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Geraubte «Mona Lisa» im Toggenburg

LICHTENSTEIG. Sie wollen jedes Jahr einen Spielfilm drehen: Die jungen Toggenburger im Verein FilmFabrik. Mit Minibudget realisierten sie «Mona», ihren Erstling: Ein 70 Minuten langer, zügig erzählter Genrefilm über einen raffinierten, doppelten Kunstraub – mit Anfängerproblemen.
Hansruedi Kugler
Regisseur Severin Schönenberger (Mitte) mit einem Teil seines Teams: (von links) Leander Grünenwald (spielt den Bruder des Hauptdarstellers), Joachim Schönenberger (Drehbuch und Trickfilm), Mirjam Hadorn und Martin Fricker (sie spielen sich selbst als Galeristin und Kunstorganisator). (Bild: Martin Fricker)

Regisseur Severin Schönenberger (Mitte) mit einem Teil seines Teams: (von links) Leander Grünenwald (spielt den Bruder des Hauptdarstellers), Joachim Schönenberger (Drehbuch und Trickfilm), Mirjam Hadorn und Martin Fricker (sie spielen sich selbst als Galeristin und Kunstorganisator). (Bild: Martin Fricker)

Das wäre mal ein Fall für das Kreisgericht Toggenburg: Leonardo da Vincis «Mona Lisa», das wohl berühmteste Gemälde der Welt, wird 2009 von zwei Ganoven aus dem Louvre in Paris gestohlen und taucht fünf Jahre später an den Kunst-Tagen in der Lichtensteiger Kalberhalle wieder auf. Allerdings mit einem anderen, zum Glück abwaschbaren Porträt übermalt. Die Story gäbe einiges her: Die Rache des betrogenen Mittäters an seinem Kumpel, fünf Jahre Koma in einem Pariser Spital und ein neuerlicher Kunstraub in der Kalberhalle trotz Laser-Alarmanlage. Auch wenn der Fall nicht vor Gericht verhandelt wird, hält die Story jedenfalls genug Material bereit für den ersten Spielfilm des Toggenburger Vereins FilmFabrik. Im März 2014 gegründet, hatten die Filmfreaks «Mona» schon im Oktober fertig und zeigten ihn an den Kunst-Tagen in Lichtensteig. Von der Idee über Drehbuch, Casting bis zum Schnitt hatten sie nur ein halbes Jahr Zeit. Die Amateurfilmer hatten ein Budget von 8000 Franken, drehten vier Wochen lang in Lichtensteig mit 16 Laiendarstellern und ein Wochenende alleine in Paris, als Filmkamera benutzten sie einen Nikon-Fotoapparat mit Videofunktion und Aufsteckmikrophon.

Kunst trifft Thriller

Für den nächsten Film hat der Filmverein ein besseres Mikrophon gekauft. Das ist auch nötig, denn die Tonqualität ist gerade bei den Dialogszenen unbefriedigend. Das gibt Severin Schönenberger, der als Koch im Thurpark Wattwil arbeitet, unumwunden zu. Stolz ist er aber trotzdem auf den Film, besonders auch über den Vorspann, den sein Bruder Joachim (Polygraph im 3. Lehrjahr) gezeichnet hat. Im 100-Sekunden-Trickfilm wird der Raub der «Mona Lisa» im eigenwilligen Strichmännli-Stil zum leichtfüssigen Raubzug. Im Louvre zu filmen haben sie gar nicht erst versucht. Das Drehbuch haben die Brüder Schönenberger zusammen geschrieben. Die Idee für den Film entstand, als sie mit der Lichtensteiger Galeristin Mirjam Hadorn ins Gespräch kamen, die zusammen mit Severin Schönenberger den Gestalterischen Vorkurs für Erwachsene in St. Gallen besucht. Sie wollte einen Kunst-Film für die Kunst-Tage, die Brüder Schönenberger machten einen Thriller daraus.

Laser-Alarm in der Kalberhalle

Bei der Realisierung brauchte es auch eine Portion Glück: So bot der SRF-Nachrichtensprecher Mario Grossniklaus an, im Zürcher Fernsehstudio die «Tagesschau»-Nachricht vom sensationellen Raub der «Mona Lisa» aufzunehmen. Die Sequenz kommt entsprechend professionell daher. Grossniklaus war zuvor als Referent im Gestalterischen Vorkurs aufgetreten. Wer Filme wie «Ocean's Eleven» mag, wird an «Mona» seine Freude haben und bei vielen Szenen schmunzeln: Etwa, wie schnell der angeblich jahrelang im Koma liegende Dieb sofort nach dem Aufwachen wieder gehen kann; wie die Kalberhalle sicherheitstechnisch mit Handscanner und Laser-Alarmanlage aufgerüstet ist und wie akribisch der neuerliche Raubzug in der Kalberhalle geplant wird. Blutig geht es nicht zu und her. «Mona» ist klar eine Laien-Reverenz an das Genre der eleganten Gentleman-Räuber-Filme. Als Toggenburger lacht man, weil beim Fluchtplan die beiden Bahnschranken in Bütschwil eingerechnet werden müssen. Film- und Kunstkenner werden vielleicht ein paar verborgene Reverenzen erkennen: So heisst das Hamburger-Restaurant im Film «Mama Bates» (eine Verneigung vor Alfred Hitchcocks «Psycho»). Das abwaschbare Porträt über der «Mona Lisa» zeigt den Dieb Vincenzo Peruggia, der 1911 das Bild aus dem Louvre gestohlen hatte und erst zwei Jahre später in Florenz entdeckt wurde, was eine heftige nationalistische Debatte auslöste. Das Porträt über der «Mona Lisa» hat der Künstler Marc Staff Brandl gemalt – in «Mona» spielt er eine Hauptrolle.

Jetzt kommen Ritualmorde

Angefangen hat Severin Schönenbergers Filmleidenschaft bei einem Kanada-Aufenthalt. Als Koch auf einer Ranch begann er einen Western zu drehen. Seine Zukunftspläne sind unterdessen klar: Er bereitet sich für die Aufnahmeprüfung an die Zürcher Filmhochschule vor und möchte danach von der Filmerei leben können. Vorläufig aber kocht er im Thurpark Wattwil und dreht kleinere Auftragsfilme: für die Erlebniswelt Toggenburg gerade einen Sechs-Minuten-Film für die Krippenausstellung. Nach der Aufführung am Dienstag im Chössi-Theater sind keine weiteren öffentlichen Aufführungen von «Mona» geplant. Der Filmverein will aber nun jedes Jahr einen längeren Spielfilm fertigstellen. Der nächste werde ein Thriller sein, bei dem ein Polizist einige Ritualmorde aufklären muss, etwas düsterer als «Mona», meint Severin Schönenberger.

Weitere Infos zum Verein, Trailer zu «Mona» und DVD-Bestellung: www.fabrik-filme.ch

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