Gemeinde ist für die Leute zweitrangig

Eine Abstimmung über eine Gemeindevereinigung – und wenn es nur deren Grundsatz ist – sollte die Stimmberechtigten an die Urne rufen. So sollte man meinen. Die gestrige Abstimmung widerlegt diese Theorie aber klar.

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Eine Abstimmung über eine Gemeindevereinigung – und wenn es nur deren Grundsatz ist – sollte die Stimmberechtigten an die Urne rufen. So sollte man meinen. Die gestrige Abstimmung widerlegt diese Theorie aber klar. Nur gerade ein Fünftel der Wattwiler Stimmbürger äusserten sich für oder gegen die Vereinigung mit der Nachbargemeinde Krinau. Dort lag die Stimmbeteiligung immerhin bei drei Fünftel. Warum, so frage ich mich, beschäftigte diese für die Zukunft wichtige Vorlage nicht mehr Frauen und Männer?

Das Argument, dass diese Grundsatzabstimmung halt an keinem Abstimmungswochenende mit eidgenössischen oder kantonalen Vorlagen erfolgte, mag den einen oder anderen vielleicht überzeugen. Ich halte dem den kleinen Aufwand des einzelnen Bürgers entgegen. Er musste sich nur mit einer Vorlage befassen und nur einen Stimmzettel ausfüllen. Aus der geringen Stimmbeteiligung auf ein generelles Desinteresse zu schliessen, erscheint mir als zu einfach. Ich glaube, einige Wattwiler und Krinauer dachten daran, dass das Resultat eh schon im vornherein klar ist. Der grösste Teil von ihnen wird sich aber der Stimme enthalten haben, weil es für sie nicht darauf ankommt, wo die Gemeindegrenzen durchgehen. Die Gemeinde ist ein abstraktes Wesen, dem man wohl oder übel die Steuern bezahlt, aber mit dem man im Alltag so wenig wie möglich zu tun hat. Für das persönliche Befinden spielt die Gemeinde eine Nebenrolle. Im Herzen ist man Wattwiler oder Krinauer und das bleibt man auch. Trotz der Vereinigung.

Sabine Schmid

sabine.schmid@toggenburgmedien.ch

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