GERICHTSFALL
Bei Feuerwerk Auge verloren: Pyrotechnikfirma muss sich vor Gericht in Trogen verantworten

Drei Firmenbetreibern wird vorgeworfen, Feuerwerk an Personen verkauft zu haben, die über keine entsprechenden Bewilligungen verfügten. Mit verheerenden Folgen: Einem Rentner aus Niederteufen flog ein Feuerkörper mitten ins Gesicht. Er wurde schwer verletzt. Der Fall wird nun vor dem Kantonsgericht in Trogen verhandelt.

Astrid Zysset
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Den Angeklagten drohen bedingte Haftstrafen.

Den Angeklagten drohen bedingte Haftstrafen.

Bild: PD

Es war der Morgen des 1. August 2016, als ein damals 88-jähriger Rentner aus Niederteufen an einem Verkaufsstandort in Appenzell Ausserrhoden zwei Feuerwerksbatterien erstand. Problem nur: Diese Batterien unterlagen der Kategorie F4. Um solches Feuerwerk zu erwerben, braucht es einen speziellen Erwerbsschein wie auch eine Abbrandbewilligung. Wie sich der Anklageschrift entnehmen lässt, verfügte der Mann über beides nicht. Am Abend, als er das Feuerwerk im Garten seines Wohnhauses zündete, kam es schliesslich zum Unglück: Ein Feuerwerkskörper traf den 88-Jährigen mitten ins Gesicht, sodass dieser ein Schädel-Hirn-Trauma erlitt wie auch sein rechtes Auge verlor.

Am Mittwoch müssen sich nun die Verkäufer der Feuerwerkskörper vor dem Kantonsgericht Appenzell Ausserrhoden verantworten. Den drei Betreibern der Ostschweizer Firma wird unter anderem schwere Körperverletzung wie auch mehrfache Widerhandlung gegen das Sprengstoffgesetz vorgeworfen. Der Rentner tritt in der Verhandlung als Privatkläger auf.

Zwei Feuerwerke, aber nur eine Bewilligung

Gemäss Anklageschrift sei es nicht nur einmalig durch die angeschuldigten Firmeninhaber zum Verkauf von F4-Feuerwerk an nicht befugte Personen gekommen. So listen die Untersuchungsbehörden noch einen weiteren Mann auf, der in jenem Sommer 2016 kurz vor den 1.-August-Feierlichkeiten solches Feuerwerk ohne entsprechenden Erwerbsschein erstanden haben soll.

Einer der Firmenbetreiber verfügte über eine F4-Abbrandbewilligung. Diese lässt sich allerdings nicht auf Dritte übertragen. F4-Feuerwerk muss zwingend durch diejenige Person, welche über die Bewilligung verfügt, angezündet und überwacht werden. Im Rahmen der Nationaltagsfeiern 2016 wurden in zwei Ausserrhoder Gemeinden zeitgleich zwei Feuerwerke gezündet. Beide Abbrandbewilligungen liefen auf denselben Firmeninhaber. Da dieser nicht an zwei Orten gleichzeitig sein konnte, gehen die Untersuchungsbehörden davon aus, dass eines der Feuerwerke durch einen Dritten gezündet wurde. Sie verdächtigen gemäss Anklageschrift einen der Firmenbetreiber. Dieser habe in der Vergangenheit wohl selbstständig bereits solche Feuerwerke gezündet, ist jedoch nicht im Besitz einer entsprechenden Bewilligung.

Bedingte Freiheitsstrafen werden gefordert

Die Staatsanwaltschaft fordert nun für denjenigen Firmeninhaber, welcher über eine F4-Bewilligung verfügte, eine bedingte Freiheitsstrafe von zehn Monaten und eine Busse von 10'500 Franken. Der Beschuldigte habe wissentlich Feuerwerkskörper der Kategorie F4 einer Drittperson zum Abbrand überlassen, welche dazu nicht befugt gewesen war, lässt sich der Anklage entnehmen.

Einem weiteren Gesellschafter, welcher das Feuerwerk an den Rentner wie auch einem zweiten Mann ohne entsprechende Bewilligung verkaufte, drohen eine achtmonatige, bedingte Haft und eine Busse von 8'400 Franken. Der dritte Firmeninhaber ist der einzige, welcher sich nicht wegen schwerer Körperverletzung vor Gericht verantworten muss. Allerdings wird ihm ebenfalls mehrfache Widerhandlung gegen das Sprengstoffgesetz vorgeworfen. Zudem wurde bei ihm während der Hausdurchsuchung pornografisches Material gefunden, für welches er sich nun zu verantworten hat.