Geschichte im Einmachglas

«Geld oder Leben»: So lautet der Titel des kapitalismuskritischen Stücks, das am Samstag auf der Bühne der Alten Stuhlfabrik gegeben wird. Eine der fünf Schauspielerinnen stammt aus Urnäsch.

Guido Berlinger-Bolt
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HERISAU. Sie spricht langsam, überlegt und präzise: Anna Messmer. Sie ist Teil der Berner Theatertruppe «Frühstück auf der Szene»; am Samstag wird sie einen der seltenen Auftritte in der Ostschweiz haben, nahe ihrer alten Heimat. Anna Messmer wurde 1984 in Berlin geboren. Die Tochter eines Deutschen und einer Schweizerin wuchs vier Jahre in der Grossstadt auf, bevor die Familie nach Urnäsch umzog. «Für mich als Kleinkind war die Umstellung nicht so gross», sagt sie am Telefon. Für die Eltern hingegen sehr. Die leben noch immer in Urnäsch, derweil die Tochter nach der Matura am Gymnasium Appenzell nach Bern weiterzieht. Sie studiert zwischen 2005 und 2011 Germanistik und Theaterwissenschaft und derzeit Schauspiel.

Frühstück auf der Terrasse

2010 ist Anna Messmer Mitgründerin des Frads-Kollektivs; Frads steht für «Frühstück auf der Szene». Der Name eines Paul-Klee-Bildes, der sich für die interdisziplinäre Theatertruppe aufgedrängt habe, so Anna Messmer. Die fünf jungen Frauen treffen sich oft auf der Dachterrasse einer der Schauspielerinnen über Bern.

Im letzten Jahr spricht das Ausserrhoder Departement des Innern und der Kultur Anna Messmer und dem «Frühstück auf der Szene» einen Beitrag für das Stück «Geld oder Leben». Damit verknüpft die Bedingung an einen Auftritt im Kanton. Nur wo? «Die Möglichkeiten für modernes Theater sind in Ausserrhoden beschränkt», sagt Anna Messmer. Ihre Mutter erhielt dann den Tip der Alten Stuhlfabrik in Herisau.

«Geld oder Leben»

Birgit Vanderbekes Text «Geld oder Leben» erschien ursprünglich in Romanform. Das Frads-Kollektiv wird am Samstag eine Bearbeitung davon geben, genauer eine dramatische Fortsetzungsgeschichte. Die Protagonistin aus dem Roman ist tot; nahe Verwandte sichten den Nachlass der eigenwilligen, unpolitischen und an sich nicht religiösen Frau. Anna Messmer: «Wie alles andere auch ist der Kapitalismus für die Figur eine Glaubensfrage. Sie glaubt in einer unreligiösen Art sogar an ihr Lieblingsessen.» Ihre Erinnerungen, die der kollektiven Erinnerung an das 20. Jahrhundert ähneln, finden die Nachfahren in Einmachgläsern konserviert. Diese werden im Verlauf des Theaterabends sowohl mit der Protagonistin Vergangenheit als auch mit der eigenen Gegenwart konfrontiert. Mit der eigenwilligen Weltsicht der alten Frau und dem eigenen Zweifel am real existierenden Kapitalismus.

«Geld oder Leben», Samstag, 16. Februar, 20 Uhr in der Alten Stuhlfabrik, Herisau.