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Geliebt und geschunden

Wer kann den pausbäckigen Gartenzwergen schon böse sein? Sie sorgen als Hüter der Gärten für eine reiche Ernte. Und doch gibt es Neider, die den Gnomen an die Gurgel wollen.
Michael Genova
Auf dem Schmäuslemarkt in Appenzell sind sie nicht zu übersehen: Der Bazar Hersche hat über 150 verschiedene Zwerge im Sortiment. (Bild: mge)

Auf dem Schmäuslemarkt in Appenzell sind sie nicht zu übersehen: Der Bazar Hersche hat über 150 verschiedene Zwerge im Sortiment. (Bild: mge)

APPENZELL. Die Gartenzwerge kehren zurück aus ihrem Winterdepot. In den Gärten der stolzen Häuschenbesitzer werden sie Beete umstechen, Pflanzen giessen und den nächtlichen Besuchern mit ihren Laternen den Weg leuchten. Für Kinder und viele Erwachsene steht fest: Die Gartenzwerge sind die Hüter der Gärten. Ohne ihre Hilfe wäre so manche Grünanlage ein wilder Dschungel.

Eine komplette Märchenfamilie

Wer noch keine Helfer hat, wird im Bazar Hersche auf dem Schmäuslemarkt in Appenzell fündig. Dort stehen die Gartenzwerge und strecken den Passanten erwartungsfroh ihre Ärmchen entgegen. «Die Saison hat begonnen», bestätigt Rada Tatic, Mitarbeiterin des Bazars Hersche. Rund 150 verschiedene Zwerge gehören zum Sortiment des Fachgeschäfts. Sie kosten zwischen sieben und 299 Franken und sind zu einer Art Aushängeschild geworden. Touristen bleiben stehen, so, als wollten sie mit den Wichtelmännchen ins Gespräch kommen. «Es gibt Besucher, die Zwerge nach Amerika mitgenommen haben», erzählt Rada Tatic zu. Einige kaufen sogar eine komplette Märchenfamilie: Schneewittchen mit den sieben Zwergen.

Es gibt aber auch Einheimische, die sich jedes Jahr einen neuen Zwerg zum Geburtstag wünschen, oder Kinder, die ihre Mütter überraschen. Für alle Lebenssituationen existiert der passende Zwerg: Jäger, Fischer, Babysitter oder Landstreicher – alle mit einer roten Zipfelmütze.

Anti-Zwerge für Hasser

Die Gnome leben in einer heilen Welt: Inmitten von Fliegenpilzen, Froschkönigen und Murmeltieren zupfen sie auf ihrem Kontrabass, ziehen an einer Pfeife oder blinzeln in die milde Frühlingssonne. Spötter, Neider Ordnungswütige sind da nicht weit. So wollte das Bündner Walserdörfchen Monbiel unlängst Gartenzwerge als «Fremdkörper» aus dem Ortsbild entfernen. Und in den 1990er-Jahren entstand in Frankreich die Front zur Befreiung der Gartenzwerge, welche die zipfelmützigen Wichtel aus Vorgärten entführte. Die Produzenten von Gartenzwergen hingegen sind wesentlich toleranter. Für Zwergenhasser haben sie eine eigene Kategorie eingeführt: den sogenannten Anti-Zwerg. Er wurde überfahren, erstochen oder erhängt. Und auf Wunsch können ihn Kunden auch im Bazar Hersche bestellen. Auf dem Schmäuslemarkt werden die geschundenen Wichte jedoch nicht ausgestellt. Das Verhältnis zum Zwerg bleibt ein widersprüchliches. Als Liebhaber würden sich viele Menschen nicht zu erkennen geben. Doch Rada Tatic weiss: «Man schaut ja doch hin, wenn man Zwerge in einem Garten entdeckt.»

Bild: MICHAEL GENOVA

Bild: MICHAEL GENOVA

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