Gemeinde muss Farbe bekennen

Seit einem Jahr weiss der Wattwiler Gemeinderat, dass sich die Sonntagsgesellschaft vom Ortsarchiv trennen will. Zwar hat die Politische Gemeinde das Ortsarchiv finanziell weiter unterstützt. An der entscheidenden Versammlung taucht aber kein einziger Gemeinderat auf.

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Seit einem Jahr weiss der Wattwiler Gemeinderat, dass sich die Sonntagsgesellschaft vom Ortsarchiv trennen will. Zwar hat die Politische Gemeinde das Ortsarchiv finanziell weiter unterstützt. An der entscheidenden Versammlung taucht aber kein einziger Gemeinderat auf. Man darf annehmen, dass der Gemeinderat das Ortsarchiv nicht einfach im Stich lässt. Aber Interesse und Engagement für Lokalkultur sieht eindeutig anders aus.

Unschön ist, dass sich die Sonntagsgesellschaft mit dem Trennungs-Beschluss den Vorwurf der Erpressung einhandelt. Es ist nämlich die seltene Ausnahme, dass ein lokalhistorisches Dorfarchiv von der Politischen Gemeinde geführt wird. Im Toggenburg macht dies einzig Mosnang. Die dortige Chronikstube wird zwar von ehrenamtlichen Chronisten geführt, aber eine gemeinderätliche Kommission sorgt für die Buchhaltung, für die Suche nach neuen Chronisten und so letztlich für die Kontinuität der Chronikstube. Die Sonntagsgesellschaft hat eine unnötige Diskussion um die Trägerschaft des Ortsarchivs forciert. Dieses kostet die Sonntagsgesellschaft nichts, die paar Schreibarbeiten können nicht so anstrengend sein. Aber zweifellos wäre das Ortsarchiv fachlich besser bei der Gemeinde aufgehoben: Schliesslich hat man derzeit einen Historiker als Gemeinderatsschreiber und die Gemeindeverwaltung hat ebenfalls Erfahrung in der Archivbetreuung.

Der Gemeinderat wird das Ortsarchiv nicht fallen lassen. Falls die Ortsarchivare ihre Arbeit nicht entnervt hinschmeissen, gibt es vorläufig keinen Grund, das Ende des Ortsarchivs an die Wand zu malen. Schön wäre gewesen, wenn einer der Wattwiler Gemeinderäte dies am Mittwoch vor Ort gesagt hätte. Hansruedi Kugler

hansruedi.kugler@toggenburgmedien.ch