Geschichten, die am Wegrand liegen

Speerspitz

Anina Rütsche
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Wanderschuhe anziehen und los geht’s! Die beste Art, die Umgebung zu erkunden, ist meiner Meinung nach das Reisen zu Fuss. Diese Haltung pflege ich auch in meinem Beruf. Da Autofahren nicht mein Ding ist, obwohl ich es einst mühsam gelernt habe, setze ich auf Bahn und Bus. Und eben auf die ursprünglichste aller Fortbewegungsarten: Auf das Gehen, Laufen, Marschieren. Man kommt so zwar langsamer voran als die fahrenden Zeitgenossen. Dafür entdeckt man am Wegrand viel Schönes und Nützliches, was andere wegen ihrer Geschwindigkeit verpassen.

Zu Fuss auf Recherche zu gehen, das ist vor allem dann gut, wenn man selbst nicht aus der Gegend stammt, über die man schreibt. Ich, die Stadtsanktgallerin, habe auf diese Weise viele tolle Entdeckungen im Toggenburg gemacht. Ich weiss nun beispielsweise, dass es in Wattwil eine Brockenstube gibt, die nicht zentral an einer Strasse, sondern an einem Spazierweg liegt. Und ich schwärme für ein Hoflädeli in Bütschwil, das sowohl Früchte und Gemüse als auch Bücher und CDs im Angebot hat. Ausserdem kenne ich nun das eine oder andere Bänkli mit perfekter Aussicht und mehrere lauschige Grillplätze. Und dann das Fotografieren! Als Fussgänger trifft man auf Motive, die man fahrend nicht wahrnehmen würde.

So komme ich meist nicht bloss mit den ursprünglich geforderten Informationen ins Büro zurück, sondern mit einer Fülle an weiteren Eindrücken, Bildern, Ideen sowie dem tollen Gefühl, mich bewegt und die Natur genossen zu haben. Das gibt mir die Energie, danach in knapper Zeit die passenden Worte zu finden. Und den Mut, mit dem Erzählen aufzuhören, wenn das Wichtigste gesagt ist – zum Beispiel jetzt.

Anina Rütsche

anina.ruetsche@toggenburgmedien.ch