Genuss von Pilzen ohne Gefahr

EBNAT-KAPPEL. Pilzkontrolleure aus der Deutschschweiz versammeln sich am Wochenende im Kapplerhof in Ebnat-Kappel zur Weiterbildung und Generalversammlung. Der Samstagnachmittag beginnt mit einem öffentlichen Vortrag.

Hans-Peter Neukom
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Giftig oder essbar? Um böse Überraschungen auszuschliessen, sollte dem Pilzkontrolleur immer die ganze Ernte vorgelegt werden. (Bild: Hans-Peter Neukom)

Giftig oder essbar? Um böse Überraschungen auszuschliessen, sollte dem Pilzkontrolleur immer die ganze Ernte vorgelegt werden. (Bild: Hans-Peter Neukom)

Irren ist menschlich. Aber wenn sich Pilzkontrolleure irren, kann dies tödlich sein. Rasch und vor allem sicher müssen sie erkennen: essbar oder giftig? Um die grosse Verantwortung ihrer Tätigkeit im Dienste des Gesundheitsschutzes tragen zu können, bilden sie sich Jahr für Jahr weiter. «Unsere Übungen zur Pilzbestimmung, der Erfahrungsaustausch und die Generalversammlung finden auch dieses Jahr wieder in der Pilzsaison und zum ersten Mal im Toggenburg statt», sagt Lilian Theurillat, Präsidentin der Schweizerischen Vereinigung amtlicher Pilzkontrollorgane (VAPKO).

Nicht nur Verwechslungen von Speise- und Giftpilzen, sondern auch kleine, lästige aber gefährliche spinnenartige Tierchen – die Zecken – bilden beim Pilzsammeln eine stete Gefahr. Zum Auftakt der Tagung sind daher alle Interessierten zum Vortrag von Norbert Satz «Zeckenstiche und ihre Folgen» (siehe Kasten) eingeladen, so Walter Looser, Organisator der Tagung und Präsident des Pilzvereins Toggenburg.

Tod durch Knollenblätterpilze

«Selbst ein ausgewiesener Kontrolleur kennt nicht alle rund 5500 Wald- und Wiesenpilze, welche hierzulande wachsen», sagt Axel von Wehrden, langjähriger Lichtensteiger Pilzkontrolleur. Seltene Arten bekomme man vielleicht gar nie zu Gesicht. Und es gebe solche, die sich so sehr gleichen, dass man schon ein Mikroskop und ein geschultes Auge brauche, um sie eindeutig zu unterscheiden.

Wichtig sei deshalb die regelmässige Weiterbildung in Verbandskursen und Pilzvereinen, um das verantwortungsvolle Amt sicher auszuüben, denn Genuss oder Verdruss liegen nahe beisammen. Deshalb gilt auch für den Pilzkontrolleur: «Im Zweifelsfall nie», betont von Wehrden.

Trotz des hierzulande gut ausgebauten Netzes an Pilzkontrollstellen ereignen sich jedes Jahr leichte und schwere Vergiftungen durch nicht kontrollierte Pilze, wie letztjährige Fälle belegen: Im Tessin

fand ein Psychiatrie-Patient anfangs Oktober im Park der Klinik grünliche Pilze, die er anschliessend verzehrte. Es traten schwere Vergiftungssymptome auf. Dabei handelte es sich um tödlich giftige Grüne Knollenblätterpilze. Diese enthalten gefährliche Zellgifte, genannt Amanitine oder Amatoxine, die zu starken Schädigungen der Leber und in schweren Vergiftungsfällen gar zum Tod führen können. Der 55-Jährige musste zwecks Lebertransplantation in ein weiteres Spital überführt werden.

Doch jede ärztliche Hilfe kam zu spät – er verstarb an den Folgen einer Amanitinvergiftung. Tödliche Pilzvergiftungen waren in der Schweiz in den letzten rund 15 Jahren relativ selten. Die letzten Fälle gehen auf die Jahre 2005, 2002, 2001 und 1996 zurück.

Eine Woche später ereignete sich ein ähnlich dramatischer Vorfall. Eine siebenköpfige Familie konsumierte selbst gesammelte und nicht kontrollierte Pilze.

Die Folge davon: Die ganze Familie musste mit mehr oder weniger schweren Symptomen einer Pilzvergiftung ins Spital eingewiesen werden. Der sofort durchgeführte Amanitin-Nachweis war positiv. Doch um welche Pilze es sich handelte, konnte im Nachhinein nicht mehr festgestellt werden. Wahrscheinlich ist, dass auch in diesem Fall Knollenblätterpilze involviert waren.

Kontrollieren vor probieren

Dank der richtigen und rasch eingeleiteten Behandlung ging dieser dramatische, lebensgefährliche Vergiftungsfall zwar noch einmal glimpflich aus. Die quälenden, mit Durchfällen, Erbrechen und Todesängsten einhergehenden Leibschmerzen – erschwert noch durch die Angst um ihre Kinder und die damit verbundenen Gewissenbisse – dürften die glücklichen Eltern aber noch Jahre lang verfolgen.

Beim leisesten Zweifel sollten Pilzsammlerinnen und -sammler stets ihre ganze Ernte von einer Pilzkontrollstelle prüfen lassen, umso mehr, als dies ja bequem und in den meisten Fällen kostenlos ist, wie VAPKO-Präsidentin Theurillat anmerkt. Um Pilzliebhaber vor Vergiftungen mit wild gewachsenen Pilzen zu schützen, hat die VAPKO in Zusammenarbeit mit den Gemeinden seit 1925 ein dichtes Netz von Pilzkontrollstellen aufgebaut, das inzwischen fast 400 Mitgliedsgemeinden umfasst.

Die so gebotene Möglichkeit, geerntete Wildpilze von ausgebildeten Fachleuten kontrollieren zu lassen, hat zweifellos schon viele Leben gerettet und unsägliches Leid verhindert.

Infos zu Pilzkontrollstellen: www.vapko.ch