GEMEINDEHAUS: «Lord von Wolfhalden»

Wo heute kommunale Politik betrieben wird, lebte und arbeitete einst die Familie Graf-Graf. Besonders Sohn Jakob tat sich durch einen aristokratischen Auftritt hervor und kam so zum treffenden Übernamen.

Peter Eggenberger
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Das geschichtlich spannende Gemeindehaus wird saniert. (Bild: pd)

Das geschichtlich spannende Gemeindehaus wird saniert. (Bild: pd)

Peter Eggenberger

redaktion@appenzellerzeitung.ch

Derzeit präsentiert sich das Gemeindehaus von Wolfhalden im Baugerüst und akzentuiert damit das Dorfbild in besonderem Masse. Das stattliche Gebäude zeichnet sich durch eine interessante Geschichte aus und diente früher dem «Lord von Wolfhalden» als Geschäfts- und Wohnsitz. «Die Pflege des Verwaltungsgebäudes ist uns ein grosses Anliegen. Derzeit werden nötige Unterhaltsarbeiten im Bereich der Fensterbänke und -leibungen ausgeführt, die mit einem neuen Schutzanstrich versehen werden», erklärt Gemeindepräsident Gino Pauletti zur aktuellen Sanierung.

Gemäss Eugen Steinmann, Autor des Buches «Kunstdenkmäler des Kantons Appenzell Ausserrhoden», wurde das Gebäude in den Jahren 1870/71 im Auftrag von Landesfähnrich (Ausserrhoder Regierungsrat) Jakob Graf-Graf (1831 – 1889) erbaut.

Ein Aristokrat durch und durch

Vertieft thematisiert Ernst Züst im Buch «Geschichte der Gemeinde Wolfhalden» die Familie Graf. Wie der Vater war auch der 1856 geborene Sohn Jakob in der Textilbranche tätig. Das Haus diente ihm ebenfalls als Wohn- und Geschäftssitz. Parallel zum Erfolg im Beruf eiferte er auch politisch seinem Vater nach. Graf Junior war Gemeindehauptmann von Wolfhalden und Ausserrhoder Oberrichter. Im Militär hatte der ausgebildete Textilkaufmann den Grad eines Hauptmanns der Verwaltungstruppen inne. Sein auch werktags gepflegtes Outfit mit Frack, Melone und Handstock mit Silberknauf, aber auch sein durch und durch aristokratisches Verhalten trugen ihm den Spitznamen «Lord von Wolfhalden» ein.

Gemeindehaus seit 1949

Bei Ernst Züst heisst es weiter: «Testamentarisch wünschte der 1948 im hohen Alter von 92 Jahren verstorbene Oberrichter Graf die Umwandlung des Fabrikantengebäudes in ein Gemeindehaus. Nach anfänglichen Streitigkeiten wurden die Erben und der Gemeinderat handelseinig. Im März 1949 genehmigte die Stimmbürgerschaft den Kauf des Hauses samt Nebengebäuden zum Preis von 55000 Franken. Gleichzeitig wurden die Umbaukosten im Betrage von 42000 Franken bewilligt.»