Geschenk ans Toggenburg

In der Ostschweizer Kunstszene ist das Künstlerkollektiv ohm41 schon lange ein Begriff. Jetzt gibt es einen dokumentarischen Zusammenschnitt ihres Œuvres in Kinofilmlänge.

Michael Hug
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Kunstschaffende interviewen sich selber: Die ohm41-Künstler Franziska Peterli, Renato Müller und Roland Rüegg (von links). (Bild: Michael Hug)

Kunstschaffende interviewen sich selber: Die ohm41-Künstler Franziska Peterli, Renato Müller und Roland Rüegg (von links). (Bild: Michael Hug)

WATTWIL. Am selben Wochenende, als in Wil der Film «Chiquitos» des Wattwiler Dokumentarfilmers Thomas Rickenmann Weltpremiere feierte, lief im Kino Passerelle das gesammelte Œuvre der Wiler Künstlergruppe ohm41 – ebenso als Weltpremiere – über die Leinwand. Nicht verkehrte Welt, es war einfach nur Zufall, so Markus Eugster, Co-Vizepräsident des Kollektivs: «Es war auch als Geschenk an das Toggenburg gedacht, weil wir von hier viel materielle und ideelle Unterstützung erhalten. Ausserdem ist dieses Kino, das sich ja als Art-Kino bezeichnet, exakt der richtige Ort für diese Aufführung.»

Ostschweizer Kollektiv

Nicht zuletzt gehören auch zwei Toggenburger, Objektkünstler und Bühnenbauer Thomas «Fri» Freydl und Bildhauer Roland Rüegg, zum Kollektiv, das gelegentlich als Wiler Künstlergruppe bezeichnet wird, aber eigentlich – und das konkurrenzlos – eine Ostschweizer Gruppierung ist.

In jüngster Zeit zeichnet Videokünstler Renato Müller die Aktionen der Gruppe mit der Filmkamera auf. Auch bei der September-Aktion «Roter Necker» im Neckertal, eine Performance im Kontext der aktuellen Flüchtlingskrise, war Müller mit seiner Kamera dabei. Diese Dokumentation und eine ganze Handvoll weitere hat die Gruppe nun am Samstagabend im «Passerelle» gezeigt.

Geschlosseneres Bild

Was das kunstaffine Publikum in der weiteren Region zuweilen aufgrund des unterschiedlichen Medienechos oft nur bruchstückhaft aufnehmen kann, ergab im zweistündigen Programm ebenso kreativ wie krude zusammengeschnittener und moderierter Sequenzen ein viel geschlosseneres Bild. Demnach lässt sich das Œuvre des Kollektivs in zwei Aktionsradien teilen: Aktionen und Inspirationen ausserhalb der Ostschweiz sowie Aktionen und Aufrütteln der Kulturszene in Stadt und Gemeinde Wil.

So bekam das Publikum in «Gegenwind» eine Aktion im Wiler Stadtparlament zu sehen, nur Minuten später eine Manifestation in der portugiesischen Stadt Porto um das Thema «nichts – nada».

«Seehschärfe» in Hamburg

Auch die jüngste Inspirationsreise «Seehschärfe» nach Hamburg fand Aufnahme in die filmische Werkschau oder die ebenso umtriebige wie geistreiche Vernissage zur Ausstellung «Unkraut» im botanischen Garten St. Gallen. Hüben wie drüben, im Ausland wie in der engeren Heimat, zeigen die zehn Kunstschaffenden aus dem Toggenburg, aus Wil und aus dem Hinterthurgau stets raffinierte, witzige, aber auch betörende und zuweilen verstörende Kunstaktionen und Ausstellungen, das wurde aus den dokumentarischen Sequenzen nachvollziehbar.

Markus Eugster verspricht eine Zweitaufführung des Programms in Wil, und Roland Rüegg wirft einen Blick ins nächste Aktionsjahr. Es soll eine Ausstellung im Puschlav geben, deren Exponate und Aktionen auch dort erarbeitet werden. Renato Müllers Beitrag wird auch diesmal die filmische Aufzeichnung des Anlasses sein.