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GERICHTSFALL: Bestreitet Autoklau und gesteht Verleumdung

Ein 23-jähriger Mann soll wegen mehrerer Delikte verurteilt werden. Das Urteil des Ausserrhoder Kantongerichts steht noch aus. Ausser der Verleumdung bestreitet der Angeklagte alles.
Der Mann postete auf dem Profil der Frau. (Bild: Matt Rourke/AP Photo)

Der Mann postete auf dem Profil der Frau. (Bild: Matt Rourke/AP Photo)

Der Angeklagte soll seiner Freundin in Herisau Autoschlüssel samt Audi entwendet haben und ohne Führerausweis Spritzfahrten unternommen haben. Dafür, für Urkundenfälschung, Drohung, Tätlichkeit, Telefonmissbrauch und Verleumdung sollte er zu einer unbedingten Geldstrafe von 100 Tagessätzen zu 30 Franken und einer Busse von 600 Franken verurteilt werden.

Vor Gericht breiteten die ­beiden ihre inzwischen vergan­gene Beziehungskiste nochmals aus. Dem Staatsanwalt hatte der ­junge Mann gesagt, er habe die Autoschlüssel als Druckmittel ­benutzt, um Geld, das er seiner Freundin fürs Leasing des Audi geliehen hatte, zurückzufordern. Als Auskunftsperson bestritt die junge Frau, sich von ihm Geld geliehen zu haben.

Der Mann liess der Kantonspolizei eine Foto des Vertrags zukommen, wonach der Audi ihm gehöre und nicht seiner Freundin. Dem Vertrag war zu entnehmen, dass die Frau dem Mann 22 000 Franken schulde. Der Staatsanwalt ging davon aus, der Mann habe die Unterschrift der Freundin gefälscht.

Ellbogen ins Gesicht geschlagen

Zu einem Eklat kam es laut Schilderung der Frau im Dezember 2015 auf einem Parkplatz in Flawil: Als sie mit einer Freundin wegfahren wollte, habe sie der Mann immer lauter und aggressiver daran gehindert, die Autotür zu schliessen und habe ihr den Ellbogen ins Gesicht geschlagen. Sie erlitt leichte Wunden an Nase und Lippen. Danach habe sie sich nicht mehr aus dem Haus getraut, sagte sie. Auf die Frage der Gerichtspräsidentin bekräftigte sie, sie halte an ihrem Strafantrag fest. Der Mann bestritt, die Frau geschlagen zu haben; er habe lediglich den Autoschlüssel haben wollen. Die Zeugin lüge. In der Nacht rief der Mann die Frau rund 50-mal an und soll «unter massiven Drohungen», so der Staatsanwalt, den Autoschlüssel verlangt haben. Damit habe er sie in Angst und Schrecken versetzt. Sie habe sich seit Februar 2015 bedroht gefühlt, sagte sie. Auch dies bestritt der Mann; er habe nur mit ihr reden wollen, gedroht habe er nicht. Der junge Man widersprach nahezu sämtlichen Be­schuldigungen. Er habe monate­lang alles bezahlt – bis er seinen Job verloren habe.

Seither habe es nur noch ein Thema gegeben: «Wir haben ­keine Kohle mehr.» Dass sie alles bezahlt habe, stimme nicht. Sie habe sich vielmehr andere Männer angelacht, sei weggezogen, zurückgekommen, wieder gegangen. Er habe keine Versicherung betrogen und keine Urkunden­fälschung begangen, beteuerte er. Vielmehr habe er für 17 000 Franken Möbel gekauft: «Sie hat bei mir gelebt, gegessen, ge­trunken.»

Dass er weder Führerprüfung noch Führerschein gehabt habe, gab er zu – aber: «Ich bin nicht ­gefahren, nur auf einem Privatplatz.» Ein Kollege sei gefahren; dessen Namen wollte er nicht nennen. Hingegen gab der Mann zu, sich ins Facebook-Profil der Frau eingeloggt und Status-Posts hinterlassen zu haben, die den Eindruck erweckten, die Frau arbeite als Prostituierte in einem Tabledance-Etablissement. Das sei Verleumdung, so der Ankläger. Für die übrigen Anschuldigungen verlangte der Mann Freispruch.

Die Richterin fällte kein Urteil. Sie entschied, weitere Beweise zu erheben, Aussagen nachzugehen, Zeugen zu be­fragen und die DNA-Spuren auswerten zu lassen, die nach der Auseinandersetzung beim Auto gesichert worden waren.

Margrith Widmer

redaktion@appenzellerzeitung.ch

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