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GESCHICHTE: Herisauer «Diktator von Zürich»

2018 jähren sich die Ereignisse des Schweizerischen Landesstreiks zum 100. Mal. Eine der Hauptfiguren des Konflikts stammt aus Herisau. Die Rolle von Emil Sonderegger ist eine zwiespältige.
Karin Erni
Hoher Besuch in Herisau: Oberstdivisionär Emil Sonderegger unter der Tür seines Hauses «Schlössli Steinegg» beim Verabschieden von General Wille, um 1920. (Bild: Museum Herisau)

Hoher Besuch in Herisau: Oberstdivisionär Emil Sonderegger unter der Tür seines Hauses «Schlössli Steinegg» beim Verabschieden von General Wille, um 1920. (Bild: Museum Herisau)

Karin Erni

karin.erni@appenzellerzeitung.ch

Am Ende des Ersten Weltkriegs erschütterte ein landesweiter Generalstreik die Schweiz. Über 250000 Arbeiter forderten bessere Lebensbedingungen. Der Bundesrat befürchtete eine gewaltsame Revolution wie in Russland und mobilisierte die Armee.

Diese Ereignisse zeichnete das Fernsehen SRF am Donnerstagabend in einer 90 Minuten dauernden Doku-Fiktion nach. Hauptfiguren im Film sind der sozialdemokratische Nationalrat Robert Grimm und Oberstdivisionär Emil Sonderegger, die sich im Konflikt als Kontrahenten gegenüberstehen. Sonderegger befehligte die Ordnungstruppen, die zur Verhinderung einer Demonstration auf dem Fraumünsterplatz Zürich aufgeboten wurden. Seine Soldaten trugen erstmals kriegsmässig Stahlhelme und hatten Maschinengewehre dabei. Bei den Zusammenstössen gab es einen Toten und mehrere Verletzte. Am folgenden Tag liess Sonderegger Handgranaten an seine Truppen verteilen und gab den Befehl zum Schusswaffengebrauch gegen Zivilisten. «Wo aus Häusern geschossen wird, ist Handgranatenwerfen befohlene Pflicht», so der Befehl. «Wir wollen keine russischen Zustände in Zürich.» Für sein martialisches Auftreten bekam er von bürgerlicher Seite grosse Anerkennung. Die sozialdemokratische Zeitung «Volksrecht» dagegen bezeichnete ihn als «Diktator von Zürich».

Bewunderer von Benito Mussolini

Emil Sonderegger wird im Film als zackiger Militarist preussischer Prägung gezeigt, der alles unternimmt, um General Wille zu gefallen. Er habe seine Erfüllung in der Armee gefunden, schreibt Historiker Thomas Fuchs im historischen Lexikon der Schweiz. 1896 stieg Sonderegger zum Hauptmann im Generalstab, 1901 zum Major und 1912 zum Obersten auf. Als Stabschef des 3. Armeekorps war er für die sogenannten Kaisermanöver von 1912 verantwortlich. 1917 wurde er als Beobachter an die West- und im gleichen Jahr an die Isonzofront geschickt. 1918 erfolgte die Beförderung zum Divisionär. Nach dem Landesstreik beteiligte er sich am Schweizerischen Bund für Reformen der Übergangszeit. 1920 erfolgte die Ernennung zu Generalstabschef. 1923 demissionierte er überraschend, weil seiner Meinung nach Parlament und Landesregierung seinen Reformvorschlägen zu wenig rasch folgten. Danach arbeitete er als Akquisitionsagent und Berater für Schweizer Rüstungsfirmen, insbesondere die Schweizerische Industriegesellschaft in Neuhausen. Der mit einer Italienerin verheiratete Sonderegger war ein Bewunderer von Benito Mussolini und zählte zu den einflussreichsten Rechtsextremen der Schweiz. 1933 publiziert er die Streitschrift «Ordnung im Staat», worin er mit der parlamentarischen Demokratie, den Sozialisten, den Juden und den Freimaurern abrechnete. Innerhalb der sich aufsplitternden rechtsextremen Erneuerungsbewegung versuchte Sonderegger sich zuletzt als Landesführer der 1934 gegründeten Volksfront. Er verstarb jedoch noch im selben Jahr in Bern. Der 1868 in Herisau geborene Emil Sonderegger stammte aus einer gut betuchten Familie, die ein Stickerei-Handelshaus besass. Ihm gehörte das als «Schlössli Steinegg» bekannte herrschaftliche Haus, das er nach seinem berufsmässig nötig gewordenen Umzug nach Bern an den Vater des heutigen Besitzers, Heinrich Tanner, verkaufte. In Herisau wird der berühmte Sohn heute nicht mehr sonderlich gewürdigt. Eine Büste von ihm, die einst im Museum stand, ruht heute im Depot.

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