalten reagieren

Mit einer Sieben-Punkte-Anregungsliste vermittelte Margrith Lenz Lösungsansätze, wie Geschwister begleitet werden können. Welches Problem will das Kind mit einem Geschwisterstreit ansprechen, um was geht es beim Streit, wie verhält sich das Kind, was ist sein Ziel, was will es damit erreichen? sind Fragen, die sich Eltern stellen können. Sie sollen jedoch auch fragen, was sie zum Problemverhalten beitragen, was sie auf die «Palme» bringt.

Die Gefahr dabei ist, dass sie ein bestimmtes Verhalten wie Schreien, Strafen oder Drohen wiederholen. «Wenn Eltern öfter schreien, ist Schreien die Antwort.» Besser wäre zu überlegen, wie sie positiv auf das Problemverhalten des Kindes reagieren könnten. «Kinder suchen immer wieder unser Herz», machte die erfahrene Familienbegleiterin bewusst. «Sie wollen unsere bewusste persönliche Präsenz.» Kinder bräuchten emotionale Nähe, Selbstbewusstsein, klare Regeln und Grenzen. «Regeln und Grenzen geben Geborgenheit.»

Als Eltern emotional neutral bleiben

Eine Streitkultur könne man lernen. Sie brauche Regeln und Strukturen, und die müssten die Eltern vorleben. Hilfreich sei ein Anker, ein Ort, wo jedes Kind hingehen könne, wenn es Streit gebe; ein Ort, den es vielleicht selber einrichte, wo es sich gut fühle. Dabei brauche es keine grossen Worte. Die Körpersprache nütze oft mehr. Eine soziale Sprache und die Toleranz gegenüber schlechten Gefühlen seien ebenfalls hilfreich, und Eltern sollten spüren, wann es richtig sei, sich einzumischen oder den Streit zu ignorieren. «Wir mussten den Streit immer alleine austragen, und das hat uns stark gemacht», hatte ein Vater zuvor geäussert. «Und manchmal ist ein Streit sinnvoll», sagte auch Margrith Lenz.

Hilfreich sei, emotional neutral bei sich zu bleiben. Kleine Streitereien und Schaukämpfe dürften ruhig ignoriert werden, bei körperlichen oder verbalen Misshandlungen müsse jedoch eingeschritten werden und auch, wenn andere Familienmitglieder hineingezogen werden oder wenn es um das immer gleiche Problem gehe, obwohl schon nach Lösungen gesucht worden sei. Auch ein Alters- oder Kräfteunterschied fordere eine Intervention, oder wenn der Streit kein Ende nehme. Es könne nützlich sein, Neutralität in die Situation zu bringen und die Kinder je erzählen zu lassen, wie sie den Streit wahrgenommen haben, und dann sollen sie auch helfen, einen Lösungsansatz zu finden und Regeln aufzustellen.