Geschrei in Australien

In Melbourne stossen seit zwei Wochen junge Menschen männlichen und weiblichen Geschlechts seltsame Laute aus. Es tönt, als würden ihnen ununterbrochen glühende Messer in den Körper gestossen.

Martin Hüsler
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Bild: Martin Hüsler

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In Melbourne stossen seit zwei Wochen junge Menschen männlichen und weiblichen Geschlechts seltsame Laute aus. Es tönt, als würden ihnen ununterbrochen glühende Messer in den Körper gestossen. Die Lautäusserungen erfolgen im Beisein von Tausenden von Zuschauerinnen und Zuschauern, die damit zwangsläufig auch zu Zuhörerinnen und Zuhörern werden. Bei ihrem penetranten Schreien haben die jungen Menschen ein Sportgerät namens Schläger in der Hand und versuchen, einen gelben Ball so über ein Netz ins gegenüberliegende Feld zu schlagen, dass das Gegenüber auf der anderen Seite des Netzes nicht an den Ball herankommt. Das Ganze nennt sich Tennis und spielt sich am Australian Open ab.

Ich habe mir am Fernseher einige Partien angesehen, bin aber vom ständigen Gebrüll ziemlich verstört, wenn nicht gar angewidert worden. Gut, ich hätte den Ton ausblenden können. Aber weil ich mich im Tennis nicht à fonds auskenne, bin ich auf die Erläuterungen der Kommentatoren angewiesen, um restlos zu erfassen, was auf dem Court vor sich geht.

Das ändert aber nichts daran, dass mir nicht aufgehen will, weshalb für dieses Hin- und Herschlagen eines Balles ein derartiges Geheul veranstaltet werden muss. Zur Ehrenrettung der Tennisspielerinnen und -spieler sei allerdings erwähnt, dass nicht alle ihre körperliche Tätigkeit akustisch untermalen. Daraus schliesse ich, dass Tennis zweifelsfrei auch ohne auditiven Radau gespielt werden könnte. Ich möchte deshalb dem Welttennisverband eine einfache Änderung der teilweise sonderbaren Regeln beliebt machen: Wer schreit, punktet nicht. Wie schön, wenn wir Roland Garros und Wimbledon und Flushing Meadows einigermassen lautfrei geniessen könnten!

Bild: Martin Hüsler

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