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GESCHICHTE: Als die «Beatles» in Wattwil badeten

Vor 50 Jahren war das Schwimmbad in Wattwil sehr beliebt und gut besucht, wie ein Zeitungsbericht aus der damaligen Zeit belegt. Dennoch war das Baden anders als heute.
Sabine Schmid
Nicht langhaarige Männer, sondern badende Knaben sind auf dem Bild von 1967 zu sehen. (Bild: Archiv Toggenburger Tagblatt)

Nicht langhaarige Männer, sondern badende Knaben sind auf dem Bild von 1967 zu sehen. (Bild: Archiv Toggenburger Tagblatt)

In 50 Jahren fliesst viel Wasser die Thur hinunter. Oder anders gesagt: Viel Wasser spritzt in einem Schwimmbad über den Beckenrand. Doch etwas hat sich nicht verändert: Die Badi erfreut Jung und Alt. Das war vor 50 Jahren so – wie ein Zeitungsartikel im «Toggenburger» aus dem Jahre 1967 zeigt – und das ist auch heute noch so. So sind die Eintrittszahlen nur wenig höher: von 34700 Eintritten war am 18. August 1967 die Rede, im vergangenen Jahr 2016 zählte die Dorfkorporation 36800 Eintritte im Schwimmbad Wattwil.

«Beatles mit langen Haaren sind im Schwimmbad der Toggenburger Metropole natürlich auch vertreten.» Dies schreibt Chefredaktor Peter Boller in seinem Artikel. Er meinte damit nicht die vier weltberühmten «Pilzköpfe aus Liverpool», die wohl einen riesigen Publikumsaufmarsch provoziert hätten. Vielmehr sprach Peter Boller auf die damalige Mode an, dass auch Männer die Haare länger trugen als einen Millimeterschnitt. Die Folge der Mode war, dass «Badekappen obligatorisch» waren, und zwar nicht nur für das weibliche Geschlecht. Ein so genannter Fachmann für’s Schwimmen erklärte dann auch gleich den Grund: «Die langen Haare schwimmen auf dem Wasser, und wenn so ein Haar einem in den Mund kommt, ist’s natürlich sehr unangenehm.» Gerade bei den Frauen kam die neue Regelung gut an. «Fortschrittliche Dorfkorporation: Behandelt Männer und Frauen gleich!», lässt sich eine «Frauenrechtlerin» zitieren. Badekappen sind längst nicht mehr obligatorisch, jüngere Redaktorinnen wissen überhaupt gar nicht, was das ist.

Bikinis wie in «Hollywood-Bädern»

Peter Boller bezeichnet 1967 den damaligen Bademeister Burkhalter und seine Frau als «ehrgeizig», denn sie wollen durchsichtig klares Wasser. Mit einem grossen «Staubsauger» reinigen sie jeden Morgen das Becken, mit Erfolg. «Das Wasser ist phantastisch sauber, und wer in Filmen die blauen Hollywood-Bäder gesehen hat, fühlt sich in Wattwils Bade-Anstalt wie in Kalifornien, im High Life und dergleichen.»

Noch etwas, oder besser jemand, erinnerte den Chefredaktor an Amerika: Die «Heberlein-Sekretärinnen, die jungen Mütter und natürlich auch die jungen Toggenburger Damen im Bikini. «Als Frl. U. R. vor zehn Jahren im schneeweissen Bikini in Wattwil auftauchte, drehte sich männiglich um, jetzt tragen schon kleine Mädchen, die überhaupt gar nichts zu verbergen haben, das Zweiteilige», schreibt Peter Boller. «So ändern sich die Zeiten», fügt er hinzu. Was er wohl heute ob der bunt tätowierten, mit Bikini oder schlotternden Badehosen bekleideten Badegäste schreiben würde?

Als letzte Neuheit vor 50 Jahren erwähnte Peter Boller den Kiosk, den die Dorfkorporation im Schwimmbad Wattwil betreibt. «Es sind nicht nur etwa Kinder, die sich mit Glace ernähren, man sieht Ausgewachsene, die sich nicht nur äusserlich im Bad, sondern auch innerlich mit Frisco abkühlen.» Dass immer mehr Leute im Bad essen, führte dazu, dass der Kiosk gut laufe und die Abfallmenge steige, schreibt es weiter. Badmeister Burkhalter müsse pro Woche bis zu vierzig grosse Säcke Abfall abführen. Schon damals musste er, gemäss dem Artikel, alle Papierreste zusammensuchen.

Die Stimmung im «Volksbad», wie sie Peter Boller beschreibt, hat sich in den ver­gangenen 50 Jahren aber kaum verändert: «Wenn ein heisser Tag über dem Tale brütet, wimmelt’s im Becken, kreuz und quer pflügen, spritzen und springen die Schwimmer durch, mit und in das Wasser, und die Buben und Mädchen geniessen die Freuden des Bades mit Lautstärke. Und das ist gut so!» Damals wie heute.

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