Gemeinnütziger Wohnungsbau
Zusammenschluss zweier Wohnbaugenossenschaften geplant: Das Hemetli und die WBG Pro Herisau wollen fusionieren

Die Hemetli-Genossenschafter entscheiden in einer Konsultativabstimmung, ob zwei Mehrfamilienhäuser mit 28 Wohnungen an der Saumstrasse übernommen werden sollen. Es gibt allerdings noch einige Hürden.

Jesko Calderara
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Nach der Fusion sollen die beiden Mehrfamilienhäuser an der Saumstrasse in Herisau für 6,3 Millionen Franken saniert werden.

Nach der Fusion sollen die beiden Mehrfamilienhäuser an der Saumstrasse in Herisau für 6,3 Millionen Franken saniert werden.

Bild: Ramona Koller
Fredi Züst ist Präsident der Wohnbaugenossenschaft Hemetli.

Fredi Züst ist Präsident der Wohnbaugenossenschaft Hemetli.

Bild: PD

Die beiden Wohnbaugenossenschaften Hemetli und WBG Pro Herisau streben eine Fusion an. Im Oktober können sich die Hemetli-Genossenschafter in einer Konsultativabstimmung zu einem möglichen Zusammenschluss äussern. «Damit wollen wir den Puls unserer Mitglieder spüren», sagt Präsident Fredi Züst. Eigentlich hätte dieses Traktandum an der diesjährigen Generalversammlung, welche coronabedingt von April auf den 13. Oktober verschoben wurde, diskutiert werden sollen. Nach der Einführung der Zertifikatspflicht wird der Anlass jedoch abgesagt und stattdessen wie letztes Jahr eine schriftliche Abstimmung durchgeführt.

Noch sind zum vorgesehenen Zusammenschluss keine Entscheidungen gefällt worden. So viel scheint jedoch klar zu sein: Rein rechtlich gesehen ist eine Fusion geplant, faktisch handelt es sich jedoch um eine Übernahme durch das Hemetli.

WBG Pro Herisau ist zu klein zum Überleben

Diese Genossenschaft ist mit 1161 Mitgliedern und 279 Wohnungen deutlich grösser als die WBG Pro Herisau. Die 1981 durch den früheren Ausserrhoder Regierungsrat Hans Mettler gegründete Gesellschaft besitzt zwei Mehrfamilienhäuser mit 28 Wohnungen an der Saumstrasse. Das Problem: Die WBG Pro Herisau zählt nur knapp 100 Mitglieder und ist nach eigener Einschätzung zu klein, um langfristig zu überleben. So fehlen die notwendigen Mittel für Investitionen. Auch hat die kleine Wohnbaugenossenschaft Mühe, die Ämter in der Verwaltung zu besetzen. Aus diesem Grund trat sie bereits vor drei Jahren an das Hemetli mit der Idee heran, dieser den eigenen Liegenschaftsbestand zu verkaufen.

Weil beide Wohnbaugenossenschaften die Förderung von Familienwohnungen zum Ziel haben, wurde diese Option intensiv geprüft. Nun liegt ein Konzept auf dem Tisch, wie die Fusion konkret abgewickelt werden könnte. Für die Hemetli-Mitglieder hätte ein solcher Schritt keine Auswirkungen, wie Züst versichert. Die Genossenschafter der WBG Pro Herisau wiederum können ihre Anteile in solche des Hemetli umtauschen oder mit einer Barabfindung aussteigen.

Mieten werden nach dem Umbau steigen

Die Immobilien an der Saumstrasse sind in der Bilanz mit rund 4,1 Millionen Franken bewertet, die aktuelle Steuerschätzung liegt dagegen bei 6,1 Millionen Franken. Das Hemetli könnte die Objekte zu vorteilhaften finanziellen Konditionen übernehmen, wie Fredi Züst sagt. Nach der Fusion sollen 6,3 Millionen Franken in deren Sanierung investiert werden. So ist der Neubau einer Tiefgarage und die Installation von vier Aufzügen geplant. Für die künftige Vermietbarkeit sei diese Investitionen unabdingbar, sagt Züst. Die Mieten werden danach um rund 10 Prozent steigen.

Bis es so weit ist, gilt es aber noch einige Hürden zu nehmen. Falls es bei der anstehenden Konsultativabstimmung ein Ja gibt, wird am 15. Oktober auch die WBG Pro Herisau eine Mitgliederbefragung vornehmen. Wenn sich deren Generalversammlung ebenfalls für einen Zusammenschluss ausspricht, wird der Fusionsvertrag ausgearbeitet. Das letzte Wort dazu hätten dann die beiden Genossenschaftsversammlungen im Frühling 2022. Die Fusion wird dann rückwirkend per 1. Januar 2022 auf Basis der Abschlusszahlen der beiden Wohnbaugenossenschaften von Ende Jahr vollzogen.


Hemetli mit 36 Prozent Eigendeckungsgrad beim Stromverbrauch

Die Betriebsrechnung 2020 des Hemetli schliesst mit einem Gewinn von etwas mehr als 180'000 Franken ab. Das sind 70'000 Franken weniger als im Vorjahr. Grund für das tiefere Ergebnis sind unter anderem die Abschreibungen, die mit 1,5 Millionen Franken deutlich über dem Wert von 2019 liegen. Das Genossenschaftskapital, welches 2020 um 600'000 Franken auf über 16,6 Millionen Franken gewachsen ist, soll weiterhin mit 1 Prozent verzinst werden. Die Zahl der Hemetli-Mitglieder hat sich dagegen um 12 auf 1161 reduziert.

Dafür ist der Immobilienbestand gestiegen, nachdem eine Liegenschaft an der Gossauerstrasse 47a gekauft wurde. In unmittelbarer Nachbarschaft besitzt die Wohnbaugenossenschaft bereits zwei Mehrfamilienhäuser. Der vereinbarte Kaufpreis lag bei 550'000 Franken, wobei die Verkäufer die Liegenschaft weiterhin bewohnen. Gemäss Statuten konnte die Verwaltung das Geschäft in eigener Kompetenz abwickeln. Vorangetrieben haben die Verantwortlichen im vergangenen Jahr abgesehen davon den Ausbau der erneuerbaren Energien. So sind bereits auf vier Dächern der eigenen Objekte Solaranlagen entstanden, im Lauf dieses Jahres kommen nochmals drei dazu. Der Eigendeckungsgrad beträgt dann 36 Prozent. Sprich: Etwas mehr als ein Drittel des Stromverbrauchs aller Hemetli-Wohnungen wird selber mittels Fotovoltaik erzeugt.

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