Gekreische, Schweiss und Tränen

Es riecht nach Schweiss und süssem Parfum. Dicht gedrängt stehen sie in der Schlange. Kleine Mädchen, die fest die Hände ihrer Mamis drücken. Grössere Mädchen, die ihre Handys gezückt haben. Und fast schon erwachsene Mädchen, die sich noch rasch die Lippen nachziehen.

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Es riecht nach Schweiss und süssem Parfum. Dicht gedrängt stehen sie in der Schlange. Kleine Mädchen, die fest die Hände ihrer Mamis drücken. Grössere Mädchen, die ihre Handys gezückt haben. Und fast schon erwachsene Mädchen, die sich noch rasch die Lippen nachziehen. «Mann», sagt eines der Mädchen und kaut angestrengt auf ihrem Kaugummi. «Noch eine ganze Stunde bis er kommt.»

Er: Mehrzad Marashi, 29jährig, frischgekürter Sieger der Fernsehsendung «Deutschland sucht den Superstar». Idol von Tausenden von Teenagern, Traum von Tausenden von Mädchen. Der Hamburger kam am Samstag vor seinem Auftritt im Glow-Club für seine erste Autogrammstunde in der Schweiz in die Shopping Arena.

Ankunft im Lamborghini

Um 15.45 Uhr hat die Schlange ein beachtliches Ausmass angenommen. Draussen vor dem Eingang schnappt eine 13-Jährige nach Luft. Aufgeregt sei sie, ein grosser Fan und – der Rest ihres Gestotters geht in Gekreische unter.

Eskortiert von der Verkehrsüberwachung Schweiz kommt Marashi an. In einem schwarzen Lamborghini. Er steigt aus und verschwindet innert Sekunden in der Arena, verfolgt von der Meute, die draussen wartete. Zurück bleiben nur jene, die dem auf Hochglanz polierten Auto mehr abgewinnen können als dem Superstar.

Drinnen kreischen die Autogrammjägerinnen was ihre Stimmbänder hergeben.

Die um die 2000 Teenies und Erwachsenen drücken und drängeln, die Digitalkameras griffbereit, nur ein Ziel vor Augen: So nah wie nur irgendwie möglich an ihren Star heranzukommen. Eltern heben ihre kreischenden Sprösslinge hoch, damit diese einen Blick auf Marashi erhaschen können. «Hallo», sagt der. Gekreische. «Geht's Euch gut?» Noch mehr Gekreische. Die Sicherheitsbeamten haben Mühe, die Meute im Zaum zu halten.

«Oh mein Gott, oh mein Gott»

Derweil signiert Marashi Karte um Karte. Scheinbar seelenruhig. Die Sonnenbrille – natürlich unabdingbar für einen Sänger seines Kalibers – lässt er auf. Fragen nach seiner Handynummer quittiert er mit einem Lächeln.

Draussen haben sich jene Autogrammjägerinnen versammelt, die bereits eine der heissbegehrten Karten mit Marashis unleserlichem Autogramm ergattert haben. Rotbackig und schweissüberströmt stehen sie da. Stotternd, die Schminke verschmiert.

Ein Mädchen wischt sich verstohlen eine Freudeträne von der Wange. Ein anderes findet kaum Worte. «Oh mein Gott, oh mein Gott, oh mein Gott», stösst es hervor und küsst ihre Autogrammkarte. Nebenan hypert eine Gruppe weiblicher Teenies noch mehr. «Er hat mich auf die Wange geküsst», sagt eine. Sekundenbruchteile später hat sie die Hände ihrer Kolleginnen im Gesicht. Jede will ein bisschen Mehrzad haben.

Schneller Abgang

Gegen 17 Uhr neigt sich der Spuk dem Ende zu. Die Schlange der Autogrammjäger wird kürzer. Dann sagt Marashi Tschüss. Gekreische. Die Sicherheitsmänner bahnen ihm einen Weg durch die Menge. Der «Superstar»-Gewinner geht schnellen Schrittes zum Auto, steigt ein, eine Horde von Fans spurtet hinterher. Der Lamborghini braust davon. Ein letzter Aufschrei geht durch die Menge. Dann wird es still. Malolo Kessler